Pollen: Sie fliegen wieder
- Die Zahl der Pollenallergiker steigt kontinuierlich.
- Besonders gefährlich ist die Ambrosie, weil sie äußerst viele und hochallergene Pollen produziert.
- Kritische Klima- und Umweltfaktoren sind der Anstieg der mittleren Jahrestemperatur, die Luftverschmutzung und CO2-Belastung.
- Oftmals wird die allergische Rhinitis von einer allergischen Konjunktivitis begleitet, genannt Rhinokonjunktivitis.
- Unter den rezeptfreien Antiallergika sind Glukokortikoide, H1-Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren.
Die Zahl der Allergiker steigt kontinuierlich, nicht nur in Deutschland. Von dieser Tendenz besonders betroffen sind Menschen, die auf Inhalationsallergene – insbesondere auf Blütenpollen – reagieren. Die Ursachen für die unerfreuliche Entwicklung sind noch nicht vollständig geklärt. Als gesichert gilt, dass neben einer erblichen Veranlagung die Verbreitung der Ambrosie sowie sich ändernde Klima- und Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
Hochallergene Ambrosienpollen
Die aus Nordamerika stammende Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifußblättriges Traubenkraut genannt, ist ein Korbblütler. Als invasiver Neophyt („neue“, eingewanderte Pflanze) wurde sie in Europa vor rund 150 Jahren eingeschleppt. Da sich die Ambrosie ausschließlich über Samen vermehrt und ein Windbestäuber ist, produziert sie enorm viele Blütenpollen – rund eine Milliarde pro Pflanze. Zudem ist das allergene Potenzial ihrer Pollen um ein Vielfaches höher als das der Pollen von Gräsern. So können schon sechs Ambrosiapollen eine allergische Reaktion auslösen. Hinzu kommt, dass die Pflanze erst im Spätsommer blüht und somit die jährliche Pollensaison verlängert.
Die Ausbreitung der Ambrosie lässt sich kaum eindämmen, weil ihre Samen jahrzehntelang keimfähig bleiben. Häufig wächst sie unter Vogelfutterhäuschen oder auf Schnittblumenfeldern, sofern für diese Vogelfutter als Saatgut verwendet wurde. Daher ist beim Futterkauf auf die Deklaration „Ambrosia-frei“ zu achten.
Die Pollen der Ambrosie oder des Beifußblättrigen Traubenkrautes sind hochallergen. Eine Pflanze produziert rund eine Milliarde davon.
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Klima- und Umweltfaktoren
Bedeutsam sind die milden Winter in den vergangenen Jahren. Ausbleibende Kälteperioden führen dazu, dass die Blütezeit einiger Pflanzen früher einsetzt beziehungsweise zum Jahresende länger anhält als gewöhnlich. Je mehr und je länger Pollen in der Luft sind, desto größer ist das Risiko für Pollenallergiker, einen Heuschnupfen zu erleiden. Aber nicht nur das, es steigt auch das Risiko für Nicht-Pollenallergiker, zu Pollenallergikern zu werden. Hitze, Luftverschmutzung, CO2-Belastung und Trockenheit verändern die Beschaffenheit von Pollen, wodurch sich deren sensibilisierendes und allergenes Potenzial erhöht. Laut Zukunftsprognose wird die steigende mittlere Jahrestemperatur den heimischen Birkenbestand mindern und den Gräserbestand erhöhen, was den saisonalen Pollenflug verändern wird (mehr unter: allergieinformationsdienst.de).
Pathophysiologie und Symptome
Bei einem Heuschnupfen (wie auch bei anderen Allergien) nimmt das Immunsystem seine Aufgabe zu ernst, weshalb der Kontakt mit normalerweise harmlosen Substanzen zu Entzündungsreaktionen in bestimmten Organen beziehungsweise Geweben führt. Bei Inhalationsallergenen, zu denen Pollen gehören, sind das die Atemwege und die Augen. Eine zentrale Rolle im Allergiegeschehen spielen die gewebeständigen Mastzellen, die bei Allergenkontakt Histamin und andere hochaktive Entzündungsmediatoren ausschütten.
Die Folge ist eine allergische Rhinitis mit Nasenjucken, Niesen, Fließschnupfen und einer behinderten Nasenatmung. In der Regel sind zugleich die Augen betroffen (allergische Rhinokonjunktivitis), an denen eine Entzündung der Bindehaut zu Tränenfluss, Juckreiz, Kribbeln und Rötung führt. Unter den Symptomen von Nase und Augen leiden das Allgemeinbefinden, der Schlaf und die Leistungsfähigkeit.
