30.05.2022

Zertifizierte Fortbildung: Reiseapotheke

von Christopher Waxenegger

Exotische Länder, Abenteuerurlaub oder doch ein Abstecher in heimische Gefilde? Je nach Reiseziel unterscheiden sich die Vorbereitungen zum Teil beträchtlich – so auch der Inhalt der Reiseapotheke.

Mann im Liegestühl

© demaerre / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Fortbildung

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  • Gewisse Medikamente sollten in keinem Urlaub fehlen.
  • Kunden sollten über nicht-medikamentöse und medikamentöse Prophylaxemaßnahmen beraten werden.
  • Manche Länder fordern einen schriftlichen Nachweis für bestimmte Impfungen.
  • Essenzielle Bestandteile für die Reiseapotheke schließen Magen-Darm- und Erkältungsmittel sowie Erste-Hilfe-Produkte zur Wundversorgung ein.
  • Schwangere und Kinder bedürfen einer gesonderten Beratung.

Lernziele

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • über notwendige und verfügbare Reiseimp- fungen Bescheid.
  • welche Optionen der Malariaprophylaxe es gibt.
  • was zur Vermeidung von Reisethrombosen getan werden kann.
  • welche Präparate für die Reiseapotheke besonders wichtig sind.
  • was bei Schwangeren und Kindern zu berücksichtigen ist.

Gewisse Medikamente sollten in keinem Urlaub fehlen. Schließlich kann man im Vorhinein nie sicher sein, was auf einen zukommt. Ob Dauermedikamente, Informationen zur optimalen Lagerung oder Impfempfehlungen: Die Apotheke ist Ansprechpartner Nummer 1.

Prophylaxe

Viele Menschen zieht es in der wohlverdienten Urlaubszeit in fremde Länder. Das bedeutet ungewohnte Speisen, Zeitumstellung, verändertes Klima sowie neuartige Krankheitserreger. Besonders in (sub-)tropischen Klimazonen wimmelt es nur so von potenziell infektiösen Pathogenen. Im Zuge des Beratungsgespräches sollten Kunden daher immer über etwaige Impfungen und andere Prophylaxemaßnahmen beraten werden.

Impfungen

Impfungen bieten eine effektive und einfache Möglichkeit der medikamentösen Prophylaxe von weit verbreiteten und/ oder lebensbedrohlichen Erkrankungen. Zudem kann das Beratungsgespräch immer auch dazu genutzt werden, einen Blick auf die empfohlenen Standardimpfungen zu werfen. Dabei handelt es sich um Impfungen, die unabhängig von Reisebedingungen und Reiseziel sind. Hierzu gehören etwa Hepatitis A und B, Polio, Pertussis, Diphtherie, Tetanus, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen und Influenza.

Gelbfieber-- Erreger des Gelbfiebers sind Flaviviren, die durch Stechmücken übertragen werden. Das Gelbfiebervirus ist in den tropischen Gebieten Äquatorialafrikas sowie Teilen Südamerikas endemisch, jedoch nicht in Asien. Touristen entwickeln im Gegensatz zur heimischen Bevölkerung oft schwere Krankheitsverläufe. Die einmalige Impfung bietet nach zehn Tagen lebenslange Immunität und wird ausschließlich in offiziell genehmigten WHO-Impfstellen verabreicht. Der Impfstoff ist stark temperaturempfindlich. Für die Einreise in manche Länder ist ein positiver Impfnachweis gesetzlich vorgeschrieben.

Japanische Enzephalitis-- Der Erreger ist ebenfalls ein Flavivirus, das wie Gelbfieber durch Stechmücken übertragen wird. Wie der Name schon andeutet, ist die Erkrankung in vielen asiatischen Ländern verbreitet. Sie verläuft in bis zu 25 Prozent der Fälle tödlich. Überlebende müssen zu einem hohen Prozentsatz mit schweren neurologischen Ausfallserscheinungen als Folgezustand rechnen. Geimpft wird an den Tagen 0 und 28. Die Grundimmunisierung sollte eine Woche vor dem Aufenthalt im Endemiegebiet abgeschlossen sein.

