30.11.2019

Protonenpumpeninhibitoren: Sauer und nicht lustig

von Petra Schicketanz

Eine ausufernde Magensäureproduktion ist nicht lustig. Glücklicherweise können die Beschwerden von Sodbrennen bis zum Magengeschwür mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) behandelt werden.

Magen

© ChrisChrisW / Getty Images / iStock

Fortbildung

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  • Sodbrennen, Refluxösophagitis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie das Zollinger-Ellison-Syndrom stehen im Zusammenhang mit einer überhöhten Magensäureproduktion.
  • Protonenpumpeninhibitoren blockieren die membranständigen H + /K + -ATPase der Belegzellen irreversibel.
  • Bei langjährigem Dauergebrauch erhöhen PPI besonders bei älteren Menschen das Risiko für Knochenbrüche.
  • PPI zeigen unter anderem Arzneimittelinteraktionen mit Diazepam, Digoxin, Makrolid-Antibiotika, Phenytoin und Warfarin.

Bei der Verdauung muss der Magen Hochleistungen vollbringen. Dies schafft er nur mit Hilfe seines Magensaftes und dem perfekten Zusammenspiel eines ganzen Cocktails aus Hormonen, Enzymen und Säure. Der Magensaft wird auch im Nüchternzustand sezerniert. Sinneseindrücke, psychische Einflüsse und Geschmacksrezeptoren auf der Mundschleimhaut kurbeln die Produktion an, um für die zu erwartende Nahrung alles bereitzustellen. Dehnt sich dann das Magengewebe und steigt der pH-Wert des Mageninhalts durch aufgenommene Speisen, setzt die Sekretion von Gastrin, Pepsin und Salzsäure ein. Sobald die Speiseportion (Chymus) in den Zwölffingerdarm übertritt, wird dieser Prozess gehemmt, was durch verschiedene Botenstoffe wie Sekretin, GIP, VIP und Glucagon geschieht.

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Salzsäure-- Sie stellt einen der wichtigsten Bestandteile der täglich produzierten zwei bis drei Liter Magensaft dar und reguliert den pH-Wert des Magensaftes auf Werte zwischen 1,0 und 1,5. Zu ihren Aufgaben gehört es, Mikroorganismen abzutöten, Nahrungseiweiße zu denaturieren und das Verdauungsenzym Pepsinogen zu aktivieren.

Belegzellen-- Die Magensäure wird zusammen mit dem Intrinsic factor in den Belegzellen produziert. Sie sitzen in der Magenschleimhaut im Bereich von Fundus (Kuppelraum oberhalb der Speiseröhreneinmündung) und Corpus (Hauptteil des Magens). Belegzellen sondern ins Mageninnere Protonen ab, während sie Chloridionen durch ihr Zytoplasma hindurchschleusen.

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Schleimhaut in Not

Damit Enzyme und Säure die Wände des Verdauungstraktes nicht zersetzen, sind diese durch eine Schleimhaut (Mucosa) geschützt, vorausgesetzt, dass deren Oberflächenepithel intakt und sie in der Lage ist, die notwendige Menge Schleim (Mucin) zu produzieren. Dies geschieht in den Oberflächen- und Nebenzellen, Kardial- und Pylorusdrüsen. Gleichzeitig produziert das Oberflächenepithel Bicarbonat, das direkt vor Ort einen schützenden Säurepuffer bildet. Bei einer Schädigung der Epithelzellen wird Prostaglandin E2 freigesetzt, das die Produktion neuer Zellen anregt.

Gene und Stress

Eine angemessene Durchblutung ist für die reibungslosen Abläufe an der Schleimhaut Voraussetzung, weshalb das Tragen einschnürender Kleidungsstücke wie zu enger Gürtel nicht zu empfehlen ist. Hektik und Stress, gerne auch kombiniert mit fettigem Essen, Zigaretten oder Alkohol stellen eine Belastung für die Magenschleimhaut dar, die über das vegetative Nervensystem gesteuert wird und mit Reizungserscheinungen reagiert. Der Vagusnerv ist der 10. Hirnnerv und versorgt als längster Nerv des parasympathischen Nervensystems fast alle inneren Organe. Menschen mit einer ständigen Säureproblematik zeigen oftmals eine genetische Veranlagung zu einem überhöhten Vagustonus, was letztendlich schon bei leichter Reizung zu einer überschießenden Säureproduktion führt. Übersteigen die aggressiven Effekte, zu denen auch Infekte und Umwelteinflüsse gehören, die Schutzmöglichkeiten der Schleimhaut, droht eine Magenschleimhautentzündung. Refluxkrankheit, Magen- oder Darmgeschwüre können folgen.