Aus dem OTC-Sortiment* |
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| Wirkstoff(e) | Präparat | Anwendung |
|---|---|---|
| Azelastin | Vividrin Azelastin Nasenspray | zur Langzeitanwendung geeignet (während Allergenexposition) Kdr. ab 6 J. (und Erw.) |
| Azelastin/Fluticason | Snup Allerg Nasenspray | zur Langzeitanwendung geeignet (während Allergenexposition) nicht für Pers. < 18 J. |
| Beclometason | Rhinivict nasal 0,05 mg | mehrere Tage Kinder ab 6 J. |
| Bilastin | Allegra Allergie 20 mg Tbl. | Einnahmedauer beschwerdeabhängig Jugdl. ab 12 J. (und Erw.) |
| Cetirizin | Reactine Tbl. | Einnahmedauer beschwerdeabhängig Kdr. ab 6 J. (und Erw.) |
| Cromoglicinsäure | Pollicrom AT. | zur Dauertherapie geeignet für Erw./Kdr. |
| Desloratadin | Desloratadin Stada 5 mg Tbl. | Einnahmedauer beschwerdeabhängig Jugdl. ab 12 J. (und Erw.) |
| Fluticason | Otri-Allergie Nasenspray | zur Langzeitanwendung geeignet (während Allergenexposition) nicht für Pers. < 18 J. |
| Levocabastin | Livocab direkt Nasenspray | keine zeitliche Beschränkung (Dauer beschwerdeabhängig) Kdr. ab 1 J. (und Erw.) |
| Levocetirizin | Levocetirizin Hexal bei Allergien Tbl. | Einnahmedauer beschwerdeabhängig Kdr. ab 6 J. (und Erw.) |
| Loratadin | Lorano akut Tbl. | Einnahmedauer beschwerdeabhängig Kdr. ab 2 J. (und Erw.) |
| Mometason | Mometahexal Heuschnupfenspray | max. 3 Mon. ohne ärztlichen Rat nicht für Pers. < 18 J. |
| Olopatadin | Alltrevo, Optilegra AT. | falls notwendig, bis zu 4 Mo. nur für Erw. (s. Fachinfo) |
*beispielhafte Nennungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand der Information: 19.01.2026)
Vier-Säulen-Therapie
Die Behandlung der allergischen Rhinitis besteht aus vier Optionen: Allergenkarenz, medikamentöse Therapie, Hyposensibilisierung und adjuvante Maßnahmen. Allergenkarenz bedeutet, den Kontakt mit den betreffenden Pollen so niedrig wie möglich zu halten, beispielsweise durch Verzicht auf Sport in der Natur oder eine entsprechende Wahl des Urlaubsziels. Die Palette der medikamentösen Therapie der allergischen Rhinitis (s. Tab. oben) ist groß, wozu viele bewährte und neue OTC-Präparate gehören, auch für Kinder. Dies gilt auch für Augentropfen, sofern die allergische Rhinitis von einer allergischen Konjunktivitis begleitet wird. Während Antiallergika rein symptomatisch wirken, ist die Hyposensibilisierung (Desensibilisierung) eine ursächliche Therapie.
Hierbei wird der Patient allmählich und in steigender Dosis an das betreffende Allergen gewöhnt. Eine effektive adjuvante Maßnahme ist das Spülen der Nase mit isotonischer Salzlösung. Wichtig: Wird eine Pollenallergie nicht adäquat therapiert, besteht das hohe Risiko eines allergischen Asthmas. Adäquat behandelt bedeutet hier symptomfrei.
Symptomorientierte Wirkmechanismen
Glukokortikoide besetzen den Glukokortikoidrezeptor im Zellkern, wodurch sie immunsuppressiv und antientzündlich agieren. Je nach Substanz und Patient kann es bei nasaler Anwendung bis zu vier Tage dauern, bis die volle Wirksamkeit eintritt. Glukokortikoid-haltige Nasensprays gibt es als Mono- und Kombi-Präparate mit einem H1-Antihistaminikum. H1-Antihistaminika helfen bei nasaler Applikation binnen weniger Minuten, bei oraler binnen 20 bis 60 Minuten.
Die Substanzen sind mit dem Histamin strukturell verwandt. Sie blockieren dessen Rezeptor in den Geweben. In der Folge kann Histamin – der wichtigste Mediator im Allergiegeschehen – seine Effekte nicht mehr auslösen. Mastzellstabilisatoren stabilisieren die Membran der Mastzelle, wodurch die Freisetzung des darin enthaltenen Histamins und anderer Entzündungsmediatoren behindert wird. Bis Mastzellstabilisatoren ihre Wirkung vollständig aufgebaut haben, benötigen sie ein bis zwei Wochen. Daher sind entsprechende Nasensprays eine Option für Patienten, die unter verschiedenen Pollen in Folge und somit sehr lange unter einer allergischen Rhinitis leiden.