Typhus-- Die bakterielle Erkrankung wird fäkal-oral übertragen. Bekannte Endemiegebiete sind unter anderem Zentralafrika, Indien, Nepal, Indonesien sowie der gesamte Westen Südamerikas. Typhus ist eine lebensbedrohliche, meldepflichtige Erkrankung, für die sowohl eine Schluckimpfung (Tage 0-3-5) als auch eine Stichimpfung (einmalig) zur Verfügung stehen. Der Impfschutz bewegt sich zwischen 45 bis 75 Prozent. Zu beachten ist, dass eine gleichzeitige Antibiotikatherapie oder medikamentöse Malariaprophylaxe die orale Schluckimpfung wirkungslos macht.

Tollwut-- Im Fall einer Infektion verläuft die Viruserkrankung bei ungeimpften/ unbehandelten Personen zu 100 Prozent tödlich. Die Erreger gelangen durch den Biss beziehungsweise direkten Haut- oder Schleimhautkontakt eines infizierten Tieres in den Körper. Viele asiatische, zentralafrikanische und südamerikanische Länder stehen auf der vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Liste der Risikogebiete. Die vorbeugende Schutzimpfung empfiehlt sich, wenn eine vermehrte Tierexposition wahrscheinlich oder ein längerer Aufenthalt in Gebieten mit schlechter Gesundheitsversorgung geplant ist. Sie erfolgt an den Tagen 0, 7 und 28.

Meningokokken-- Meningokokken-Meningitis ist eine schwerwiegende bakterielle Erkrankung, die durch den per Tröpfcheninfektion übertragbaren Erreger Neisseria meningitidis verursacht wird. Es gibt mehrere serologische Gruppen, von denen vor allem die Gruppen A, B, C, W135 und Y für Endemien verantwortlich sind. Impfungen empfehlen sich für Individualtouristen, die eine Reise nach Afrika („Meningitisgürtel“) oder in den Nahen Osten planen. Während der Haddsch (Hajj) gilt in Saudi-Arabien eine Impfpflicht, unter anderem gegen Meningokokken-Erkrankungen.

Cholera-- Fäkal-oral übertragbare Cholera-Vibrionen führen zu massivem, mitunter lebensbedrohlichem Durchfall. Prophylaktisch kommt der Lebensmittelhygiene eine herausragende Bedeutung zu. Ein oraler Totimpfstoff (Tag 0 und 14) ergänzt die Hygienemaßnahmen und bietet einen 60- bis 85-prozentigen Schutz für die Dauer von sechs Monaten.


© [M] ttsz / Getty Images / iStock

Malaria

Mit über 200 Millionen Infizierten pro Jahr steht die Malaria tropica nach wie vor auf Platz 1 der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Ursache der parasitären Erkrankung sind einzellige Organismen der Gattung Plasmodium (Sporoziten), die durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke auf den Menschen übertragen werden. Im Verlauf der Infektion bilden sich aus den Sporozoiten schrittweise Gewebeschizonten, Merozoiten und schließlich Gametozyten, welche sich bei einem neuerlichen Stich der Mücke in dieser geschlechtlich fortpflanzen (Entwicklungszyklus der Plasmodien).

Beschwerden-- Erste Anzeichen einer Malaria sind anfangs unspezifisch und umfassen Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie gegebenenfalls Schüttelfrost. Die in Lehrbüchern beschriebene Fieberperiodik ist selten und tritt nur bei langen Verläufen auf.

Expositionsprophylaxe-- Generell sollte helle, hautbedeckende, nicht enganliegende Kleidung getragen werden, die zuvor optimalerweise mit Insektiziden imprägniert wurde. Da die Mücken vorwiegend dämmerungsaktiv sind, empfiehlt es sich zu dieser Zeit, mückensichere Räume aufzusuchen. Geeignete Repellenzien mit DEET (Diethyltoluamid) oder Icaridin komplettieren das beschriebene Vorgehen.

Chemoprophylaxe-- Eine medikamentöse Vorbeugung verhindert zwar nicht die Übertragung der Plasmodien, jedoch deren Vermehrung im Menschen. Zugelassen für die Malariaprophylaxe sind Atovaquon/Proguanil, Mefloquin und Chloroquin, deren Auswahl von der Resistenzsituation vor Ort abhängig ist. Die Verschreibung von Doxycyclin unterliegt in Deutschland nach wie vor dem Off-label-use. Auf jeden Fall sollten die Medikamente bereits in Deutschland und nicht erst im Zielland beschafft werden, da Medikamentenfälschungen nicht auszuschließen sind. Mit der Einnahme wird vor Reiseantritt begonnen und diese, je nach Wirkstoff, bis zu sechs Wochen nach Rückkehr fortgeführt.

