Zertifizierte Fortbildung: Augenkrankheiten
- Das Spektrum der Augenkrankheiten reicht von leichten Bindehautreizungen bis hin zu Notfällen wie Netzhautablösung oder Glaukomanfall.
- Lange Bildschirmarbeit und intensive Smartphone-Nutzung haben dazu geführt, dass sich Beschwerden wie das Trockene Auge zu Volkskrankheiten entwickelt haben.
- Bei der Beratung von Kunden mit Augenkrankheiten kommt es vor allem darauf an, die Grenzen der Selbstmedikation zu erkennen.
- Tipps zur richtigen Anwendung von Ophthalmika sowie das Erkennen von Nebenwirkungen von Dauermedikamenten auf das Auge sind wichtig.
Das menschliche Auge ist ein hochkomplexes Sinnesorgan, das aus verschiedenen Hüllen und weiteren Strukturen besteht. Entscheidend für die Umwandlung von Lichtsignalen in Nervenimpulse ist die innere Hülle, die Netzhaut (Retina) mit ihren lichtempfindlichen Zellen, den Stäbchen und Zapfen. In der Mitte der Retina befindet sich die Stelle des schärfsten Sehens, die Makula (Gelber Fleck). Bedeckt wird die Netzhaut von der Aderhaut, deren Hauptaufgabe die Nährstoffversorgung der Retina ist.
Gemeinsam mit der Regenbogenhaut (Iris) und dem Ziliarkörper bildet die Aderhaut die mittlere Augenhaut (Uvea), die von der Lederhaut (Sklera) als äußere Hülle bedeckt ist. Im vorderen Augenabschnitt geht die Sklera in die durchsichtige Hornhaut (Cornea) über. Zwischen der Linse und der Netzhaut befindet sich der Glaskörper, der hauptsächlich aus Wasser sowie Hyaluronsäure und Proteinen besteht. Die Augenbindehaut ist eine dünne Gewebeschicht, die den Augapfel mit den Lidern verbindet. Beim Öffnen und Schließen der Augen gleitet sie über die Hornhaut.
Lernziele
In dieser zertifizierten Fortbildung erfahren Sie, …
- wie das menschliche Auge aufgebaut ist.
- welche Teile des Auges von Erkrankungen betroffen sein können.
- welche Möglichkeiten es zur Prävention von Augenkrankheiten gibt.
- bei welchen Systemerkrankungen eine Augenbeteiligung möglich ist.
- bei welchen Augenkrankheiten eine Selbstbehandlung mit rezeptfreien Präparaten empfehlenswert ist.
Krankheiten
Obwohl es eine breite Palette zugelassener Augenarzneimittel gibt, eignet sich nur ein kleiner Teil für die Selbstmedikation. Viele Augenbeschwerden sollten vorsichtshalber augenärztlich abgeklärt werden. Bei Symptomen einer Netzhautablösung, bei Verletzungen oder Verätzungen muss umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden, da ansonsten der Verlust des Sehvermögens droht.
Bindehautentzündung
Suchen Kunden in der Apotheke Rat wegen geröteter Augen, kommen dafür sehr viele verschiedenen Ursachen infrage. Sind beide Augen gleichzeitig betroffen und bestehen außerdem Juckreiz und Schwellungen, liegt oft eine Allergie zugrunde. Meist ist dann auch die Nase betroffen; Kunden klagen über eine verstopfte oder laufende Nase und häufiges Niesen. Zu den weiteren Ursachen einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) zählen Zugluft oder starker Wind, chloriertes Wasser in Schwimmbädern, Staub oder eine Überschreitung der empfohlenen Tragezeit von Kontaktlinsen.
Ist die Hornhaut des Auges mit betroffen, lautet der Fachbegriff dafür Keratokonjunktivitis. Eine Infektion der Bindehaut und der Hornhaut durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze beginnt häufig in einem Auge, geht aber oft auch auf das andere Auge über. Nicht zuletzt können gerötete Augen auch auf einen Mangel an Tränenflüssigkeit hinweisen.
Akut-- Eine Sonderform des roten Auges ist das Hyposphagma. Dabei handelt es sich um eine akute, begrenzte Blutung aus feinsten Blutgefäßen der Bindehaut, wodurch diese sowie Teile des Glaskörpers intensiv gerötet sind. Zu den Ursachen zählen hauptsächlich Sportverletzungen (z. B. beim Ballsport), starker Husten, Pressen während der Geburt oder auch rasche Druckänderungen (z. B. beim Tauchen). Ein Hyposphagma verschwindet meist innerhalb einer Woche.