Akut oder chronisch?

Wichtig für die Beratung in der Apotheke ist die Einschätzung, ob es sich bei den vom Kunden geschilderten Beschwerden um akute handelt, die in der Selbstmedikation versorgt werden können, oder um chronische, die einem Arzt vorgestellt werden sollten. Es sollte stets nachgefragt werden, wie lange die Beschwerden bereits andauern.

Eine akute Magenschleimhautentzündung zeigt sich durch Schmerzen im Oberbauch. Weitere Symptome sind Übelkeit, Aufstoßen, Erbrechen und Blähungen. Das Allgemeinbefinden ist beeinträchtigt und der Appetit meist reduziert. Auch Magenblutungen können in diesem Stadium auftreten, sind aber – ebenso wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Gewichtsverlust – eine Grenze für die Selbstmedikation und ein Grund, die Problematik ärztlich abklären zu lassen. Geht die Gastritis in einen Dauerzustand über, nehmen die Symptome zwar ab, es können jedoch Komplikationen auftreten wie akute Magenblutungen, irreparable Schädigungen tieferer Epithelschichten sowie die Entstehung von Magenkrebs.

Unterschiedliche Typen

Es werden drei Typen chronischer Gastritis unterschieden. Nicht immer liegt ein allgemeiner Säureüberschuss vor, was neben anderen Gegebenheiten in der Therapie berücksichtigt werden muss.

Typ-A-Gastritis-- Bei dieser Autoimmunerkrankung, die auch Morbus Biemer genannt wird, bildet das Immunsystem Antikörper gegen die Belegzellen des Magens. Diese sind für die Sekretion von Salzsäure und dem Intrinsic factor zuständig. Letzterer sorgt für die Aufnahme von Vitamin B12, das für Zellteilung, Blutbildung und Funktion des Nervensystems verantwortlich ist. Ein Mangel führt zu Blutarmut (perniziöse Anämie).

Die Zerstörung der Belegzellen führt zu einem Säuremangel. Der pH-Wert steigt, was eine Zunahme der Gastrin-Produktion hervorruft. Dieses wiederum fördert die Abgabe von Salzsäure in nicht betroffenen Belegzellen. Gleichzeitig wird die Entstehung von Mikrokarzinoiden begünstigt.

Typ-B-Gastritis-- Sie ist die Folge einer bakteriellen Besiedlung des Magens, was zu 90 Prozent durch den Erreger Helicobacter pylori geschieht. Dieses Bakterium schützt sich vor dem Angriff der Magensäure durch ein Enzym, das aus Harnstoff alkalischen Ammoniak freisetzt, der in seinem Umfeld die Salzsäure neutralisiert.

Typ-C-Gastritis-- Auslöser dieser Form der chronischen Magenschleimhautentzündung sind chemische Noxen wie Alkohol, Tabak und Medikamente wie NSAR und Glukokortikoide.

Refluxkrankheit

E rbrechen oder „saures Aufstoßen“ lassen Magensaft in die Speiseröhre (Ösophagus) fließen. Dieser Reflux führt zur Verätzung der Speiseröhrenschleimhaut, die mit Schmerzen (Sodbrennen) und Entzündung reagiert. Sind die Erosionen bereits makroskopisch erkennbar, spricht man von einer Refluxösophagitis. Bei chronischem Verlauf können auch hier Geschwüre oder Karzinome als Komplikationen auftreten. Während bei Akutbeschwerden Antazida mehrmals täglich im Einsatz sind, gelten für die Dauertherapie chronischer Beschwerden PPI als Mittel der ersten Wahl.

Wussten Sie, dass ...

  • ausschließlich Omeprazol, Pantoprazol und Esomeprazol für die kurzfristige Anwendung in der Selbstmedikation zugelassen sind?
  • Refluxsymptome wie Sodbrennen und saures Aufstoßen Indikationen für die Selbstmedikation sind?
  • Omeprazol und Esomeprazol dann jeweils zwei Wochen angewendet werden dürfen?
  • Pantoprazol dagegen vier Wochen eingenommen werden darf; allerdings nur, wenn sich die Symptomatik kontinuierlich bessert?

Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre

Unterliegt der defensive Schleimhautschutz den aggressiven Faktoren, dann können sich Geschwüre bilden, die im Gegensatz zu einfachen Schleimhauterosionen in tiefere Gewebeschichten vordringen und sogar perforieren können. Da häufig keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden vorliegen, müssen nicht nur die Diagnose, sondern auch der Heilungserfolg endoskopisch bestätigt werden.

Zu Symptomen wie Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit und Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln können Blutungen auftreten. Diese können aufgrund der guten Durchmischung des Speisebreis im Darmverlauf im Kot nicht sichtbar sein. Eine Schwarzfärbung der Faeces ist ein Zeichen für Blutungen, bei denen das Hämoglobin bereits im Magen durch Säure zerstört wurde. Generell können blutende Geschwüre zu Blutarmut führen. Langfristig bildet sich auch Narbengewebe aus, durch das Passage und Peristaltik der Verdauungsorgane behindert werden, was wiederum zu Erbrechen führen kann.

Reaktion aufs Essen-- Menschen mit Magen-Geschwüren können sehr unterschiedlich auf Nahrungsaufnahme reagieren. Bei manchen lindern sich die Beschwerden beim Essen, weil die aufgenommenen Speisen die Magensäure verdünnen. Andere wiederum reagieren direkt mit Unverträglichkeitsreaktionen auf den Magenkontakt mit Lebensmitteln.

Perforation-- Gefürchtete Komplikation bei Magen- oder Darmgeschwüren ist der lebensgefährliche Durchbruch (Perforation) in die freie Bauchhöhle.

Penetration-- Ebenso bedrohlich wird es, wenn das Geschwür bei seinem Durchbruch einen Zugang zu einem anderen Organ wie der Bauchspeicheldrüse eröffnet.

Reizmagen

Eine funktionelle Dyspepsie, wie der Reizmagen im Fachjargon genannt wird, betrifft rund zehn bis 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, davon zu zwei Dritteln Frauen. Die Diagnose greift, sobald Oberbauchbeschwerden, kombiniert mit Appetitlosigkeit, Erbrechen sowie Ermüdbarkeit und Konzentrationsschwäche mindestens drei Monate lang andauern oder wiederholt für einige Tage oder Wochen auftreten. Das Gesamtbild ist nicht einheitlich. Nur in einem Fünftel aller Fälle ist die Magensäuresekretion überhöht. In rund zwei Dritteln der Fälle werden die Speisen nicht bedarfsgerecht durch den Verdauungstrakt geschleust. Fehlfunktionen einzelner Organe sind ebenfalls möglich. Vermutlich liegt eine gesteigerte Motorik der Verdauungsorgane sowie eine überhöhte Empfindlichkeit des Verdauungstrakts (viszerale Hypersensibilität) zugrunde, durch die bereits die normale Kontraktion der Verdauungsmuskulatur und der Schleimhautkontakt mit saurem Magensaft schmerzhaft wahrgenommen werden.

Die Therapie muss an das Gesamtbefinden angepasst sein. Eine Behandlung mit säuremindernden Medikamenten ist nur bei rund 20 Prozent der Betroffenen sinnvoll.

Zollinger-Ellison-Syndrom

Bei diesem Syndrom liegen neuroendokrine, oftmals bösartige Tumore vor, die in der Bauchspeicheldrüse oder im Dünndarm gelegen sind. Sie produzieren das magensäurefordernde Hormon Gastrin und werden deshalb auch Gastrinome genannt. Die dadurch im Übermaß freigesetzte Magensäure führt zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren. Zur Therapie wird, sofern möglich und keine Metastasen vorliegen, der Tumor entfernt und die Magensäureproduktion mittels PPI unterdrückt. Mit Hilfe von Somatostatin kann die Gas- trinproduktion gehemmt werden.

Angriff auf die Magensäure

Nicht alle Magen-Darm-Beschwerden sind eine Folge überhöhter Magensäureproduktion, denn auch ein Fehlen der Säure kann zu massiven Beschwerden führen. Wird dieser Umstand berücksichtigt, können Arzneistoffe, die den Säurestatus anpassen, zu einer raschen Symptomlinderung führen und dem Organismus die Gelegenheit geben, Schleimhautdefekte zu reparieren.