Stand-by-Therapie-- Ersatzweise oder ergänzend bietet sich das ständige Mitführen einer Therapiereserve zur Selbsttherapie bei ungeklärtem Fieber (Malariaverdacht) an. Hierfür kommt vorzugsweise die Kombination aus Artemether/ Lumefantrin zum Einsatz.

Reisethrombose

Bei Langstreckenflügen (länger als 5 h) werden große Distanzen zurückgelegt. Bedingt durch Bewegungsmangel, geringe Luftfeuchtigkeit, allgemeinen Sauerstoffmangel und abgewinkelte Beine steigt die Wahrscheinlichkeit für Thrombosen. Diese treten vorwiegend in den Beinen (tiefe Beinvenenthrombose, TVT) oder dem Becken auf. Erste Anzeichen dafür sind Schwellungen und Schmerzen. Löst sich der lokale Thrombus und wird mit dem Blutstrom verschleppt, spricht man von einem Embolus. Besonders gefährlich ist es, wenn Emboli in die Lunge gelangen und dort ein Hauptgefäß verstopfen. Schätzungen zufolge kann etwa jeder fünfte plötzliche Todesfall im Flugzeug auf eine Lungenembolie zurückgeführt werden.

Hohe Risikofaktoren sind zum Beispiel Operationen oder Unfälle sechs Wochen vor Flugantritt, Malignome und Thromboembolien in der Vergangenheit. Zu den moderaten Risikofaktoren zählen das Alter, Adipositas, Schwangerschaft oder Hormontherapien. Grundsätzlich ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit coffeinfreien Getränken Wert zu legen. Wiederholtes Wechseln der Sitzposition, Durchstrecken der Beine und Fußwippen sind Möglichkeiten, die Muskel- oder Venenpumpe zu aktivieren und Thrombosen gar nicht erst entstehen zu lassen. Risikopatienten sollten an den Gebrauch von Stütz- oder Kompressionsstrümpfen (risikoadaptiert) erinnert werden. Bei hohem Risiko ist die Gabe eines Gerinnungshemmers zwei Stunden vor Abflug angeraten. Zu diesem Zweck kommen niedermolekulare Heparine (NMH, z. B. Enoxaparin, Dalteparin) zur Anwendung.

Magen-Darm-Probleme

In Bezug auf den Stoffaustausch besitzt der Verdauungstrakt die größte Kontaktfläche zur Außenwelt. Tagtäglich werden sämtliche Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, in verwertbare Bausteine zerlegt, um den Körper mit lebensnotwendigen Nährstoffen zu versorgen. Ungewöhnliche Lebensmittel und landestypische Mikroorganismen stören die Verdauung und verursachen zuweilen lästige Beschwerden.

Reisediarrhö

90 Prozent aller akuten Durchfallerkrankungen treten zwischen dem dritten und neunten Urlaubstag auf. Meist handelt es sich um wässrige Stuhlgänge, welche die Betroffenen mehrmals täglich auf die Toilette zwingen. Der Verlauf einer Reisediarrhö ist in der Regel unkompliziert. Oft ist es nach spätestens sechs Tagen überstanden. Entwickelt sich allerdings Fieber oder verliert der Patient mehr als fünf Prozent seines Körpergewichts, sind die Grenzen der Selbstmedikation erreicht.

Basistherapie-- Infolge der gesteigerten Wasserausscheidung kann es zur Austrocknung kommen. Ziel ist es, eine Dehydratation durch Zufuhr von Elektrolyten zu verhindern. Hierfür stehen zahlreiche Fertigpräparate zur Verfügung, die zuvor in Wasser oder Tee aufgelöst und nach jedem Stuhlgang getrunken werden. Der Rat, wonach Cola und Salzstangen bei Durchfall helfen, ist nicht korrekt. Während den Salzstangen wichtige Salze wie Kalium oder Nitrate fehlen, verstärkt Cola aufgrund ihres hohen Zucker- und Kohlensäuregehalts die Beschwerden zusätzlich.

Antidiarrhoika-- Der Motilitätshemmer Loperamid ist ein Opioidabkömmling ohne zentrale analgetische oder suchterzeugende Wirkung. Durch Hemmung der Darmmotilität verlangsamt sich die Darmpassage, was die Rückresorption von Wasser verstärkt. Racecadotril wirkt antisekretorisch, indem es das Enzym Enkephalinase im Darm hemmt. Beide Wirkstoffe sind bei Fieber oder Blut im Stuhl kontraindiziert. Alternativ kann auf Uzarawurzelextrakt- oder Tannin-Präparate zurückgegriffen werden.

