30.04.2022

Zertifizierte Fortbildung: Schwangerschaft und Stillzeit

von Dr. Claudia Bruhn

Was ist bei der Abgabe von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten? Wo finden PTA verlässliche Informationen? Erfahren Sie alles Wichtige in unserer zertifizierten Fortbildung.

© LightFieldStudios / Getty Images

Fortbildung

Originalartikel als PDF


  • Arzneistoffe können die Plazenta passieren und in die Muttermilch übergehen. Dennoch sind viele Wirkstoffe in der Schwangerschaft und in der Stillzeit sicher, auch für die Selbstmedikation.
  • Eigenmächtig sollten Arzneimittel in der Schwangerschaft nicht abgesetzt werden, da dann nicht nur die Gesundheit der Frau, sondern auch die des Ungeborenen gefährdet werden kann.
  • Bei einigen Dauermedikamenten wie Antihypertonika, Antiepileptika oder Antidiabetika muss der Arzt in der Schwangerschaft die Behandlung auf verträglichere Wirkstoffe umstellen.
  • Zur Beratung in der Apotheke stehen verlässliche Informationsquellen wie die Apothekensoftware und die Fachinformationen der Arzneimittel sowie die Website www.embryotox.de zur Verfügung.

Lernziele

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • welche Risiken für Schwangere und Stillende von Arzneistoffen ausgehen können.
  • wie die medikamentöse Behandlung von chro-
  • nischen Krankheiten in Schwangerschaft und
  • Stillzeit angepasst wird.
  • welche Wirkstoffe zur Selbstmedikation von häufigen Schwangerschaftsbeschwerden wie
  • Übelkeit, Sodbrennen oder Schlafstörungen
  • empfohlen werden können.
  • welche Informationsquellen Sie nutzen können
  • um herauszufinden, ob ein Arzneimittel für
  • eine Schwangere oder Stillende geeignet ist.

Schwangerschaft ist keine Krankheit, doch Schwangere sowie auch Stillende können erkranken und dann Arzneimittel benötigen. Dabei handelt es sich um „normale“ Krankheiten oder solche, die typisch für die Schwangerschaft sind, wie zum Beispiel morgendliche Übelkeit. Bei rezeptpflichtigen Mitteln liegt die Risikoabwägung beim behandelnden Arzt. Aber wie verhalten Sie sich bei der Abgabe im Rahmen der Selbstmedika- tion? Dürfen Schwangere und Stillende überhaupt Medikamente einnehmen?

Besonderheiten

Aufgrund der physiologischen Besonderheiten von schwangeren und stillenden Frauen sowie der Empfindlichkeit des Fetus und des Säuglings sind Ärzte, aber auch Apothekerinnen, Apotheker und PTA bei der Auswahl der Arzneimittel besonders gefordert. Im Beratungsgespräch in der Apotheke sollte außerdem versucht werden, verunsicherten Frauen die Angst vor notwendigen Arzneimitteln zu nehmen. Denn die für medizinische Laien zugänglichen Quellen sowie Tipps aus den sozialen Medien können oft mehr Verwirrung stiften als aufklären.

Begriffe

Im Zusammenhang mit der Arzneimittelanwendung in Schwangerschaft und Stillzeit werden verschiedene Begriffe wie Embryotoxizität, Teratogenität oder Reproduktionstoxizität verwendet. Embryotoxisch ist ein körperfremder Stoff, der in der besonders sensiblen Embryonalphase zwischen dem 18. Schwangerschaftstag und der achten Schwangerschaftswoche Schaden anrichtet. In dieser Zeit werden die Organe beim Ungeborenen angelegt. Teratogen ist ein Arzneimittel, das beim Fetus Fehlbildungen hervorruft. Häufig wird auch der Begriff reproduktionstoxisch verwendet. Er steht nicht nur für die Schädigung des Kindes im Mutterleib, sondern auch für die Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit durch ein Arzneimittel.

TIPP!

Lesen Sie ergänzend und thematisch passend zu unserer zertifizieren Forbildung unseren englischen Beitrag "A Special Condition".