Antazida-- Akute Beschwerden können mit Antazida rasch gelindert werden, welche die überschüssige Magensäure neutralisieren oder binden. Allerdings verschaffen die Substanzen (meist Aluminium- oder Magnesium-Verbindungen) nur kurzfristige Erleichterung, da sie die Magensäureproduktion nicht verringern und ihre Wirkung erst dann greift, wenn die Säure bereits in Aktion getreten ist. Ihr rasch einsetzender Effekt ist jedoch von Vorteil, beispielsweise, um die Wartezeit zu überbrücken, bis die Wirkung eines Protonenpumpeninhibitors (PPI) einsetzt.

H2-Blocker-- Substanzen wie Cimetidin oder Ranitidin wirken über eine kompetitive Hemmung der H2-Rezeptoren an den Belegzellen der Magenschleimhaut. Dadurch wird der ursprüngliche Ligand Histamin verdrängt. Neben der durch Histamin stimulierten Säuresekretion nimmt auch die basale Säureausschüttung der Belegzellen ab. Zudem senken die Wirkstoffe die säurelockenden Einflüsse von Gastrin und dem Vagusnerv. Obwohl H2-Blocker eine rasche Symptomlinderung und Ulkusheilung bewirken und auch zur Rezidivprophylaxe einer Ulkuskrankheit geeignet sind, gelten sie nur als Mittel der 2. Wahl, da ihre Wirksamkeit den PPI unterlegen ist.

Protonenpumpeninhibitoren

Als erster PPI wurde Omeprazol 1978 entwickelt und zehn Jahre später in Europa in die Therapie eingeführt. Chemisch handelt es sich bei der Wirkstoffgruppe um Benzimidazol-Derivate. Die Rote Liste führt aktuell die Wirkstoffe Omeprazol, Esomepromazol, Pantoprazol und Rabeprazol als chemisch definierte Gastritis- und Ulkusmittel sowie Lansoprazol und Dexlansoprazol als reine Ulkustherapeutika. Die Substanzen gelten weitgehend als untereinander austauschbar, wobei für Omeprazol aufgrund der längsten Verfügbarkeit die beste Datenlage existiert. Für Rabeprazol wird ein schnellerer Wirkeintritt postuliert, wobei dessen klinische Relevanz nicht gesichert ist. PPI sind üblicherweise verschreibungspflichtig. Lediglich zur kurzzeitigen Behandlung von Sodbrennen und saurem Aufstoßen sind in Deutschland die Wirkstoffe Omeprazol, Pantoprazol und Esomepromazol in entsprechend begrenzter Dosierung und Packungsgröße rezeptfrei erhältlich.

Wirkweise

PPI gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Wie es der Name bereits aussagt, hemmen sie die Protonenpumpe. Bei dieser handelt es sich um eine membranständige H + /K + -ATPase, die an der Belegzelle im Austausch für Kaliumionen für die Abgabe von Protonen ins Mageninnere sorgt.

In der Therapie peptischer Geschwüre und einer Refluxösophagitis sind PPI Mittel der ersten Wahl, denn ohne Säure kein Geschwür. Der Einsatz der Wirkstoffe lässt den pH-Wert im Magen auf 3 bis 4 ansteigen und erfüllt damit das therapeutische Ziel, um eine Abheilung der säurebedingten Schleimhautläsionen und Geschwüre zu ermöglichen. Gleichzeitig steigt die Bioverfügbarkeit von Antibiotika, die in der Eradikationstherapie des Helicobacters eingesetzt werden.

Halbwertszeit-- Da Protonenpumpeninhibitoren die H + /K + -ATPase irreversibel blockieren, können sie die Ausschüttung von Salzsäure fast vollständig unterdrücken. Trotz kurzer Halbwertszeit von 0,6 bis maximal 2,0 Stunden hält ihre Wirkung über ein bis drei Tage an. Das ist die Zeit, die der Körper benötigt, um das blockierte Enzym durch Neubildung zu ersetzen.

Tipp: Die Wirkung der PPI ist bei Aktivität der Belegzellen am besten. Deshalb empfiehlt sich eine Einnahme 30 Minuten vor dem Essen.