Probiotika-- Das Metier von Probiotika sind leichte Durchfallerkrankungen. Darüber hinaus haben sie einen gewissen prophylaktischen Effekt. Als Wirkungsmechanismen sind die Hemmung pathogener Keime sowie die Bindung Diarrhö-auslösender Stoffe beschrieben.

Übelkeit und Erbrechen

Die Ursachen von Übelkeit und Erbrechen sind vielfältig. Auf Reisen kommen, abgesehen von offensichtlichen Ursachen wie übermäßigem Alkoholkonsum, vor allem akute Infekte beziehungsweise Reisekrankheit infrage. Aber auch Migräne oder die Einnahme gewisser Dauermedikamente kann als Nebenwirkung Übelkeit und Erbrechen auslösen.

Reisekrankheit-- Ursächlich ist die Missinterpretation des Gehirns, die räumliche Lage und Bewegung des Körpers betreffend. An der Entstehung ist Histamin wesentlich mitbeteiligt. ZNS-gängige Antihistaminika wie Dimenhydrinat blockieren dessen Rezeptoren und verhindern die Weiterleitung des Signals an das Brechzentrum.

Infekt-- Erbrechen im Rahmen von Magen-Darm-Erkrankungen ist als Schutzreflex des Körpers einzustufen und solle nicht automatisch medikamentös unterdrückt werden. Die Symptomatik ist für gewöhnlich selbstlimitierend. Bei anhaltenden Beschwerden ist ein Arzt aufzusuchen.

Sodbrennen

Sodbrennen präsentiert sich oftmals als Brennen hinter dem Brustbein oder im Hals, gefolgt von einem sauren Geschmack im Mund. Übeltäter sind auf Reisen vielfach üppige Mahlzeiten, fremde Gewürze oder Stress durch die Anreise. Treten die Beschwerden indes auch außerhalb des Urlaubs regelmäßig auf, sollte eine ärztliche Untersuchung in die Wege geleitet werden. Denn Sodbrennen ist keine eigenständige Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom und kann auf schwerwiegendere Probleme hinweisen.

Antazida-- Sie neutralisieren überschüssige Magensäure. Mittel der Wahl sind Magaldrat oder Hydrotalcit. Sie bilden eine Art schützenden, gelartigen Film, ohne das von älteren Substanzen bekannte, typische Rebound-Phänomen auszulösen. Die Wirkung der Antazida setzt schnell ein, klingt jedoch nach kurzer Zeit wieder ab. Die Einnahme erfolgt vorzugsweise ein bis zwei Stunden nach einer Mahlzeit.

Protonenpumpeninhibitoren-- PPI brauchen Zeit, bis sie wirken, sie haben keinen Akut- effekt. Nach der Darmpassage gelangen die Wirkstoffe über das Blut an ihren Zielort. In den Belegzellen des Magens binden sie schließlich irreversibel an die aktiven Protonenpumpen und verhindern die Sekretion von Magensäure ins Mageninnere. Dies erklärt, wieso die Wirkung erst nach circa ein bis zwei Tagen eintritt und ebenso lange nach dem Absetzen anhält. PPI sollten stets auf nüchternen Magen eingenommen werden.

Verstopfung

Zwar kommt es bei Fernreisen wesentlich seltener zu einer Verstopfung als zu Durchfal; ein träger Darm und damit verbundene Probleme können den Urlaub aber genauso verderben. Bei Kunden, die nach einem Laxans für die Reiseapotheke verlangen, sollte man sich nach der geplanten Destination erkundigen, weil viele Abführmittel als Suppositorien angeboten werden (Formverlust der Grundlage bei hohen Temperaturen).

Osmotische Laxanzien-- Sie binden überschüssiges Wasser und halten es im Darm, wodurch der Stuhl weicher wird und an Volumen zunimmt. Beispiele sind Macrogol, Lactulose und Sorbitol. Macrogol (Pulver) und Sorbitol (Klistier) lassen sich gut transportieren, wohingegen Lactulose nur als orale Lösung verfügbar ist.