Plazentaschranke

Die Plazentaschranke ist eine Gewebeschicht, die den mütterlichen vom kindlichen Blutkreislauf trennt. Der Begriff „Schranke“ vermittelt den Eindruck, dass es sich um eine Barriere handelt, die verhindert, dass schädliche Substanzen aus dem Blut der Mutter in das Blut des Fetus gelangen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur Sauerstoff, Wasser, Glukose, Aminosäuren, Fette, Vitamine, Salze und Immunglobuline – wichtig für den „Nestschutz“ vor Infektionen nach der Geburt – erreichen über die Plazenta das Kind, sondern auch Viren, Bakterien, Alkohol, Drogen und Medikamente.

Konzeptionsschutz-- Viele Schwangerschaften werden in ihrer Frühphase nicht bemerkt. Deshalb ist bei Arzneistoffen, die für das Kind schädlich sein können, bei Frauen im gebärfähigen Alter vor der Behandlung ein negativer Schwangerschaftstest und währenddessen eine sichere Verhütungsmethode notwendig. Bei einigen Arzneistoffen, zum Beispiel dem Rheumamittel Methotrexat, dem Multiple Sklerose-Medikament Siponimod oder dem Aknemittel Isotretinoin ist diese Maßnahme auch noch für mehrere Tage oder sogar Wochen danach erforderlich.

Muttermilch

Ob ein Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, hängt unter anderem von seiner Fettlöslichkeit, dem Molekulargewicht, der Dosis oder der Halbwertszeit im Blutkreislauf der Mutter ab. Viele Arzneistoffe erreichen den gestillten Säugling nicht oder nur in sehr geringem Maße. Anders als im Mutterleib besitzt das gestillte Kind auch eigene Schutzmechanismen gegen körperfremde Stoffe wie die Magensäure. Säuglinge verstoffwechseln Substanzen jedoch viel langsamer als Erwachsene, sodass sie in ihrem Körper schädliche Konzentrationen erreichen können. Bei Müttern, deren Kinder zu früh oder krank geboren wurden, müssen die Risiken einer Arzneimittelanwendung in der Stillzeit sorgfältigst gegen den Nutzen abgewogen werden.

Abstillen-- Häufig wird Stillenden geraten, bei notwendiger Arzneimittel-Einnahme vorsichtshalber abzustillen. Das ist bei einigen Wirkstoffen tatsächlich notwendig. Es sollte jedoch gemeinsam mit dem Arzt eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden, denn auch ein vorzeitiges Beenden des Stillens hat Nachteile für das Kind. Bei kurzzeitiger Behandlung kann eine Stillpause eine Alternative zum Abstillen sein. Dabei wird die Muttermilch abgepumpt und verworfen und der Säugling mit Ersatznahrung versorgt.

Fragebogen zur zertifizierten Fortbildung Schwangerschaft und Stillzeit herunterladen!

Den Fragebogen zur zertifzierten Fortbildung Schwangerschaft und Stillzeit können Sie sich hier herunterladen. Die Fortbildung für PTA wurde unter der Veranstaltungsnummer

BAK/FB/2021/549-05 durch die Bundesapothekerkammer (BAK) akkreditiert. Die Akkreditierung ist gültig vom 28.04.2022 bis 27.04.2023.

Impfungen

Frauen mit Kinderwunsch sollten ihren Impfschutz prüfen und Impflücken schließen. Denn während der Schwangerschaft dürfen nur Totimpfstoffe verabreicht werden, aus Sicherheitsgründen erst nach dem dritten Monat. In der Stillzeit können dagegen auch Lebendimpfstoffe, zum Beispiel zum Schutz vor Masern oder Windpocken, geimpft werden, ausgenommen ist die Gelbfieberimpfung.

Kontaktpersonen-- Menschen im Umfeld der Schwangeren wie Eltern, Partner oder zukünftige Geschwisterkinder sollten ebenfalls Impflücken schließen, um das Risiko für die Übertragung von Erregern zu minimieren.

