30.01.2020

Ditane und Gepante: Neu gegen Migräne

von Dr. Claudia Bruhn

Die Therapiemöglichkeiten für Migränepatienten haben sich in den letzten Jahren stark erweitert. Ein Ende ist nicht abzusehen, denn weitere Wirkstoffe werden zurzeit in klinischen Studien geprüft.

© MaximFesenko / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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Ditane und Gepante sind neue Wirkstoffklassen in der Therapie der Migräne, die zur Zeit noch nicht in Europa zugelassen sind. Bei den Ditanen wurde in den USA im Oktober 2019 mit Lasmiditan (Reyvow ™) der erste Vertreter zugelassen. Die Tabletten können zur akuten Behandlung der Migräne mit und ohne Aura eingesetzt werden. Ubrogepant und Rimegepant gehören in die Klasse der Gepante; ein Fertigarzneimittel ist noch nicht auf dem Markt. Die drei Wirkstoffe wurden zur Therapie akuter Migräneattacken erfolgreich in Studien getestet. Verlaufen die Studien weiterhin erfolgreich, dürfte auch einer Zulassung in Europa nichts im Wege stehen.

Alternative zu Triptanen

Die neuen Wirkstoffe besitzen das gleiche Einsatzgebiet wie die Triptane, die sich in der Migräne-Behandlung bereits etabliert haben. Deren Vertreter Naratriptan und Almotriptan sind bekanntlich auch für die Selbstmedikation zugelassen. Doch Triptane eignen sich nicht für alle Patienten. Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sie beispielsweise kontraindiziert. Außerdem sprechen etwa 30 bis 40 Prozent der Migränepatienten auf Triptane nicht an. Für diese Betroffenen könnten Ditane eine Alternative sein, erläuterte die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) kürzlich in einer Pressemitteilung.

Angriff am Serotoninrezeptor

Triptane und Ditane sind zwar chemisch nicht mitein- ander verwandt, haben aber gemeinsam, dass sie an Serotoninrezeptoren (Hydroxytryptamin-(HT-)Rezeptoren) im Gehirn angreifen. Dabei bevorzugen die Triptane die Vertreter 5-HT1B und 5-HT1D. Das führt zu einer Verengung der im Migräneanfall erweiterten Gefäße im Schädel. Außerdem hemmen Triptane die Freisetzung von schmerz- und entzündungsfördernden Neuropeptiden aus Nervenendigungen des Gesichtsnervs Trigeminus und die Weiterleitung von Schmerzsignalen. Da nicht auszuschließen ist, dass sie auch in anderen Körperregionen gefäßverengend wirken, birgt die Einnahme von Triptanen bei Patienten, die bereits einmal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, ein Risiko.

Keine Vasokonstriktion-- Bei den Ditanen verhält es sich etwas anders. Sie besitzen eine vielfach höhere Affinität zum Rezeptor 5-HT1F, der nicht zu einer Gefäßverengung führt. In zwei großen klinischen Phase-3-Studien war Lasmiditan in der Akuttherapie eines Migräneanfalls wirksamer als Placebo. Laut DGN könnte der Wirkstoff allerdings am ehesten bei Patienten mit Kontraindikation für die Einnahme von Triptanen verordnet werden. Denn in den Studien hatten sich auch unerwünschte zentrale Wirkungen wie Benommenheit und Schwindel gezeigt, die den praktischen Einsatz einschränken würden.

Kleine Moleküle am CGRP-Rezeptor

Die zweite potenziell neue Substanzklasse, die Gepante, sind kleine Moleküle, die als Antagonisten am Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP-)Rezeptor wirken. Auch CGRP ist kein Unbekannter. Es handelt sich um einen Botenstoff, der gefäßerweiternd und entzündungsfördernd wirkt. Außerdem erhöht er die Empfindlichkeit von Trigeminus-Nervenzellen. Der CGRP-Rezeptor-Antikörper Erenumab (Aimovig ®) und die CGRP-Antikörper Fremanezumab (Ajovy ®) und Galcanezumab (Emgality ®) richten sich gegen die Aktivität dieses Moleküls und greifen damit in die Entstehung von Migräneanfällen ein. Sie sind deshalb zur Migräneprophylaxe zugelassen, verabreicht werden sie subkutan.

Die Vertreter der neuen Substanzklasse der Gepante werden, sofern die klinische Prüfung erfolgreich durchlaufen wurde, als Tabletten einzunehmen sein. In größeren klinischen Studien wurden die Wirkstoffe Ubrogepant und Rimegepant bereits erfolgreich getestet, das heißt, ihre Wirksamkeit war Placebo überlegen. Die Verträglichkeit ist wahrscheinlich besser als die von Lasmiditan. Die Wirksamkeit der Ditane und Gepante schätzt die DGN geringer ein als die der Triptane – obwohl direkte Vergleichsstudien noch nicht vorliegen. Die Mediziner halten sie dennoch für eine wichtige Therapieoption für diejenigen Patienten mit schwerer Migräne, bei denen Triptane kontraindiziert sind.


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