Der Aufbau des menschlichen Auges
Das Auge ist ein komplex aufgebautes Sinnesorgan. Es wandelt Licht in elektrische Signale um, die über den Sehnerv ins Gehirn gelangen und zu einem Bild zusammengesetzt werden.
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Gerstenkorn
Ein Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine häufig sehr schmerzhafte, bakterielle Infektion der Lidranddrüsen. Es bildet sich ein Eiterpickel, der sich an der Innen- oder Außenseite des Lids befindet. Oft ist ein Gerstenkorn zusätzlich mit starkem Juckreiz verbunden.
Hagelkorn
Das Hagelkorn (Chalazion) bereitet im Gegensatz zum Gerstenkorn wenig bis keine Schmerzen. Es kommt durch eine Verstopfung des Ausganges einer Meibom-Drüse zustande. Meibom-Drüsen (Glandulae tarsales), benannt nach einem deutschen Mediziner, befinden sich in den Ober- und Unterlidern der Augen und produzieren eine ölige Flüssigkeit (Meibum). Diese schützt die Augenoberfläche und verhindert ein rasches Verdunsten der Tränenflüssigkeit.
Uveitis
Bei einer Entzündung eines oder mehrerer Teile der mittleren Augenhaut (Uvea) ist keine Selbstmedikation möglich. Betroffene berichten von Lichtempfindlichkeit, Rötungen und Druckschmerzen. Ihnen muss die Abklärung in der Augenarztpraxis empfohlen werden. Zur Behandlung dieser Augenkrankheit sind die stark wirksamen, systemisch anzuwendenden Substanzen Adalimumab und Ciclosporin A zugelassen, außerdem ein Dexamethason-Implantat, das in den Augapfel eingelegt wird.
Trockenheit, Überbelastung durch Bildschirmarbeit und Schlafmangel, Umweltreize, Allergien sowie virale und bakterielle Infekte können Reizungen und Rötungen der Augen begünstigen.
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Tränenwegblockaden
Die in den Tränendrüsen der Augen produzierte Flüssigkeit wird in den Tränensäcken zwischengespeichert und über die Tränennasengänge in die Nase abgeleitet. Diese Gänge können durch Verletzungen oder Entzündungen (Dakryozystitis) blockiert sein. Die Folge sind einseitige Beschwerden wie ein starker Tränenfluss oder Schwellungen und Schmerzen im inneren Lidwinkel.
Das trockene Auge juckt und brennt.
Trockenes Auge
Die wohl häufigsten Augenbeschwerden, die Kunden in der Apotheke äußern, sind Symptome des Trockenen Auges (Sicca-Syndrom): Brennen, Stechen, Juckreiz, Sandkorn- und Müdigkeitsgefühl oder auch Augentränen. Augenärzte unterscheiden zwei Hauptformen: Entweder produziert das Auge zu geringe Mengen des wässrig-schleimigen Teils des Tränenfilms (hyposekretorische Form) oder es verdunstet ein zu hoher Anteil desselben (hyperevaporativ). Bei dieser Form des Trockenen Auges liegt der Grund oft darin, dass die Lidranddrüsen zu wenig Lipide bilden. Beide Formen können auch kombiniert auftreten.
Augentropfen beruhigen und befeuchten trockene Augen einfach und schnell. Sie sind in verschiedenen Viskositätsstufen sowie kombiniert mit Pflegestoffen erhältlich.
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Glaukom
Typisch für das Glaukom (Grüner Star) ist ein erhöhter Augeninnendruck (> 21 mmHg). Oft liegen Abflussbehinderungen des Kammerwassers zugrunde. Es gibt jedoch auch Formen mit normalem Augeninnendruck (Normaldruckglaukom). Im Anfangsstadium bemerken Betroffene meist noch keine Symptome. Im weiteren Verlauf können Schmerzen und eine Verringerung der Sehkraft auf ein Glaukom hindeuten. Unbehandelt führt die Erkrankung zur Zerstörung des Sehnervs.
Katarakt
Katarakt ist der Fachbegriff für eine Trübung der Augenlinse, die auch als Grauer Star bezeichnet wird. Sie tritt häufig jenseits des 60. Lebensjahres auf. Auch Jüngere können betroffen sein, beispielsweise nach einer Augenoperation. Die Hauptsymptome sind unscharfes, verschwommenes Sehen und eine Blendempfindlichkeit. Die Behandlung erfolgt meist ambulant. Dabei wird die Augenlinse durch eine Kunstlinse ersetzt.