COVID-19-Impfung-- Das RKI empfiehlt ungeimpften Schwangeren ab dem zweiten Trimenon die Grundimmunisierung mit zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty ® (Abstand 3 – 6 Wo.). Stillenden werden zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs empfohlen: Comirnaty ® (Abstand 3 – 6 Wo.) oder Spikevax ® (Abstand 4 – 6 Wo.). Stillende unter 30 Jahren sollen mit Comirnaty ® geimpft werden. Laut RKI sollte Schwangeren ab dem zweiten Trimenon und Stillenden auch eine Auffrischimpfung (Boosterimpfung, 3. Impfung) im Abstand von mindestens drei Monaten zur letzten Impfstoffdosis angeboten werden.

Informationsquellen

PTA können sich zur Anwendung von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit in der Apothekensoftware, in Fachbüchern oder in den Fachinformationen der Präparate informieren. Sehr empfehlenswert ist auch die Website www.embryotox.de des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Em- bryonaltoxikologie am Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Das Zentrum ermöglicht Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch auch eine individuelle telefonische Beratung.

Verwirrend-- Die Lektüre des Beipackzettels kann für Schwangere oder Stillende verwirrend sein. Denn häufig ist dort zu lesen, dass von der Anwendung des Präparats in Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten wird, obwohl in anderen Quellen, wie embryotox.de, das Gegenteil steht. Wenn diese Zweifel im Beratungsgespräch in der Apotheke nicht ausgeräumt werden können, sollten sich die Frauen an ihren Arzt wenden.

Selbstmedikation

Viele Mittel für die Selbstmedikation können auch Schwangere und Stillende ohne Bedenken einnehmen, doch es gibt Ausnahmen. Der Verzicht auf notwendige Arzneimittel würde nicht nur der Gesundheit der Schwangeren, sondern auch der des Kindes schaden. Als Quelle für die folgenden Aussagen zu bestimmten Wirkstoffen diente www.embryotox.de. Deshalb kann es Unterschiede zu Angaben in den Beipackzetteln oder Fachinformationen geben.

Wussten Sie, dass ...

  • bestimmte Arzneistoffe wie das Immunsuppressivum Methotrexat auch das Erbgut von Spermazellen schädigen können?
  • sexuell aktive Männer unter der Einnahme von Methotrexat sowie bis zu sechs Monate danach Kondome verwenden müssen?
  • bei teratogenen Wirkstoffen wie einigen Aknemitteln Männer unter der Behandlung nicht nur keine Samenzellen, sondern auch kein Blut spenden dürfen?
  • das der Grund für ein Fehlbildungsrisiko beim Feten sein kann, wenn eine schwangere Frau eine solche Bluttransfusion erhält?

Schwangerschaftserbrechen

Im ersten Trimenon leiden viele Schwangere unter Übelkeit und Erbrechen – hauptsächlich nach dem Aufwachen, aber auch tagsüber. Ursachen sind hauptsächlich die Hormonumstellung, vor allem der Anstieg des schwangerschaftserhaltenden Hormons HCG (humanes Choriongonadotropin) oder Vitamin-B6-Mangel. Riskant für Mutter und Kind wird es, wenn das Erbrechen häufiger als fünfmal am Tag auftritt (Hyperemesis gravidarum). Denn dann kann der Wasser- und Elektrolythaushalt gestört werden, oder die Frau verliert an Gewicht. In diesem Fall verschreibt der Arzt beispielsweise ein Kombinationspräparat aus Doxylamin und Pyridoxin (Vitamin B6) oder Metoclopramid.

Pyridoxin-- Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt im ersten Trimenon eine Vitamin-B6-Zufuhr von 1,5 mg/Tag. Apothekenpflichtige Präparate sind viel höher dosiert, zum Beispiel 20 Milligramm, und auch nicht explizit für Schwangerschaftserbrechen zugelassen. Alternativen können niedriger dosierte Nahrungsergänzungsmittel oder die Anreicherung des Essens mit Vitamin- B6-reichen Getreidekeimlingen oder Hefeflocken sein.

