Neurodermitis: Verläuft in Schüben
Typisch für Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist ihr schubweiser Verlauf. In akuten Phasen entzündet sich die Haut rötlich, nässt und verkrustet dann. Oft kommt es zu bakteriellen Infektionen. In der chronischen Phase dominieren Trockenheit und Schuppung. Ständiger Begleiter in allen Phasen ist Juckreiz.
Juckreiz ist ein Dauerbegleiter bei Neurodermitis.
Basispflege
Anlässlich des Welt-Neurodermitis-Tags im September riet Professorin Annika Vogt, Charité-Universitätsmedizin Berlin, regelmäßig mit milden, allergenfreien waschaktiven Substanzen (Syndets) Krusten und anhaftende Bakterien von der Haut zu waschen. Die Wasch- und Badezeit sollte kurz und die Wassertemperatur nicht zu hoch sein. „Wenn wir einen Säugling baden, ist das nicht nur Reinigung, sondern auch ein Moment der Entspannung und Bindung. Längerer Wasserkontakt kann Schutzfaktoren aus der Hautbarriere lösen, sodass wir üblicherweise zwei- bis dreimal wöchentliches Baden mit nachfolgendem Eincremen empfehlen“, betonte Vogt. Anschließendes Pflegen mit Emollienzien (Cremes, Salben, Lotionen) führt der Haut Feuchtigkeit und Lipide zu. Vogt erklärte: „Bei Säuglingen und Kleinkindern empfehlen wir, je nach Befund ein- bis zweimal am Tag Emollienzien aufzutragen, im Sommer und bei Wärme leichtere Formulierungen als im Winter. Dabei ist Glycerin als Zusatz sehr gut geeignet.“ Produkte mit Harnstoff (Urea), die nach dem Auftragen brennen können, rät die Expertin im ersten und zweiten Lebensjahr zu meiden.
Topische Therapie
Bei leichter bis mittelschwerer Neurodermitis dämmen in akuten Phasen zeitlich begrenzt eingesetzte Glukokortikoid-haltige Externa Entzündungen ein. Für Säuglinge und Kleinkinder werden mittelpotente Wirkstoffe verordnet.
Calcineurininhibitoren-- Auch Tacrolimus und Pimecrolimus wirken antientzündlich. Von Vorteil ist, dass beide längerfristig anwendbar sind und eine Alternative für Glukokortikoid-empfindliche Areale wie das Gesicht darstellen.
Systemische Therapie
Reichen Basispflege und wirkstoffhaltige Topika nicht aus, kommen auch bei Kindern und Jugendlichen Biologika und Januskinase-Hemmer zum Einsatz. Vogt erklärte: „Diese Wirkstoffe blockieren gezielt die Entzündungsbotenstoffe, stoppen rasch den Juckreiz und sind, nach allem, was wir wissen, im Vergleich zu älteren Medikamenten sehr sicher.“ Eine Übersicht über die für Kinder und Jugendliche zugelassenen systemischen Langzeittherapeutika bietet die aktuelle S3-Leitlinie Atopische Dermatitis.