Frühjahrsmüdigkeit: Viel Gefühl, wenig Daten

(kib) Viele Menschen fühlen sich zu Beginn des Frühlings antriebslos, müde und erschöpft. Doch lässt sich das Phänomen „Frühjahrsmüdigkeit“ wissenschaftlich tatsächlich nachweisen? Forschende aus der Schweiz verneinen das.

13.03.2026

Junge Frau sitzt auf der Terrasse mit Laptop und gähnt.
© Foto: sementsova321 / stock.adobe.com
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Ein Team des Zentrums für Chronobiologie der Universität Basel, der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sowie des Inselspitals Bern ist der Frage nachgegangen, warum so viele Menschen im Frühjahr von Erschöpfung berichten. Ihr Fazit: Frühjahrsmüdigkeit scheint eher ein kulturelles als ein biologisch messbares Phänomen zu sein.

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Daten online gesammelt

Für die Studie wurden Teilnehmende ab April 2024 ein Jahr lang alle sechs Wochen online befragt. Insgesamt flossen die Angaben von 418 Personen in die Auswertung ein.

Die Befragten gaben jeweils an, wie erschöpft sie sich in den vergangenen vier Wochen gefühlt hatten. Zusätzlich machten sie Angaben zu Tagesmüdigkeit und Schlafqualität. Durch die regelmäßigen Erhebungen waren alle Jahreszeiten abgedeckt.

Zu Beginn der Studie berichtete rund die Hälfte der Teilnehmenden, unter Frühjahrsmüdigkeit zu leiden. Entsprechend hätten sich saisonale Muster in den Daten zeigen müssen, erklärt Studienleiterin Christine Blume. Doch genau das war nicht der Fall: Weder die Geschwindigkeit der Tageslängenveränderung noch der jeweilige Monat oder die Jahreszeit hatten einen messbaren Einfluss auf den Erschöpfungszustand.

Kulturell geprägtes Phänomen

Die Forschenden sehen die Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiven Daten als Hinweis darauf, dass Frühjahrsmüdigkeit vor allem kulturell geprägt ist. Weil der Begriff so etabliert ist, achten viele Menschen im Frühling stärker auf Müdigkeitssymptome – und interpretieren sie entsprechend. Das Phänomen bestätigt sich damit gewissermaßen selbst.

Wer sich im Frühling energielos fühlt, dem rät Blume zu viel Tageslicht, Bewegung und ausreichend Schlaf.

Quelle: IDW

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