Ingwer-- Kapseln mit gepulvertem Ingwerwurzelstock sind bei Schwangerschaftsübelkeit empfehlenswert. Als Nebenwirkung kann Sodbrennen auftreten.

Nicht medikamentös-- Bei Schwangerschaftsübelkeit sollten anstelle weniger großer lieber mehrere kleine Mahlzeiten verzehrt werden. Auch Akupunktur, Akupressur oder Aromatherapie können helfen. Für letztere sind ätherische Öle wie Zitronen-, Bergamotte- oder Mandarinenöl empfehlenswert, die etwa in einer Duftlampe angewendet werden.

Sodbrennen

Sodbrennen tritt häufiger gegen Ende der Schwangerschaft auf. Weil das Ungeborene dann viel Platz benötigt und außerdem der Speiseröhren-Schließmuskel hormonbedingt weniger gut schließt, kann Magensaft in die Speiseröhre aufsteigen und dort auch zu Entzündungen führen (Refluxösophagitis).

Antazida-- Kurzzeitig können bei Sodbrennen in Schwangerschaft und Stillzeit Antazida wie Sucralfat, Magaldrat und Hydrotalcit eingesetzt werden. Wegen einer möglichen Aluminiumbelastung des Kindes könnten die Frauen Bedenken haben. Bei kurzzeitiger Anwendung besteht aber in dieser Hinsicht kein Risiko.

Protonenpumpenhemmer-- Ist eine längere Behandlung notwendig, werden in Schwangerschaft und Stillzeit Omeprazol und Pantoprazol empfohlen.

Schutzfilm-- Der Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre kann auf mechanische Weise durch Präparate mit dem Wirkstoff Natriumalginat behindert werden. Die Zubereitung bildet auf dem Mageninhalt einen schützenden Film.

Verstopfung

Obstipation ist oft gegen Ende der Schwangerschaft ein Problem, weil die wachsende Gebärmutter die Darmpassage behindern kann. Eine weitere Ursache ist die hormonell bedingte Muskelspannung im Darm, die die Transitzeit verlängert. Auch die vermehrte Resorption von Wasser und Elektrolyten kann Verstopfung fördern.

Erste Wahl-- Wenn es nicht gelingt, die Symptome durch mehr Bewegung und eine ballaststoffreichere Ernährung zu lindern, sind Flohsamenschalen, Weizenkleie und Leinsamen Mittel der ersten Wahl. Dabei muss die Schwangere auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Außerdem können Lactulose oder Macrogol eingesetzt werden.

Hartnäckig-- Bei ungenügender Wirksamkeit dieser Mittel können in Schwangerschaft und Stillzeit gelegentlich und kurzfristig auch Bisacodyl oder Natriumpicosulfat eingesetzt werden, bei akuten Problemen auch Defäkationsauslöser wie Glycerol-Zäpfchen oder Miniklistiere mit Sorbitol.

Pflanzlich-- Pflanzliche Mittel gelten bei Schwangeren und Stillenden allgemein als mild und gut verträglich. Von pflanzlichen Abführmitteln mit Sennesblättern, Rhabarberwurzel, Faulbaumrinde oder Aloe ist jedoch abzuraten, da verschiedene Risiken diskutiert werden. So können beispielsweise Senna-Extrakte die Gebärmutter-Muskulatur stimulieren und deshalb unerwünschte frühzeitige Wehen auslösen.

Erkältung

Bei Erkältungssymptomen wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen setzen viele Schwangere und Stillende auf nicht medikamentöse Maßnahmen wie Ruhe, Schonung, Halswickel oder heißen Tee, was auch völlig in Ordnung ist. Dennoch ist in bestimmten Fällen eine Arzneimittelanwendung sinnvoll. Zum Beispiel sollten bei starkem Schnupfen wegen der Gefahr einer Sinusitis kurzfristig abschwellende Nasensprays mit Xylometazolin oder Oxymetazolin angewendet werden.

