30.09.2017

Zahnpasta: Was ist drin?

© diamant24 / iStock / Thinkstock

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von Dr. Anna Plaumann

Altägypter nutzten ein Pulver aus Eierschalen, Myrrhe, Bimssteinen und der Asche von Ochsenhufen, um Zahnauflagerungen zu entfernen. Moderne Zahnpasten sind High-End-Produkte mit vielen Komponenten.

Es gibt eine Reihe von Hauptbestandteilen von Zahnpasten wie Putzkörper und Abrasivstoffe, die sich in einem Dschungel aus englischen, chemischen und deutschen Namen verstecken. Der folgende Beitrag will etwas Licht ins Dunkel bringen.

Putzkörper/Abrasivstoffe

Einer der Hauptbestandteile von Zahnpasta sind Putzkörper beziehungsweise Abrasivstoffe. Allgemein gefasst unterstützen Abrasivstoffe die mechanische Reinigungswirkung der Zahnpasta. Ziel ist es dabei, Schleifkörper zu finden, die einerseits härter sind als Zahnauflagerungen, andererseits aber weicher als die Zahnhartsubstanz selbst, um deren unerwünschten Abtrag zu vermeiden. Da die einzelnen Zahnpartien unterschiedlich hart sind, ist das eine Herausforderung. Bezogen auf den Schmelz ist es meist unproblematisch, da er relativ hart ist. Dentin und Zahnzement jedoch sind deutlich weicher und werden damit leichter abgetragen.

Die Reinigungsleistung wird wie erwähnt von der Schleifkörperhärte, zusätzlich aber auch von Form, Größe und Konzentration des Putzkörpers beeinflusst. Des Weiteren beeinflussen auch die Zahnbürste und die Steifigkeit der Borstenfilamente die Reinigung. Zu beachten ist, dass Putzkörper – auch in geringer Menge – der Zahnpasta einen meist salzigen Geschmack geben und zudem das Schäumungsverhalten negativ beeinflussen. Im Durchschnitt sind etwa 20 bis 40 Prozent des Tubeninhalts Abrasivstoffe.

Zu den am häufigsten verwendeten Abrasivstoffen zählen Kieselsäure/Siliciumdioxid, Calciumcarbonat (Kreide) und Natriumhydrogencarbonat. Stark abrasiv wirkt zudem Aluminiumoxid, vor allem in Weißmacherzahnpasta ist Titandioxid enthalten. Einigen Zahnpasten werden „Zahnschmelz“-partikel wie Nano-Hydroxylapatit oder Perlenkörper (mikrokristalline Zellulose) mit geringem RDA-Wert zugesetzt.

Dieser Wert dient als internationale Messgröße für die Abrasivität von Zahnpasta und ist die Abkürzung für radioactive dentine abrasion. Je höher der Wert, desto abrasiver die Zahnpasta. Der RDA-Wert steht meist nicht auf der Verpackung, kann aber manchmal im Internet gefunden oder beim Hersteller erfragt werden. Der für die tägliche Zahnpflege empfohlene Bereich liegt zwischen 30 und 80. Die Aussagekraft ist aufgrund unterschiedlicher Messverfahren allerdings eingeschränkt, weshalb der RDA-Wert lediglich der Orientierung dienen sollte.

Faktum

  1. Natriumlaurylsulfat ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs der in Zahnpasta am häufigsten eingesetzte Schäumer.
  2. Es ist ein sehr preisgünstiges, synthetisch hergestelltes anionisches Tensid.
  3. Neben seiner Wirkung als Schäumer und Benetzer besitzt es einen antibakteriellen und antiviralen Effekt.
  4. In Konzentrationen bis zu zwei Prozent gilt es als gesundheitlich unbedenklich, kann allerdings zu Schleimhautreizungen führen.

Schäumer/Tenside

Wie der deutsche Name vermuten lässt, sind Tenside verantwortlich für das Schäumen der Zahnpasta im Mund. Zudem verringern sie die Oberflächenspannung des Speichels und sorgen dadurch für eine bessere Benetzung der Zahnoberfläche. Gleichzeitig verstärken sie die Reinigungswirkung der Putzkörper, indem sie die Plaqueablösung erleichtern.

Je nach chemischer Struktur besitzen Tenside unterschiedliche Ladungseigenschaften: Sie können anionisch (negativ geladen, reagieren mit positiven Teilchen), kationisch (positiv geladen, reagieren mit negativen Teilchen), amphoter (reagieren sowohl mit negativen als auch mit positiven Teilchen) oder nicht ionisch (ungeladen) sein.

In Zahnpasta spielen hauptsächlich die anionischen (z. B. Natriumlaurylsulfat, -sarcosinat) und amphoteren Moleküle (z. B. Kokosbetain) eine Rolle. Bei der Verwendung anionischer Tenside besteht das Risiko, dass Schleimhautirritationen hervorgerufen werden.

Aufgrund der erwähnten Ladung können Tenside auch in Wechselwirkung mit schlecht wasserlöslichen Stoffen treten, zum Beispiel mit Geschmacksstoffen oder einigen antimikrobiellen Substanzen, und so erst dafür sorgen, dass diese ihre Wirkung entfalten. Allerdings kann die Aktivität von Wirkstoffen nicht nur positiv, sondern auch negativ beeinflusst werden. So ist bis heute umstritten, ob das anionische Tensid Natriumlaurylsulfat die Wirkstärke des antimikrobiellen Wirkstoffs Chlorhexidin herabsetzt oder nicht. In einer aktuellen Übersichtsarbeit, die sich mit genau dieser Frage beschäftigt, lautet die Schlussfolgerung, dass natriumlaurylsulfathaltige Zahnpasta die Wirkung einer folgenden Chlorhexidinspülung nicht beeinflusst. Dies wird in der Literatur allerdings sehr kritisch diskutiert. Vom Gesamtinhalt der Zahnpasta machen Schäumer etwa 0,5 bis 2,5 Volumenprozent aus.