Prodrugs

Die Wirkstoffe sind säurelabil und werden daher zur oralen Anwendung mit magensaftresistenten Überzügen versehen. So geschützt, werden sie im Dünndarm resorbiert und in die Belegzellen transportiert, wo sie als Prodrugs unter Protoneneinfluss in eine Spiroverbindung übergehen, die sich zur Sulfensäure umlagert. Diese spaltet ein Molekül Wasser ab und wird dadurch zum zyklischen Sulfenamid, der aktiven Wirkform. Das Sulfenamid bildet irreversibel eine Disulfidbrücke zur Alfa-Untereinheit der H + /K + -ATPase aus, wodurch ATP als Treibstoff des Enzyms nicht mehr anlagern kann. Zudem wird die von Kaliumionen abhängige Dephosphorylierung unterbunden und der Säuretransport ins Mageninnere lahmgelegt.

Hauptsache sauer-- Da ein saures Milieu Voraussetzung für die Umwandlung der Prodrugs ist, wirken die Substanzen umso schneller, je niedriger der pH-Wert in der Belegzelle ist. Auch der pKa-Wert der Wirkstoffe spielt dabei eine Rolle. Dieser beschreibt als negativer dekadischer Logarithmus der Dissoziationskonstante K das pH-abhängige Verhalten der Substanzen. Je höher der pKa-Wert des Wirkstoffs, desto schneller reagiert er im sauren Milieu in seine Wirkform. Deshalb ist für Rabeprazol (pKa-Wert 4,9) der schnellste Wirkeintritt zu erwarten, gefolgt von Omeprazol (4,13), Lansoprazol (4,01) und Pantoprazol (3,96).

Nicht zerkleinern!-- Der magensaftresistente Überzug der oralen Darreichungsformen ist wichtig, damit der Wirkstoff überhaupt die Reise zu den Belegzellen übersteht. Das Halbieren von Tabletten oder Mörsern fester Arzneiformen für Patienten, die schlecht schlucken können, ist daher indiskutabel. Doch selbst Patienten, die über Magensonden ernährt werden, müssen auf die orale Gabe der PPI nicht verzichten. Es gibt klein dimensionierte Pellets, die zur Suspension aufgeschlämmt werden können und in der Lage sind, Sondenschläuche von einem Durchmesser bis zu 1,6 Millimetern zu passieren.

Anwendung

PPI sind zur Therapie von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, von Zollinger-Ellison-Syndrom und der symptomatischen erosiven oder ulzerativen Refluxkrankheit zugelassen. Sie können auch zur Geschwürprophylaxe als Langzeitbehandlung eingesetzt werden. Bei blutenden Magengeschwüren bewirken sie eine vorteilhafte Anhebung des Magen-pH-Wertes. Dadurch können die Thrombozyten besser am offenen Geschwür aggregieren.

Helicobacter-- Zur Eradikation einer nachgewiesenen Magenbesiedelung mit Helicobacter pylori werden PPI sieben Tage lang als Triple-Therapie, das heißt, in Kombination mit zwei Antibiotika, verabreicht. Klassische Behandlungskonzepte sind beispielsweise die Gabe von Omeprazol (2 x 20 mg), Amoxicillin (2 x 1000 mg) und Clarithromycin (2 x 500 mg). Liegt eine Penicillinallergie vor, kann Amoxicillin durch Metronidazol (2 x 400 oder 500 mg) ersetzt werden. In der Regel sprechen diese Behandlungskonzepte gut an. Bei Therapieversagern sollte auf eine Resistenz geprüft werden, die mittlerweile häufig für Clarithromycin zu finden ist.

Absetzen-- Das abrupte Absetzen von PPI ist nicht zu empfehlen, da sonst mit einem zu schnellen Säureanstieg im Magen zu rechnen ist, was wiederum alte Beschwerden aufleben lässt. Stattdessen ist eine stufenweise Dosisreduktion angezeigt, die auch als Step-down bezeichnet wird.

Nebenwirkungen-- Im Allgemeinen gelten Protonenpumpeninhibitoren als gut verträglich. Alle PPI weisen mehr oder weniger dieselben Nebenwirkungen auf. Dazu zählen Verdauungsstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlafstörungen. Die Wirkstoffe können eine Erhöhung von Leberwerten und Hautveränderungen bewirken.

