Migräne im Alter: Andere Symptome, mehr Chronifizierung
- Senioren haben seltener eine Aura oder Übelkeit, zeigen aber häufiger Fatigue und chronifizierte Verläufe.
- Ein hoher Konsum von Triptanen und NSAR steigert bei Älteren die Gefahr für medikamenteninduzierte Kopfschmerzen.
- Typische Trigger im höheren Alter sind körperliche Belastung und Stress, oft einhergehend mit verstärkten Ängsten.
Jüngere und ältere Migränepatienten unterscheiden sich sowohl in ihrer Symptomatik als auch in der Therapie. Entsprechende Studiendaten präsentierte die Neurologin Dr. Giulia Paparella (Universität Bari) kürzlich auf dem Kongress der European Academy of Neurology in Genf.
So zeigt eine 2025 publizierte Analyse aus dem Kopfschmerzzentrum in Bari, dass Menschen ab 60 Jahren häufiger nur eine „wahrscheinliche“ oder eine sekundäre Migräne attestiert wird als jüngeren Betroffenen. Auffällig in dieser Studie war zudem, dass bei Seniorinnen und Senioren seltener eine Aura auftrat.
Die Patientinnen und Patienten klagten weniger über typische Begleitsymptome wie Geräuschüberempfindlichkeit (Phonophobie), Übelkeit und Erbrechen. Stattdessen litten sie deutlich häufiger unter ausgeprägter Fatigue und einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit (Allodynie). Ältere nahmen im Vergleich zu Jüngeren häufiger Medikamente zur akuten Schmerztherapie ein und setzten seltener auf präventive Maßnahmen.
Mehr Chronifizierung, weniger Aura
In einer eigenen Studie werteten Paparella und ihr Team die Daten von etwas über 3.000 Personen mit Migränediagnose aus dem italienischen Kopfschmerzregister (RICe) aus. Auch hier bestätigte sich: Der Anteil an Patientinnen und Patienten mit chronischer Migräne ist im Alter deutlich höher als bei den unter 45-Jährigen, wenngleich eine Migräne mit Aura seltener vorkommt. Pro Monat kam es bei den Seniorinnen und Senioren zwar zu etwas mehr Migräneanfällen, diese verliefen dafür aber nicht ganz so schmerzintensiv.
Ein wichtiges Warnsignal für die Beratung fiel den Forschenden ebenfalls auf: Knapp die Hälfte der älteren Patienten zeigte Anzeichen für einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz (Medication Overuse Headache, MOH). Der Anteil der Betroffenen stieg mit zunehmendem Alter stetig an. Ältere kombinierten zudem häufiger Akutarzneimittel wie Triptane, NSAR und Opioide.
Als häufige Trigger der Migräne im Alter erwiesen sich Bewegung und Stress; zudem litten ältere Betroffene häufiger unter begleitenden Ängsten als jüngere.
Quelle: Ärzte Zeitung