Unterschied zwischen Hagelkorn und Gerstenkorn
Ein Gerstenkorn ist schmerzhaft und bakteriell bedingt, während ein Hagelkorn schmerzlos ist und durch eine chronische Entzündung einer Talgdrüse entsteht.
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Altersbedingte Makuladegeneration
Die Makula ist der Bereich der Netzhaut mit der höchsten Dichte an Lichtrezeptoren und wird auch als Gelber Fleck bezeichnet. Im höheren Lebensalter kommt es dort zu degenerativen Veränderungen (altersbedingte Makuladegeneration, AMD). Bei der häufigeren, trockenen AMD-Form verringert sich die Durchblutung der Aderhaut, außerdem kommt es zu Ablagerungen unter der Netzhaut (Drusenbildung).
Typische Symptome sind die Verringerung des Sehvermögens und des Kontrastsehens. Bei der feuchten AMD-Form bilden sich unter der Makula neue Blutgefäße; deshalb wird diese Form auch als neovaskuläre AMD (nAMD) bezeichnet. Diese Blutgefäße sind brüchig und es tritt Flüssigkeit aus, sodass sich ein Ödem bildet. Typisch für die nAMD sind Gesichtsfeldausfälle, Linien werden als „gebogen“ wahrgenommen. Im Endstadium der Erkrankung erscheint das zentrale Gesichtsfeld als schwarzer Fleck.
Amsler-Gitter-- Dies ist ein einfaches Hilfsmittel zur Überprüfung der Netzhautfunktion. Es besteht aus einem Gitternetz mit einem zentralen Punkt, der mit einem Auge fixiert wird. Werden dabei verzerrte Linien oder andere untypische Veränderungen wahrgenommen, kann dies ein erster Hinweis auf eine nAMD sein.
Erbkrankheit
Das Sehen wird möglich, weil chemische Substanzen (Sehfarbstoffe, Sehpigmente) in den Sinneszellen der Netzhaut die Lichtreize in elektrische Signale umwandeln, die an das Gehirn weitergeleitet werden. Für die Regeneration der Sehpigmente wird unter anderem das Enzym RPE65 benötigt. Sind beide Allele des Gens für dieses Enzym mutiert, verschlechtert sich das Sehvermögen fortschreitend bis zur Erblindung.
Die Symptome dieser erblichen Netzhauterkrankung treten schon im Kindesalter auf. Das Sehen in Dunkelheit ist bei den Betroffenen stark eingeschränkt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann diese Krankheit mit dem Gentherapeutikum Luxturna (Voretigen Neparvovec) behandelt werden. Dabei wird ein funktionsfähiges RPE65-Gen einmalig in Netzhautzellen eingeschleust, die noch ausreichend lebensfähig sind.
Unscharfes, verschwommenes Sehen und verstärkte Blendempfindlichkeit gehören zu den Hauptsymptomen des Grauen Stars (Katarakt).
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Notfälle
Einige Augenkrankheiten zählen zu den Notfällen und müssen schnellstmöglich augenärztlich behandelt werden. Erfolgt die Behandlung nicht rechtzeitig, droht Erblindung.
Netzhautablösung-- Zu den häufigsten Symptomen dieses augenärztlichen Notfalls zählen Einschränkungen des Gesichtsfeldes (schwarze Balken), verschleiertes Sehen oder Wahrnehmungen wie Lichtblitze und Rußregen. Grund dafür ist die Ablösung der inneren Netzhautschicht von ihrer Versorgungsschicht, dem retinalen Pigmentepithel.
Augenverletzung-- Wenn ein Fremdkörper, beispielsweise ein Holz- oder Metallspan, ins Auge gelangt ist, darf nicht versucht werden, diesen selbst zu entfernen. Beide Augen sollten abgedeckt und Betroffene rasch einer augenärztlichen Behandlung zugeführt werden.
Verätzung-- Sind Säuren, Laugen oder andere Chemikalien ins Auge gelangt, muss sofort ausgiebig (15 bis 20 Min.) gespült werden. Wenn keine sterile Augenspüllösung verfügbar ist, kann die Spülung auch mit sauberem Leitungswasser erfolgen. Zum Arzt sollte die Chemikalie mitgebracht werden.