Bei parenteraler Anwendung, beispielsweise in der Intensivmedizin, ist eine Bolusgabe zu vermeiden, da sie zu schweren Hör- und Sehstörungen führen kann. Dementsprechend sollten die PPI bei Bedarf nur als Kurzinfusion verabreicht werden.

Kontraindikationen-- Bei schweren Leberstörungen dürfen PPI nicht gegeben werden. Da Leberschäden die Halbwertszeit und damit die Verfügbarkeit der Wirkstoffe erhöhen, muss bei einer leichteren Leberfunktionsstörung die Dosis an den Schweregrad der Lebererkrankung angepasst werden und/oder ein Monitoring der Leberenzyme erfolgen.

Für den Einsatz bei Kindern sind die Wirkstoffe nicht geeignet. Lediglich bei Kindern ab zwei Jahren mit schwerer Refluxösophagitis, bei denen andere therapeutische Maßnahmen wirkungslos waren, können einige Omeprazolformulierungen durch einen pädiatrischen Facharzt verschrieben werden. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte eine notwendige PPI-Therapie mit Omeprazol durchgeführt werden, da dieser Wirkstoff am besten untersucht wurde.

Wechselwirkungen

Die Metabolisierung der PPI erfolgt in der Leber hauptsächlich über die Enzyme CYP2C19 und CYP3A. Mit Arzneistoffen, die denselben Stoffwechselweg nutzen, sind daher Interaktionen möglich. Dies ist beispielsweise bei Warfarin, Diazepam und Phenytoin der Fall. Die Resorption von Vitamin B12 und Ketoconazol ist vermindert. Das Herzglykosid Digoxin wird in stärkerem Maße resorbiert, was zu einer toxischen Überdosierung führen kann. Während Omeprazol die Plasmaspiegel von Clarithromycin, Erythromycin und Roxithromycin erhöht, verbessern diese Makrolide umgekehrt die Bioverfügbarkeit des PPI.

PPI kritisch betrachtet

Der Wert der PPI ist unbestritten, denn in den letzten 30 Jahren hat ihr breiter Einsatz bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren dazu geführt, dass die Zahl der Magenresektionen drastisch abgenommen hat. Denn die chirurgische Teilentfernung des Magens war lange Zeit die einzige Möglichkeit, die für die Geschwüre ursächliche Magensäureproduktion in ausreichendem Maße zu vermindern. Allerdings ist der unkritische Einsatz, beispielsweise zur Vorbeugung von Stressulzera, nicht zu empfehlen.

Frakturrisiko-- Der saure pH-Wert in Magen und oberem Dünndarmabschnitt fördert die Aufnahme von Calcium. Wird er dauerhaft durch PPI angehoben, schädigt das den Knochenbau. Besonders ältere Menschen erleiden dadurch bei Dauergebrauch über fünf Jahre und mehr häufiger Hüftfrakturen und andere Knochenbrüche. Deshalb sollte bei Langzeittherapie auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D geachtet werden.

Ungeschützt-- Der saure pH-Wert des Magens ist nicht nur eine Verdauungshilfe, sondern auch ein Infektionsschutz. Durch die dauerhafte Anhebung mittels PPI scheint das Risiko für Darm- und Lungeninfektionen durch Bakterien aus dem oberen Verdauungstrakt anzusteigen.

Grenzen der Selbstmedikation

Sodbrennen und saures Aufstoßen klingen im ersten Moment nach einem klaren Beschwerdebild, wenn es um die OTC-Abgabe von PPI geht. Doch häufig sind dies nur die vordergründigen Symptome, die Kunden in der Apotheke angeben, um sich die vielversprechenden Medikamente zu kaufen, die sich mit dem Attribut „magenschützend“ fest in den Köpfen verankert haben. Treten gleichzeitig Schluckbeschwerden, schnelle Gewichtsabnahme, Bluterbrechen oder Blut im Stuhl auf, so ist dies ein klarer Hinweis, erstmal einen Arzt die Hintergründe abklären zu lassen, anstatt einen Selbstversuch zu wagen. Denn es handelt sich dabei nicht um Begleiter von Stresszuständen, wie sich mancher gerne einredet.

Dasselbe gilt, wenn die Beschwerden anhalten oder sich nach zwei Wochen noch verschlechtern. Berichtet der Kunde in der Vorgeschichte über frühere Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre, Leber- oder Niereninsuffizienz, so ist ebenfalls bei der Abgabe Zurückhaltung geboten.


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