Dauerschnupfen-- Während der Schwangerschaft steigt die Durchblutung der Schleimhäute an, das betrifft auch die Nasenschleimhaut. Bei einigen Frauen führt das zur Schwangerschaftsrhinitis, die die gesamten neun Monate über bestehen kann. Abschwellende Nasensprays sind dann keine Option, da sie nicht länger als eine Woche angewendet werden dürfen. Als Alternativen werden Nasensprays oder -duschen auf Koch- oder Meersalzbasis und das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper empfohlen.

Husten-- Bei Husten in der Schwangerschaft, vor allem wenn er außerhalb der typischen Erkältungszeit auftritt, sollte auch an Reflux von Magensaft als Ursache gedacht werden. Denn wenn der untere Speiseröhren-Schließmuskel hormonbedingt nicht mehr so gut schließt wie vor der Schwangerschaft, kann Magensaft in die Speiseröhre aufsteigen und auch zum Hustenreiz führen. Bei erkältungsbedingtem Husten sind Acetylcystein, Ambroxol oder Bromhexin am besten geeignet. Bei Reizhusten kann in allen Schwangerschaftsphasen in Ausnahmefällen kurzfristig Dextromethorphan eingesetzt werden. Dagegen ist eine Anwendung in der Stillzeit nicht zu empfehlen, da eine atemdepressive Wirkung auf den Säugling nicht ausgeschlossen werden kann.

Ätherische Öle-- Erkältungsmittel wie Einreibungen, Bäder, Lutschtabletten oder Tees enthalten oft ätherische Öle. Doch nicht jedes ätherische Öl ist für die Anwendung in der Schwangerschaft geeignet, zum Beispiel, weil vorzeitige Wehen ausgelöst werden können. Ungeeignet sind beispielsweise Rosmarin-, Nelken-, Ingwer- und Pfefferminzöl.

Schlafstörungen

Vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel leiden viele Frauen an Durchschlafstörungen infolge des großen Körperumfangs oder Kindsbewegungen. Synthetische Schlafmittel wie Diphenhydramin können in der Schwangerschaft vorübergehend angewendet werden, was die Schlafprobleme aber nicht dauerhaft löst. Außerdem lehnen die meisten Frauen synthetische Mittel in der Schwangerschaft ab. Fußbäder oder Massagen mit Produkten mit Lavendelöl oder Tees mit Melissenblättern oder Fenchelsamen vor dem Schlafengehen können eine Alternative sein.

Rezeptpflichtiges

Wenn chronisch kranke Frauen wie Asthmatikerinnen, Epileptikerinnen oder Diabetikerinnen schwanger werden, stellt der Arzt die medikamentöse Therapie manchmal um. Es ist aber wichtig, dass Frauen nach einem positiven Schwangerschaftstest ihre Arzneimittel aus Angst vor Nebenwirkungen nicht eigenmächtig absetzen. Denn sonst kann es zu Verschlimmerungen der Krankheit kommen, die auch das Ungeborene gefährden.


©DAS PTA MAGAZIN / Illustration: Mone Beeck

Antiasthmatika

In jeder Phase der Schwangerschaft ist es wichtig, dass das Kind im Mutterleib ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Deshalb muss eine Schwangere bei einem Asthmaanfall rasch behandelt werden. Auch bei einem leichten Anfall sollte sie schnell einen Arzt aufsuchen, außerhalb der Sprechzeiten die Notaufnahme eines Krankenhauses. Damit das Kind immer ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, kann bei einem Asthmaanfall eine Sauerstofftherapie notwendig sein.

Arzneimittel-- Fast alle Asthma-Wirkstoffe können auch in der Schwangerschaft angewendet werden. Als Bedarfsmedikament ist Salbutamol-Spray Mittel der Wahl. Bei den inhalativen Kortikosteroiden (ICS) sind Budesonid, Beclometason und Fluticason am sichersten. Bei schwererem Asthma sind Formoterol und Salmeterol in Kombination mit ICS geeignet. Auch Ipratropiumbromid und Theophyllin können verordnet werden, bei letzterem sind Kontrollen alle vier Wochen notwendig.