Stimulanzien-- Sie wirken antiresorptiv und motilitätsfördernd. Musterbeispiel für diese Klasse ist Bisacodyl, ein Laxans, das als Dragee und Zäpfchen im Handel ist. Der abführende Effekt tritt nach dem Einbringen der Suppositorien schon nach 15 bis 30 Minuten ein, jener der Dragees nach sechs bis zwölf Stunden.

Eine Körpertemperatur über 38,2 Grad Celsius gilt als Fieber.

Erkältung

Grippale Infekte werden meist durch Viren ausgelöst. Im Fokus steht die rasche symptomatische Linderung der vorherrschenden Beschwerden.

Fieber und Schmerzen

Schmerz ist eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die mit einer tatsächlichen oder potenziellen Gewebeschädigung verbunden ist oder der damit verbundenen ähnelt. Er kann, muss aber nicht zwingend, mit Fieber, einem Anstieg der Körpertemperatur über 38,2 Grad Celsius, verbunden sein.

Paracetamol-- Der Wirkstoff hat fiebersenkende, moderat schmerzstillende, aber keine antiphlogistische Wirkung. Der analgetische Effekt ist bei Entzündungen (z. B. aktivierte Arthrose, Zahnschmerzen, Mittelohr-, Blasenentzündung) größtenteils zu schwach. Im Unterschied zu nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) ist der Einfluss auf die Blutgerinnung vernachlässigbar. A ngesichts seiner hervorragenden Verträglichkeit gilt Paracetamol nach wie vor als Schmerzmittel der Wahl für Schwangere, Stillende und Kinder, wobei besonders bei Kindern auf exakte Dosierung geachtet werden muss.

NSAR-- Vertreter dieser Wirkstoffklasse haben fiebersenkende, schmerzstillende und entzündungshemmende Effekte. Von den in der Selbstmedikation eingesetzten Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac hemmt ASS die Blutgerinnung am stärksten. Bei bestimmten tropischen Infektionen wird in Anbetracht des Blutungsrisikos explizit vom ASS-Gebrauch abgeraten (u.a. Dengue-Fieber, Gelbfieber, Malaria). Patienten, denen der Thrombozytenaggregationshemmer zur Infarktprophylaxe verordnet wurde, sollten Ibuprofen und Naproxen frühestens eine Stunde danach einnehmen.

Pyrazolone-- Neben ihren analgetischen und antipyretischen Eigenschaften zeichnet Phenazon und Propyphenazon ein spasmolytischer Effekt aus. Dieser lässt sich gezielt bei krampfartigen Schmerzen oder Migräne nutzen.

Husten

Die strenge Trennung zwischen produktivem und trockenem Husten wird zunehmend verlassen, da der Übergang zwischen den beiden Verlaufsformen fließend ist. Bei der Auswahl spielt die Praktikabilität eine große Rolle (Saft vs. Kapsel).

Expektoranzien-- Sie stimulieren die Aktivität der Flimmerhärchen im Bronchialepithel sowie die Funktion sekretorischer Drüsenzellen. Für die Wirkung ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr nötig. Synthetische Expektoranzien wie Ambroxol und N-Acetylcystein sind als Granulat oder Tabletten leicht zu transportieren. Mittlerweile gibt es aber auch zahlreiche Phytopharmaka wie Efeu in festen Darreichungsformen, die zum Teil auch ohne Wasser einnehmbar sind (Direktgranulat).

Antitussiva-- Sie unterdrücken den Hustenreiz. Dextromethorphan und Pentoxyverin blockieren Rezeptoren im Hustenzentrum, während Dropropizin und Pflanzenextrakte peripher-lokale-Effekte vermitteln. Einzig für Dextro- methorphan sind Kapseln verfügbar.

HNO und Auge

Oft sind es die kleinen Dinge, welche die größten Auswirkungen haben. Der HNO-Bereich wird von Reisenden gerne vernachlässigt: Hier lohnt es sich nachzufragen! Denn trockene Augen oder einen gereizten Hals bekommen wir schneller als uns lieb ist.

Hals-- Leichtes Kratzen oder Schmerzen im Hals sind oftmals die ersten Anzeichen einer Erkältung. Obwohl Gurgellösungen zweifelsohne nützlich sind, machen sie sich in einer Reiseapotheke mit viel Platz und Gewicht bemerkbar. Kompakte Lutschtabletten mit antiseptischen Inhaltsstoffen mit oder ohne Lokalanästhetika sind dann die bessere Wahl. Ebenfalls geeignet sind handliche Rachensprays mit Flurbiprofen oder Benzydamin, da sie schmerzstillend und gleichzeitig entzündungshemmend wirken.

