01.10.2021

Serie Mineralstoffe | Spurenelemente: Zink

von Kirsten Bechtold

Ohne das essenzielle Spurenelement haben Zellen ein Wachstumsproblem, heilen Wunden schlecht, schwächelt die Immunabwehr und leidet die Fortpflanzungsfähigkeit. Doch muss es supplementiert werden?

© Turtle Rock Scientific / Science Source / mauritius images

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  • Das Spurenelement Zink ist wichtig für das Zellwachstum, die Wundheilung, die Immunabwehr und die Fortpflanzungsfähigkeit.
  • Als Bestandteil zahlreicher Enzyme und Proteine ist es für viele Stoffwechselreaktionen unverzichtbar.
  • Gute Lieferanten sind Rind- und Schweinefleisch, Käse, Milch, Eier, Nüsse und Weizen- oder Roggenkeimlinge.
  • Bestimmte Personengruppen (z. B. Diabetiker, chron. Magen-Darm-Kranke, Veganer) profitieren möglicherweise von einer Supplementation.

Zink ist als Bestandteil zahlreicher Enzyme und Proteine an vielen Vorgängen innerhalb des Protein-, Kohlenhydrat-, Fett- und Nukleinsäurestoffwechsels beteiligt. Ebenso ist es wichtig für den Aufbau von Hormonen und Rezeptoren, wird zur Speicherung von Insulin benötigt und trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Das Spurenelement fördert darüber hinaus die Produktion und Reifung von Spermien in den Hoden. Eine bedarfsdeckende Zufuhr wirkt sich daher positiv auf die Fortpflanzungsfähigkeit aus. Geruchs- und Geschmacksstörungen sowie Appetitlosigkeit können auf eine suboptimale Zinkversorgung hinweisen. Ein echter Mangel äußert sich in einer gestörten Immunfunktion, Haarverlust, Dermatitis und chronischen Durchfällen.

Risiko für Zinkdefizit

Ein schwerer Mangel ist hierzulande selten. Es gibt jedoch einige Personengruppen, die ein höheres Risiko für ein Zinkdefizit haben. Hierzu zählen Menschen mit Lebererkrankungen, chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder einer Schilddrüsenunterfunktion. Auch Alkoholiker und ältere Menschen, die insgesamt zu wenig (hypokalorisch) essen, sind gefährdet, in eine Mangelsituation zu geraten. Darüber hinaus kann eine vegetarische oder vegane Kostform riskant sein, vor allem bei hoher Phytatzufuhr. Vergleichsweise gering ist der Zinkstatus häufig auch bei Leistungssportlern. Hier wird angenommen, dass sie in Relation zu ihrem Bedarf zu wenig Zink über die Nahrung aufnehmen.

Zufuhrempfehlungen

Die D-A-CH-Referenzwerte für die empfohlene Zufuhr von Zink wurden 2019 in einer aktualisierten Fassung veröffentlicht. Sie tragen dem Umstand Rechnung, dass das in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommende Phytat, in Abhängigkeit von der aufgenommenen Menge, die Bioverfügbarkeit von Zink um bis zu 45 Prozent verringern kann. Frauen ab 19 Jahren wird empfohlen, sieben Milligramm Zink bei niedriger Phytatzufuhr, acht Milligramm (mittlere Zufuhr) oder zehn Milligramm (hohe Zufuhr) pro Tag über die Nahrung aufzunehmen. Für Männer liegen die Werte bei 11, 14 und 16 Milligramm täglich. Eine mittlere Menge Phytat liefert zum Beispiel die vollwertige Ernährung nach den zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (inkl. Fleisch und/oder Fisch, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten). Die Zinkzufuhr für Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird weiterhin unabhängig von der Phytatzufuhr angegeben.

Nahrungsquellen

Der Zinkbedarf lässt sich mit einer ausgewogenen Mischkost gut decken. Besonders viel Zink enthalten Rind- und Schweinefleisch, Käse, Milch und Eier. Gute pflanzliche Zinklieferanten sind zudem Nüsse (z. B. Cashew-, Pekannüsse) sowie Weizen- oder Roggenkeimlinge. Bei Getreide sind Vollkornprodukte besonders empfehlenswert. Denn wie nahezu alle Mineralstoffe befindet sich auch Zink vor allem in den Randschichten des Getreidekorns.