Kontrollen-- Wenn das Asthma während der Schwangerschaft nicht gut unter Kontrolle ist oder sich verschlechtert, sollte die Frau vom Frauenarzt und Lungenfacharzt gemeinsam betreut werden.

Antiepileptika

In der Schwangerschaft können bei Epileptikerinnen Anfälle häufiger auftreten. Ein möglicher Grund dafür ist, dass sie Medikamente aus Angst vor Nebenwirkungen auf das Kind absetzen. Manche Antiepileptika werden auch in der Schwangerschaft schneller verstoffwechselt, die Wirkspiegel sind dann zu niedrig. Mittel der Wahl sind hier Lamotrigin und Levetiracetam, jeweils in Monotherapie.

Embryotoxizität-- Einige Antiepileptika können den Embryo schädigen und dürfen von Schwangeren nicht eingenommen werden. Dazu zählen Valproinsäure, Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin.

Vorsichtsmaßnahme-- Valproinsäure besitzt ein sehr hohes teratogenes Risiko. Deshalb stellen Ärzte häufig Patientinnen im gebärfähigen Alter vorsorglich auf ein anderes Mittel um.

Stillzeit-- Zur Sicherheit des Stillens bei Müttern, die Antiepileptika einnehmen, gibt es einige Erkenntnisse aus Studien. Obwohl geringe Mengen der Wirkstoffe in die Muttermilch übergehen, wurden keine negativen Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung der Kinder beobachtet. Epileptikerinnen dürfen deshalb nach ärztlicher Rücksprache in der Regel stillen.

Migränemittel

Da von Migräne mehr Frauen als Männer betroffen sind, ist diese Erkrankung in der Schwangerschaft besonders relevant. Die gute Nachricht: Im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel bessern sich Migränekopfschmerzen häufig, oder sie verschwinden ganz.

CAVE-- In einer Migräneattacke können Paracetamol oder NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen eingesetzt werden, allerdings nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche. Der Grund: Diese Schmerzmittel hemmen die Prostaglandin-Produktion. Prostaglandine erfüllen jedoch im Körper viele verschiedene Funktionen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sorgen sie dafür, dass der Ductus arteriosus Botalli, eine Verbindung zwischen Lungenschlagader und Aorta, offen gehalten wird. Benannt wurde dieser Gang nach dem italienischen Chirurgen Leonardo Botallo.Er darf sich erst nach der Geburt, wenn das Kind eigenständig atmet, verschließen und nicht schon vorher.

Wirkstoffe-- Weitere Wirkstoffe, die bei Migräne in der Schwangerschaft angewendet werden können, sind das Triptan Sumatriptan bei akutem Anfall, Metoclopramid gegen die begleitende Übelkeit und Metoprolol oder Amitriptylin zur Migräneprophylaxe.

Antidiabetika

Diabetikerinnen zählen zu den Hochrisiko-Schwangeren. Schwankungen des Blutzuckerspiegels, vor allem Hyperglykämien, können Mutter und Kind schaden. Es besteht zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen beim Kind bis hin zum Kindstod im Mutterleib sowie Bluthochdruck und Präeklampsie bei der Mutter. Es ist deshalb wichtig, den Blutzuckerspiegel während der gesamten Schwangerschaft nahe am Normalwert zu halten.

Oralia-- Mit oralen Antidiabetika wie Metformin oder Glibenclamid kann während der Schwangerschaft der Blutzuckerspiegel nicht so zuverlässig reguliert werden wie mit Insulin. Auch für die Stillzeit sind sie nicht geeignet, da sie entweder in die Muttermilch übergehen oder dazu keine Daten vorliegen. Frauen, die vor der Schwangerschaft orale Antidiabetika eingenommen haben, werden deshalb meistens auf Insulin umgestellt. Damit kann auch besser auf den unterschiedlichen Insulinbedarf, der zum Beispiel im zweiten und dritten Trimenon stark ansteigt, reagiert werden. Eine Ausnahme bildet Metformin. Kürzlich haben in Deutschland die Metformin-Präparate Glucophage ® und Stagid ® eine Zulassungserweiterung für die Schwangerschaft erhalten.