Feuchthaltemittel

Knapp ein Drittel der Zahnpasta (20 – 30 V%) besteht aus Feuchthaltemitteln. Deren Aufgabe ist es, die Zahnpasta geschmeidig zu halten und ihr Glanz zu verleihen. Feuchthaltemittel schützen zudem die Paste vor dem Austrocknen und einem Verkrusten. Das gängigste Feuchthaltemittel ist eine Kombination aus Glyzerin und Sorbitol. Darüber hinaus finden Ethoxydiglykol und Propylenglykol Verwendung.

Bindemittel/Emulgatoren

Damit sich Abrasivstoffe und Feuchthaltemittel gut miteinander vermischen und eine cremige Konsistenz bilden, bedarf es der Bindemittel, auch Verdickungs- beziehungsweise Stabilisierungsmittel genannt. Sie verhindern die Trennung von Feuchtigkeit und festen Bestandteilen und verteilen alle Inhaltsstoffe gleichmäßig. Außerdem verleihen sie der Zahnpasta die nötige Standfestigkeit auf der Zahnbürste und ermöglichen ein vereinfachtes Herausdrücken aus der Tube. Bindemittel machen etwa 0,5 bis 2,0 Volumenprozent aus. Zu ihnen zählen Polyethylenglykol PEG-x, Carrageen, Xanthan, Polyacrylsäure (Carbomer) sowie Carboxymethylcellulose, Alginate und Silikat.

Geschmacksstoffe

Geschmacksstoffe sollen dem Verbraucher das Zähneputzen möglichst angenehm machen, indem sie den unangenehmen Geschmack der Abrasivstoffe und Tenside überdecken. Zusätzlich haben sie eine erfrischende Wirkung sowohl beim als auch nach dem Putzen. In Deutschland ist häufig ein Pfefferminzgeschmack zu finden. Geschmacksstoffe machen etwa 0,3 bis 2,0 Prozent des Zahnpastavolumens aus. Sie sind mit die teuersten und gleichzeitig unbeständigsten Inhaltsstoffe einer Zahnpasta. Oftmals werden ätherische Öle oder Aromen verwendet. Die häufigsten sind Pfeffer- minzöl, Nelkenöl, Anisöl, Zimtöl, Zitrusöle, Menthol und Saccharin. Hinzu kommt noch das „caprylic/ capric triglyceride“ (Neutralöl), das den Grundgeruch und -geschmack hemmt.

Süßstoffe

Süßstoffe dienen der reinen Geschmacksverbesserung. Je nach Hersteller werden entweder Süßstoffe (z. B. Acesulfam, Saccharin, Sucralose) oder Zuckeraustauschstoffe (z. B. Sorbit, Xylit) verwendet. Xylit hemmt gleichzeitig das Wachstum und die Säureproduktion von Streptococcus mutans und wirkt somit antikariogen. Die Konzentration der Süßstoffe in Zahnpasta übersteigt in der Regel 0,5 Volumenprozent nicht.

TIPP!

Empfehlen Sie Kunden, die vermehrt zu Aphthenbildung neigen, eine Zahnpasta ohne Natriumlaurylsulfat zu verwenden, da dieser Inhaltsstoff in einem möglichen negativen Zusammenhang gesehen wird.

Farbstoffe

Die Zugabe von Farbstoffen hat keinen primären Nutzen und dient vor allem der psychologischen Kundenakzeptanz. Zudem helfen die Farben, verschiedene Wirkungen oder Geschmäcker der Zahnpasta zu verstärken. So verbindet man eventuell Grün mit einem Geschmack nach Pfefferminz und Kräutern, Rot mit dem schützenden Effekt gegen Karies und Gingivitis. Blau verleiht Frische und Reinheit.

Auf die Frage, wie die Streifen in die Tube kommen, gibt es für gewöhnlich zwei Antworten, beruhend auf der Herstellung: Man unterscheidet Oberflächen- und Tiefenstreifen. Bei den Oberflächenstreifen entsteht das Muster erst beim Herauspressen der Zahnpasta aus der Tube. Die bunte Farbe ist in einem gesonderten Bereich der Tube verfüllt und mischt sich mit der meist weißen Zahnpasta über eine spezielle Düse am Ausgang der Tube.

Bei den Tiefenstreifen wird die Zahnpasta bereits mit Streifen abgefüllt. Farbstoffe machen meist nur etwa 0,1 Volumenprozent der Gesamtpaste aus und sind in der Regel als Color-Index(CI)-Nummer in der Liste der Inhaltsstoffe zu finden.

Konservierungsstoffe

Konservierungsstoffe werden bei der Verwendung nicht ionischer Tenside benötigt, da sie die Zahnpasta bei längerer Lagerung vor Bakterienwachstum schützen. Zugesetzt werden zum Beispiel Parabene, Benzylalkohol oder Sorbinsäure. Die Konzentration liegt nicht über 0,2 Volumenprozent. Ein ausreichend hoher Anteil an Feuchthaltemitteln hat dieselbe Wirkung, sodass bei Verwendung dieser keine Konservierungsstoffe gebraucht werden.


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