Koffein: Muntermacher

Das natürliche Alkaloid aus Kaffee-, Kakaobohnen und Teeblättern wirkt anregend und sorgt für bessere Konzentration. Doch zu viel des Muntermachers kann auch unerwünschte Wirkungen hervorrufen.

von Kirsten Bechtold
30.01.2026

Tee
© Foto: JualHosain, stock.adobe.com
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  • Koffein ist ein Alkaloid, das unter anderem in Kaffee-, Kakaobohnen und Teeblättern vorkommt.
  • In moderater Dosierung steigert Koffein die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.
  • Zu hoch dosiert, kann es Schlafprobleme bereiten und Herzrasen auslösen.
  • Bei Kindern bezieht sich die gesundheitlich unbedenkliche Dosierung aufs Körpergewicht.
  • Als Adjuvans zu Paracetamol, Ibuprofen und ASS kann Koffein deren schmerzlindernde Wirkung verstärken und den Wirkeintritt beschleunigen.

Manche gehen morgens ohne eine Tasse Kaffee nicht aus dem Haus, andere schwören auf Energy Drinks, um den Alltag wach zu überstehen, und wieder andere verzichten abends auf den Espresso, weil sie sonst nicht schlafen können.

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Der Grund für alle Verhaltensweisen ist das Koffein. Der Inhaltsstoff stimuliert das Herz-Kreislauf- und das zentrale Nervensystem. Koffein kommt in Teeblättern, Kaffee- und Kakaobohnen vor, aber auch im Matestrauch, in Guaraná und der Kolanuss. In isolierter Form oder chemisch synthetisiert wird Koffeinpulver zudem als Nahrungsergänzungsmittel zur Steigerung von Leistung und Konzentrationsfähigkeit angeboten. Als Adjuvans zu Analgetika wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen kann es deren schmerzlindernde Wirkung verstärken und den Wirkeintritt beschleunigen.

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In moderater Dosierung sorgt Koffein dafür, dass man sich besser konzentrieren kann, sich wacher fühlt und körperlich leistungsfähiger ist. Doch hohe Aufnahmemengen können das Gegenteil bewirken. So kann eine Überdosis Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen auslösen.

Ab welcher Dosis das passiert, hängt stark von der individuellen Empfindlichkeit gegenüber Koffein ab, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung in seinen FAQs zum Thema „Kaffee, Energy Drinks oder Koffeinpulver: Muntermacher mit gesundheitlichen Risiken?“ Über einen längeren Zeitraum in hoher Dosis konsumiert, kann Koffein den Blutdruck erhöhen oder bei Schwangeren das Wachstum des Fötus negativ beeinflussen. Nimmt man mehrere Gramm (5–10 g) Koffein zu sich, kann es zu akutem Kreislaufversagen kommen. Solche Mengen werden in aller Regel jedoch nicht über übliche koffeinhaltige Lebensmittel aufgenommen.

Unbedenkliche Dosis

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft Aufnahmemengen von bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis für gesunde Erwachsene als gesundheitlich unbedenklich ein; bei gewohnheitsmäßigem Verzehr können es über den Tag verteilt sogar bis zu 400 Milligramm Koffein sein. Schwangere und Stillende sollten die Koffeinaufnahme auf 200 Milligramm täglich begrenzen und diese Maximalmenge über den Tag verteilt aufnehmen. Für Kinder und Jugendliche beziehen sich die unbedenklichen Mengen auf das Körpergewicht. Negative Effekte sind nicht zu erwarten, wenn maximal drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als Einzeldosis oder über den Tag verteilt konsumiert werden.

Stimulierender Effekt

Reines Koffein oder Koffein aus Kaffee, Cola-Getränken und Energy Drinks wird nach oraler Aufnahme schnell und vollständig vom Körper aufgenommen. Der stimulierende Effekt tritt nach etwa 15 bis 30 Minuten ein und kann mehrere Stunden anhalten. In der Leber wird Koffein umgewandelt, abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Die Dauer der Wirkung und die Geschwindigkeit des Abbaus können individuell unterschiedlich sein. Bei Tee setzt die wachmachende Wirkung etwas später ein und hält oft über einen längeren Zeitraum an. Ein Grund sind Gerbstoffe. Sie binden einen Teil des Koffeins, sodass es langsamer vom Körper aufgenommen werden kann.