Nase-- Vor allem für Flugreisen sollte ein Nasenspray im Handgepäck nicht fehlen. Bei verstopfter Nase kann nämlich kein Druckausgleich stattfinden – starke Schmerzen sind die Folge. Im Übrigen tritt Schnupfen vielfach als Begleitsymptom bei grippalen Infekten auf – abschwellende Nasentropfen mit Oxymetazolin, Naphazolin oder Xylometazolin sind also nie fehl am Platz. Für Kinder soll auf kindgerechte Dosisstärken geachtet werden.

Augen-- Ophthalmika gegen trockene Augen und Bindehautreizungen sind ideale Reisebegleiter. Speziell bei Urlauben im sonnigen Süden stört die intensive Sonnenstrahlung, kombiniert mit dem salzigen Meerwasser, den Tränenfilm der Augen. Hinzu kommen chloriertes Wasser in Poolanlagen, Windböen in Küstenregionen sowie Klimaanlagen im Flugzeug und Hotel. Viskositätserhöhende und/oder befeuchtende Stoffe wie Carmellose, Hyaluronsäure oder Trehalose stabilisieren den Tränenfilm. Dexpanthenol kann bei Bindehautreizung eine Ergänzung sein.

Ohren-- Wiederholter Wasserkontakt kann das empfindliche Hörorgan aus dem Gleichgewicht bringen. Gegen akute Schmerzen helfen Analgetika wie Ibuprofen und Naproxen. Der Gebrauch von abschwellenden Nasentropfen- und -sprays öffnet die zugeschwollene Eustachische Röhre und reduziert das Druckgefühl. Ohrentropfen mit Essigsäure helfen sowohl zur Begleittherapie als auch vorbeugend bei Entzündungen des äußeren Gehörgangs.

Wundversorgung

Ob Schnitt-, Schürf- oder Brandwunde, Verbandmaterial gehört in jede Reiseapotheke. Der Umfang richtet sich nach der Art des Urlaubs. Gewisse Produkte sollten hingegen immer mit an Bord sein.

Wundreinigung

Erster Schritt der Wundversorgung ist die Reinigung. Grobe Verschmutzungen werden dabei vorsichtig entfernt und die Wunde anschließend mit sauberen Wasser gespült. Nach dem Abtrocknen kann die Wunde mit Desinfektionsmitteln auf Octenidin- oder Jod-Basis behandelt werden. Silberhaltige Wundauflagen beugen einer bakteriellen Besiedelung vor.

Wundverschluss und -verband-- Blutet die Wunde, muss die Blutung gestoppt werden. Bei kleinen Verletzungen reicht zur Wundversorgung üblicherweise ein Heftpflaster (Wundschnellverband). Für größere Wunden eignet sich ein Wundverband. Dieser besteht aus einer direkten Wundauflage (sterile Kompresse) und einer Abdeckung zur Fixierung, etwa Mullbinden oder einem selbsthaftenden Verband. Für Brandverletzungen sind eigene Brandpflaster mit einer kühlenden Gelschicht verfügbar. Scheren, Pinzetten, Einmalhandschuhe sowie Wund- und Heilsalben vervollständigen das Erste-Hilfe-Set.

Prellungen und Zerrungen

Unter Prellungen versteht man eine nach einem heftigen Schlag oder Stoß auftretende Schwellung des Gewebes, ohne äußerlich sichtbare Gewebeschädigung. Zerrungen entstehen infolge starker Überdehnung von Muskeln, Sehnen oder Bändern und können ebenfalls von einer Schwellung und einem Hämatom begleitet sein.

Zur Erstversorgung wird das PECH-Schema angewandt: Pause, Eis, Kompression, Hochlagern. Später leisten NSAR-haltige Salben und Gele respektive pflanzlicher Alternativen wie Arnikablüten-, Rosmarinblätter- oder Beinwellkraut-Extrakt gute Dienste. Bei ausgeprägten Hämatomen kann Heparin in einer Konzentration von 30 000 bis 60 000 I.E./100 g den Abtransport des subkutan angesammelten Blutes beschleunigen.