Aus dem OTC-Sortiment*

Produkt

Inhaltstoff(e)

Dosierung / Verzehrsempfehlung**

Arzneimittel

Curazink®

Zinkhistidin

Kdr. ab 12 J./Erw.: 1 x tgl. 1 Kps.

Unizink® 50 magensaftresistente Tabletten

Zinkbis (hydrogen-DL-aspartat)

Erw./Schw./Still.: 2 x tgl. 1 Tbl.

Zinkorotat-POS®

Orotsäure, Zinksalz-2-Wasser

Kdr. ab 12 J./Erw.: 3 x tgl. 1 Tbl.

Nahrungsergänzungsmittel

pure encapsulations® Zink 15

Zinkpicolinat

1 x tgl. 1 Kps.**

Zinkletten Verla® Lutschtabletten

Zinkcitrat

1 – 2 x tgl. 1 Tbl.**

*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe: 14.09.2021); **lt. Hersteller

Nahrungsergänzung

Kann die empfohlene Zufuhr über die tägliche Kost nicht sichergestellt werden oder wurde bei einer Blutuntersuchung ein Defizit festgestellt, ist eine Nahrungsergänzung sinnvoll. Allerdings kann eine langfristige Supplementierung mit über 50 Milligramm Zink pro Tag zu Wechselwirkungen mit anderen Metallen (z. B. Kupfer) und letztendlich dadurch auch zu gesundheitlichen Problemen (z. B. Blutarmut) führen. Daher gibt es von Seiten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit eine tolerierbare Gesamtzufuhrmenge für Zink, die bei 25 Milligramm pro Tag liegt.

Über die Ernährung allein lassen sich solch hohe Mengen in der Regel nicht erreichen. Allerdings ist Vorsicht geboten bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sowie Mundhygieneprodukten wie Zahncreme, Mundwasser und Haftcremes.

Zinkverbindungen

Zink kommt in Form verschiedener Verbindungen in Lebensmitteln vor. Auch in Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln werden unterschiedliche Zinksalze eingesetzt. Je nach Verbindung werden sie unterschiedlich gut vom Körper aufgenommen. Generell werden organische Zinkverbindungen wie Zinkgluconat oder -histidin besser verwertet als anorganische Verbindungen (z. B. Zinkoxid, Zinksulfat).

Beratungswissen

Die Gabe von 14 bis 40 Milligramm Zink pro Tag konnte in Interventionsstudien in Entwicklungsländern dazu beitragen, dass akute und chronische Durchfälle in ihrer Dauer und Schwere verringert wurden.

Altersbedingte Makuladegeneration

Positiv wirkt sich eine Zinksupplementation möglicherweise bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) aus. Hier zeigen klinische Interventionsstudien, dass eine Hochdosis (80 mg Zinkoxid, entspr. 64 mg Zink) das Fortschreiten verlangsamen kann. Für eine präventive Wirkung gibt es hingegen keinen wissenschaftlichen Beweis.

Diabetes mellitus

Diabetiker scheiden Zink verstärkt über den Urin aus. Daher gilt Zink für diese Personengruppe zu den kritischen Mikronährstoffen. Ein Mangel verschlechtert die Stoffwechsellage, die Wundheilung und die Infektabwehr. Daher sollten Diabetiker verstärkt auf eine zinkreiche Ernährung achten und gegebenenfalls eine Unterversorgung über Supplemente ausgleichen.

Grippaler Infekt

Für eine vorbeugende Wirkung von Zink bei Erkältungskrankheiten gibt es bisher keine wissenschaftliche Evidenz. Es gibt jedoch Hinweise, dass eine Supplementation von täglich 75 Milligramm Zink während der gesamten Krankheitsdauer die Dauer des grippalen Infekts etwas verkürzen kann.

Wichtig-- Ihre Kunden sollten Zink bereits in den ersten 24 Stunden einer beginnenden Erkältung einnehmen.


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