Insulintherapie-- Insulin ist nicht plazentagängig und deshalb für die Schwangerschaft geeignet. Humaninsulin ist bei Schwangeren am besten untersucht. Wenn eine Diabetikerin vor der Schwangerschaft gut auf kurzwirksame Insulinanaloga wie Insulin lispro oder Insulin aspart eingestellt war, können diese beibehalten werden. Dagegen gibt es zur Anwendung von Insulin glulisin keine ausreichenden Erfahrungen bei Schwangeren. Bei den lang wirksamen Insulinen wird (NPH) Insulin human bevorzugt, auch Insulin detemir ist möglich, wenn die Patientin drauf gut eingestellt ist. Kürzlich hat auch das langwirksame Basalinsulin Tresiba ® (Insulin degludec) eine Zulassungserweiterung für die Schwangerschaft erhalten.

Gestationsdiabetes-- Bei etwa jeder zehnten Schwangeren entwickelt sich ein Schwangerschafts-Diabetes. Zunächst wird versucht, den Blutzuckerspiegel durch Lebensstil-Maßnahmen wie Diät und mehr Bewegung zu senken. Wenn dies nicht gelingt, werden die Frauen während der Schwangerschaft mit Insulin behandelt. In vielen Fällen kann die Insulinbehandlung nach der Schwangerschaft beendet werden. Was bleibt, ist ein stark erhöhtes Diabetesrisiko. Zu dessen Verringerung wird den Müttern empfohlen, nach der Entbindung durch Lebensstil-Maßnahmen ihr Normalgewicht zu erreichen.

Antihypertonika

Ein erhöhter Blutdruck ist in der Schwangerschaft keine Seltenheit. Wenn die Hypertonie schon vor der Schwangerschaft bestanden hat, muss der Arzt die Medikation fast immer umstellen. Denn die meisten Standard-Antihypertonika, also ACE-Hemmer, Sartane oder Diuretika, sind für Schwangere ungeeignet. Mittel der Wahl ist Alpha-Methyldopa. Eingeschränkt geeignet sind retardiertes Nifedipin und der Betablocker Metoprolol.

Schwangerschaftshochdruck-- Wenn der Blutdruck bis zur 20. Schwangerschaftswoche normal war, dann jedoch auf 140/90 mm Hg oder mehr ansteigt, liegt ein Schwangerschaftshochdruck vor. Er sollte sich spätestens zwölf Wochen nach der Entbindung zurückgebildet haben.

Präeklampsie-- Bei Frauen mit Schwangerschaftshochdruck kann sich diese gefürchtete Erkrankung entwickeln, bei der das Gefäßsystem in der Plazenta ungenügend ausgebildet ist. Dadurch wird das Kind unzureichend mit Nährstoffen versorgt, sein Wachstum verzögert sich. Bei der Schwangeren kommt es zur Eiweißausscheidung in den Urin (Proteinurie), Kopfschmerzen, Sehstörungen, Ödemen und Bauchschmerzen. Schwangere mit Präeklampsie oder Risikofaktoren dafür wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Übergewicht werden engmaschig überwacht. Die Betroffenen sind auch angehalten, zweimal täglich ihren Blutdruck zu messen, wobei die Apotheke Unterstützung anbieten kann.

Interessenskonflikt: Die Autorin erklärt, dass keinerlei Interessenskonflikte bezüglich des Themas vorliegen.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Ärzte Zeitung

Ärzte Zeitung Online erreicht Mediziner und Mitarbeiter in Praxis und Klink ebenso wie Nutzer, die in anderen Heilberufen tätig sind. Patienten, deren Angehörige und ein großes an Gesundheitsthemen interessiertes Publikum gehören ebenfalls zu unseren regelmäßigen Besuchern.

www.aerztezeitung.de

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen direkt in Ihr Postfach – wöchentlich und kostenlos.