Glaukomanfall-- Bei einem akuten Grünen Star (Glaukomanfall) liegt eine akute Abflussbehinderung des Kammerwassers vor. Der Augeninnendruck erhöht sich deshalb innerhalb kurzer Zeit. Typisch sind starke Schmerzen und eine Pupillenerweiterung. Das betroffene Auge fühlt sich hart an, das Sehvermögen ist stark eingeschränkt.
Die Grenzen der Selbstmedikation sind beim Auge eng.
Bei Menschen, die unter der Hauterkrankung Rosacea leiden, sind häufig die Augen mit betroffen. Lider und Lidränder sind dann entzündlich gerötet, jucken und brennen.
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Wimpernschäden
Die Wimpern schützen das Auge vor Sonnenstrahlung und dem Eindringen von Schmutz, Fremdkörpern und Schweiß. Umgeben sind sie von verschiedenen Drüsen wie den Meibom-Drüsen. Veränderungen der Wimpern können verschiedene Ursachen haben.
Mangel-- Ein Mangel an Vitaminen wie Vitamin B6 sowie Mineralstoffen wie Zink und Eisen kann dünne und brüchige Wimpern zur Folge haben.
Krebstherapie-- Infolge einer Chemotherapie können nicht nur die Kopfhaare, sondern auch die Wimpern und Augenbrauen ausfallen. Bei einigen Krebsmedikamenten kann es zum Ausbleichen der Wimpern kommen.
Filzlausbefall-- Filzläuse halten sich vor allem im Bereich der Schamhaare auf. Sie können jedoch auch die Wimpern befallen. Dort kommt es dann zu Verklebungen, weil die weiblichen Filzläuse ihre Eier mit einer Kittsubstanz an den Wimpern befestigen.
Milben-- Haarbalg-Milben (Demodex-Milben) gehören zu den natürlichen Hautbewohnern. Sie ernähren sich von Hauttalg und sind meistens harmlos. Wenn sie sich jedoch an den Lidrändern übermäßig vermehren, können sie das Wimpernwachstum stören. Typische Anzeichen für Milbenbefall sind zylindrische Hautschuppen am Wimpernansatz. Juckreiz, Brennen oder ein Trockenheitsgefühl zählen zu den häufig auftretenden Symptomen.
Der Amsler-Gitter-Test ist ein Sehtest zur Früherkennung von Netzhauterkrankungen wie der altersbedingten Makuladegeneration.
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Augenbeteiligung
Einige systemische Erkrankungen führen zu Veränderungen an den Augen oder in der Augenregion. Stellen sich Betroffene mit solchen typischen Zeichen in der Hausarztpraxis vor, kann der Arzt den Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung haben und deshalb eine weiterführende Diagnostik veranlassen.
Exophthalmus-- Dieser medizinische Fachbegriff beschreibt stark hervortretende Augäpfel. Sie sind typisch für Morbus Basedow, eine Autoimmunkrankheit mit Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose).
Rosacea-- Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Rosacea-Patienten sind die Augen mit betroffen. Die Lider und insbesondere die Lidränder können dann aufgrund von Entzündungen stark gerötet sein. Juckreiz und Brennen sind ebenso möglich.
Neurodermitis-- Bei der atopischen Dermatitis können Ekzeme auch an den Augenlidern auftreten. Ein Zeichen für die Erkrankung ist die Dennie-Morgan-Falte, eine zusätzliche Unterlidfalte.
Borreliose-- Diese durch Zecken übertragene Erkrankung kann auch die Augen in Mitleidenschaft ziehen. Möglich sind Entzündungen der Hornhaut (Keratitis) oder der Aderhaut (Uveitis), aber auch schwerwiegendere Formen wie eine Netzhautablösung oder eine Sehnerv-Entzündung (Optikusneuritis).
Wussten Sie, dass ...
- die in der Alltagssprache als „Tränensäcke“ bezeichneten Schwellungen der Unterlider etwas anderes sind als die Tränensäcke, die der Tränenspeicherung dienen?
- letztere sich unsichtbar unter der Haut zwischen innerem Lidwinkel und Nase befinden?
- die umgangssprachlichen Tränensäcke durch eine Lidschwellung (Ödem) oder eine Erschlaffung des Bindegewebes im Bereich des Unterlids – auch altersbedingt – entstehen?
- die Neigung, kosmetisch störende Tränensäcke zu entwickeln, auch genetisch bedingt sein kann?