Besondere Situationen

Schwangere und Kinder sind bekanntlich größeren (Arzneimittel-)Risiken ausgesetzt. Umsichtige Planung und Organisation der Reise sind deshalb ausgesprochen wichtig.


© Grafik: DAS PTA MAGAZIN / Illustration: Mone Beeck

Schwangere auf Reisen

Urlaube während der Schwangerschaft erfordern einiges an Vorbereitung. Betroffene Frauen sollten sich der Risiken und Nebenwirkungen ihrer Entscheidung bewusst sein. Ein guter Zeitpunkt ist gemeinhin das zweite Trimenon, wenn sich der Körper an die Umstellung gewöhnt hat, der Bauchumfang aber noch keine wesentlichen Einschränkungen verursacht.

Vorbereitung-- Reisen in europäische Länder bergen andere Risiken als Fernreisen. Beispielsweise unterscheiden sich die Vorgaben der Fluggesellschaften, was den Transport von Schwangeren anbelangt. Hier empfiehlt es sich bereits im Vorfeld abzuklären, welche Bestimmungen gelten, um Überraschungen am Terminal zu vermeiden. Gewisse Reiseimpfungen wie Gelbfieber und Cholera sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Nur bei zwingend erforderlicher Einreise kann eine Impfbefreiung ausgestellt oder auch in der Schwangerschaft geimpft werden. Bezüglich einer Malariaprophylaxe wird zuvorderst eine strikte Expositionsprophylaxe angestrebt. Im Einzelfall ist eine Stand-by-Medikation in Erwägung zu ziehen. Ungeachtet dessen, ist sicherlich eine ausführliche Beratung durch einen tropenmedizinisch erfahrenen Arzt sinnvoll.

Diverses-- Eine detaillierte Ausführung schwangerschaftstauglicher Medikamente würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Es wird auf die Empfehlungen des unabhängigen Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin verwiesen (www.embryotox.de).

Hingewiesen sei allerdings auf die ernste Gefahr des Zika-Virus! Schwangere und Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten Reisen in Zika-Virus-Gebiete tunlichst vermeiden. Eine Infektion in der Schwangerschaft beziehungsweise bis zu sechs Monate davor kann beim ungeborenen Kind zu schweren Hirnanomalien, neurologischen Auffälligkeiten und Wachstumsstörungen führen. Bislang ist keine Impfung oder medikamentöse Prophylaxe erhältlich. Bei unvermeidbaren Reisen raten Experten dringend zur Expositionsprophylaxe, vergleichbar mit jener von Malariagebieten.

Wussten Sie, dass ...

  • DEET und Icaridin die wirksamsten Repellenzien sind und aus diesem Grund für Tropenreisen empfohlen werden?
  • DEET in der Schwangerschaft kontraindiziert ist?
  • zuerst der Sonnenschutz und erst nach 20 Minuten das Repellent aufgetragen werden soll?
  • alle Sonnenbrände, die im Laufe des Lebens auftreten, das Risiko für schwarzen oder hellen Hautkrebs erhöhen?
  • 80 Prozent aller Sonnenschäden bereits vor dem 18. Lebensjahr verursacht werden?

Kinder auf Reisen

Obwohl der Spruch „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“ schon zum alten Eisen gehört, hat er nicht an Richtigkeit verloren. Kinder sind in vielerlei Hinsicht schutzbedürftig. Wesentlich für Urlaube ist, dass die Kleinen bestimmte Arzneimittel (z. B. Tabletten, Dragees) nicht einnehmen können. Als Alternative seien beispielhaft Säfte, Tropfen, Schmelztabletten, Zäpfchen, Pulver und Granulate genannt.

Medikamente-- An und für sich sollten sämtliche Arzneimittel auch in kindgerechter Darreichungsform vorliegen. Da die Kleinen öfter als Erwachsene mit akuten grippalen Infekten, einschließlich aller Begleitsymptome, und Reiseübelkeit zu kämpfen haben, ist hier ausdrücklich für ausreichende Arzneimittelreserven zu sorgen. Des Weiteren sollte die Reiseapotheke vorrangig im Handgepäck verstaut werden, da ein eventueller Verlust des Koffers unangenehme Konsequenzen, vor allem bei Dauermedikamenten, haben kann. Dies gilt ebenso für kühlungspflichtige Medikamente wie Insulin.

Interessenskonflikt: Der Autor erklärt, keinerlei Interessenskonflikte bezüglich des Themas zu haben.


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