Nahrungsergänzungsmittel

Isoliert aus natürlichen Koffeinquellen oder synthetisch im Labor hergestellt ist Koffein ein weißes, geruchloses und bitter schmeckendes Pulver. Es gibt sowohl Monopräparate als auch Präparate, die zusätzlich Nährstoffe oder andere Substanzen enthalten. Die Produkte werden unter anderem von Sportlern als Pre-Workout-Mittel zur Leistungssteigerung eingenommen. Mit dem Ziel eines Energie- und Leistungsschubs wird als Nahrungsergänzungsmittel angebotenes Koffeinpulver auch in anderen Situationen konsumiert.

Grundsätzlich gilt auch für koffeinhaltige Nahrungsergänzungsmittel eine gesundheitlich unbedenkliche Aufnahmemenge für Erwachsene von bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis beziehungsweise bis zu 400 Milligramm über den Tag verteilt.

Lose angebotene, hochkonzentrierte oder reine Koffeinpulver, bei denen der Verbraucher die empfohlene Verzehrmenge selbst abmessen oder abwiegen muss, bergen aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung jedoch ein hohes Risiko für Überdosierungen. Zum Beispiel entspricht bei purem Koffeinpulver die Menge an Pulver der Menge an Koffein. Das bedeutet, dass 200 Milligramm Pulver bereits der gesundheitlich unbedenklichen Einzeldosis entsprechen. Mit einer herkömmlichen Küchenwaage lässt sich solch eine geringe Menge, die in etwa einer Messerspitze entspricht, nicht exakt abmessen.

Koffeingehalt verschiedener Lebensmittel

Getränk Portionseinheit Koffein/Portion
Filterkaffee 1 Tasse (200 ml) ca. 90 mg
Energy Drink 1 Dose (250 ml) ca. 80 mg
Schwarzer Tee 1 Tasse (200 ml) ca. 45 mg
Cola-Getränk 1 Dose (330 ml) ca. 35 mg
Grüner Tee 1 Tasse (200 ml) ca. 30 mg
Zartbitterschokolade halbe Tafel (50 g) ca. 25 mg

Quelle: BfR, FAQ „Kaffee, Energy Drinks oder Koffeinpulver: Muntermacher mit gesundheitlichen Risiken?“

Analgetische Kombinationen

Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol gibt es nicht nur als Monopräparate zur Linderung von Schmerzen. Es gibt auch Kombinationen mit Koffein, was die Schmerzlinderung effektiver machen soll. So zeigt zum Beispiel ein Review der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2021, dass die Zugabe von Koffein zu einem üblichen Analgetikum dies bewirken kann. Dem Review zufolge entspricht eine Schmerzmitteldosis mit 100 Milligramm Koffein in der Wirkung etwa der doppelten Schmerzmitteldosis ohne Koffein.

Das scheint plausibel, denn Koffein regt unter anderem die Freisetzung des schmerzlindernden Hormons Noradrenalin im Gehirn an, was zu einer gesteigerten neuronalen Aktivität führt. Zudem erhöht es die Magenmotilität. Beides sind Faktoren, die einen Einfluss darauf haben, wie schnell ein Analgetikum wirkt. Zudem kann Koffein Blutgefäße verengen, die durch Kopfschmerzen erweitert sind. Auch das lindert den Schmerz.

Sollten Schmerztabletten also mit einer Tasse Kaffee eingenommen werden? Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass koffeinhaltige Getränke wie Espresso oder Mokka die Aufnahme von analgetischen Wirkstoffen aus Kopfschmerzmedikamenten unterstützen können. Doch wie sich das Koffein aus Kaffee auswirkt, ist nicht vorhersagbar. In kombinierten OTC-Präparaten aus der Apotheke ist die Koffeindosis hingegen definiert und die Wirksamkeit des Arzneimittels in Studien überprüft. ¬

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