Beratung
Augenkrankheiten, aber auch nur leichte Augenreizungen, können einen hohen Leidensdruck verursachen. Obwohl die Selbstmedikation auf wenige Indikationen beschränkt ist, gibt es für PTA vielfältige Möglichkeiten, Betroffene zu unterstützen.
Grenzen
Zu Beginn jeder Beratung zu Augenbeschwerden sollten die Grenzen der Selbstmedikation ausgelotet werden. So dürfen Augenbeschwerden bei Säuglingen und Kleinkindern nicht in Eigenregie behandelt werden. Beispielsweise kann eine Rötung oder Schwellung der Augen bei Neugeborenen durch die beschriebene Dakryozystitis bedingt sein. In diesem Alter liegt die Ursache häufig in einem verlegten oder noch nicht vollständig entwickelten Tränenkanal. Bei Erwachsenen sind Augenschmerzen, plötzlich aufgetretene Sehstörungen, verengte oder erweiterte Pupillen, gelbes Sekret oder sehr starke Rötungen oder Schwellungen kein Fall für die Selbstmedikation. Auch bei Symptomen, die sich nach einer Selbstbehandlung über etwa drei Tage nicht gebessert haben, sollte ein Augenarzt konsultiert werden.
Indikationen
Augenerkrankungen, für die die PTA unter Beachtung der Grenzen der Selbstmedikation rezeptfreie Präparate empfehlen kann, sind allergische Symptome, nicht allergische Bindehautentzündungen, Lidrandentzündungen sowie leicht bis mittelschwer ausgeprägte Formen des Trockenen Auges.
Antiallergika-- Rezeptfreie antiallergische Augentropfen enthalten die H1-Antihistaminika Ketotifen, Azelastin, Levocabastin und Olopatadin sowie den Mastzellstabilisator Cromoglicinsäure. Bei diesem ist der Wirkeintritt verzögert.
Vasokonstriktoren-- Ist die Ursache einer Bindehautreizung bekannt (z. B. Übermüdung, lange Bildschirmarbeit), kann das alpha-Sympathomimetikum Tetryzolin empfohlen werden. Es sollte nicht länger als zwei Tage und nicht bei Kunden mit Engwinkelglaukom zum Einsatz kommen. Die Wirkung beruht auf einer Verengung der Blutgefäße, wodurch die Rötung verblasst.
Tränenersatz-- Der alltagssprachlich häufig verwendete Begriff „künstliche Tränen“ oder Tränenersatzmittel ist nicht ganz korrekt. Denn der Tränenfilm ist sehr komplex zusammengesetzt, sodass immer nur Teile davon ergänzt werden können. Zur Befeuchtung eignen sich Präparate mit Hyaluronsäure, Polyvinylalkohol, Povidon, Hypromellose oder Carbomer. Zur Ergänzung des Lipidfilms der Tränenflüssigkeit können Präparate mit Phospholipiden, Paraffinöl, Triglyceriden oder Omega-3-Fettsäuren empfohlen werden.
Desinfizierend-- Wenn sich Kunden noch nicht sicher sind, ob sich eine eitrige Bindehautentzündung entwickelt oder sich ein Gerstenkorn bildet, kann die PTA eine Augensalbe mit dem desinfizierenden Wirkstoff Bibrocathol empfehlen. Auch Augentropfen mit dem Wirkstoff Hexamidin (Kurzform für Hexamidindiisetionat) wirken desinfizierend und können bei leichten Bindehaut- und Lidrandentzündungen empfohlen werden. Eine Alternative sind anthroposophische Calendula-Augentropfen.
Heilend-- Nach einer oberflächlichen Verletzung der Augenhornhaut kann eine Augensalbe mit Dexpanthenol den Heilungsprozess unterstützen. Es empfiehlt sich eine Anwendung während des Schlafens.
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von Augenarzneimitteln sind viele Fehler möglich, die den Behandlungserfolg einschränken können. Bei der Abgabe der Produkte sollte die PTA deshalb immer einige Hinweise an die Kunden weitergeben.
Hygiene-- Damit keine Infektionserreger in die Augen gelangen und diese zusätzlich schwächen, sollten vor der Anwendung von Ophthalmika die Hände gründlich gewaschen oder desinfiziert werden. Die Tropferspitze – bei einer Augensalbe die Tubenspitze – darf das Auge nicht berühren.
Anbruchsdatum-- Ophthalmika sind nur begrenzt haltbar. Um die Anwendungsdauer nicht zu überschreiten, sollte auf dem Behältnis das Datum der ersten Anwendung vermerkt werden.
Abstand-- Wenden Patienten mehr als ein Augenmedikament an – zum Beispiel zwei verschiedene Augentropfen –, sollte ein Zeitabstand von etwa einer halben Stunde eingehalten werden.
Tropfenzahl-- Der vordere Augenabschnitt kann nur eine begrenzte Menge Flüssigkeit aufnehmen. Deshalb ist es nicht sinnvoll, zum Beispiel bei befeuchtenden Augentropfen mehr als einen Tropfen in den Bindehautsack einzubringen. Weitere Tropfen würden aus dem Auge herauslaufen.
Sehvermögen-- Nach der Anwendung von Augenmedikamenten kann das Sehvermögen beeinträchtigt sein, dies gilt insbesondere für Augensalben. Die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen sind dann eingeschränkt.
Nebenwirkungen
Die Liste der Arzneistoffe, die am Auge zu unerwünschten Wirkungen führen können, ist lang. Zum einen sind dies Medikamente zur Behandlung von Grundkrankheiten wie Östrogene, Betablocker, Psychopharmaka (Benzodiazepine, Antidepressiva, Neuroleptika) oder Diuretika. Zum anderen können auch Augenarzneimittel selbst, beispielsweise gegen Allergiesymptome oder erhöhten Augeninnendruck, Nebenwirkungen wie ein Trockenheitsgefühl auslösen.
Kontaktlinsen
Kontaktlinsenträger sollten daran erinnert werden, die empfohlene Tragedauer der Linsen nicht zu überschreiten. Ist eine Behandlung mit wirkstoffhaltigen Ophthalmika notwendig, sollten die Linsen vorübergehend nicht getragen werden.
Seit letztem Jahr sind Atropin-haltige Augentropfen auf dem Markt, die Augenärzte gegen das Fortschreiten von Kurzsichtigkeit bei Kindern verordnen können.
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Prävention
Vor allem zur Prävention des Trockenen Auges gibt es viele Möglichkeiten. Bei Kunden, deren berufliche Tätigkeit mit viel Bildschirmarbeit verbunden ist, können neben befeuchtenden Augentropfen regelmäßige Pausen und bewusstes Blinzeln die Beschwerden verringern. Auch eine ausgiebige Nutzung von Smartphones oder Tablets in der Freizeit kann Augenreizungen begünstigen. Zunehmend sind auch Kinder und Jugendliche davon betroffen.
Kinder-- Seit Juni 2025 können Augenärzte in Deutschland ein Arzneimittel verordnen, das das Fortschreiten von Kurzsichtigkeit bei Kindern verlangsamen soll. Die Augentropfen (Ryjunea) enthalten 0,01 Prozent Atropin und können bei kurzsichtigen Drei- bis 14-Jährigen (–0,5 bis –6,0 dpt) eingesetzt werden, deren Kurzsichtigkeit rasch fortschreitet (mindestens 0,5 dpt/J).
Lidrandpflege-- Die an den Lidkanten befindlichen Meibom-Drüsen schützen den Tränenfilm durch die Lipidproduktion vor Verdunstung. Durch Wärmeapplikation mit dafür entwickelten Augenmasken und anschließende Lidmassage kann verhärtetes Meibum wieder verflüssigt werden.
Augenkosmetika-- Vor dem Schlafengehen müssen Augenkosmetika gründlich entfernt werden, denn durch Wimperntusche oder Eyeliner können die Ausführungsgänge der Meibom-Drüsen blockiert werden. Ein Lipidmangel in der Tränenflüssigkeit oder auch Entzündungen sind mögliche Folgen. Außerdem können Augenkosmetika allergische Reaktionen auslösen.
Supplemente-- Studien haben gezeigt, dass bei Patienten mit AMD die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann. Dazu zählen die Vitamine C und E, Zink, Kupfer, die Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA sowie die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin. Betroffene sollten die Einnahme solcher Supplemente mit ihrem Augenarzt besprechen, da manche Substanzen nicht für alle Patienten geeignet sind. Beispielsweise ist beta-Carotin kein geeignetes Nahrungsergänzungsmittel für Raucher, da Studien ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko gezeigt haben.
Interessenkonflikt: Die Autorin erklärt, dass keinerlei Interessenskonflikte bezüglich des Themas vorliegen.