Rückenprobleme: Hilfe bei Kreuzschmerzen
- Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland hat mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Es werden akute und chronische Rückenschmerzen unterschieden. Nur akute Beschwerden können in der Selbstmedikation behandelt werden.
- Hauptursachen für nicht spezifische Rückenschmerzen sind Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen. Psychische Faktoren können verstärkend wirken.
- Moderate Bewegung ist die wichtigste Therapiemaßnahme. Unterstützend können kurzfristig vor allem NSAR und Präparate mit Weidenrinde oder Capsaicin empfohlen werden.
Rückenschmerzen treten im Bereich zwischen Rippenbogen und Gesäßfalte auf. Einer Statista-Erhebung aus August 2025 zufolge leiden in Deutschland rund ein Drittel der Erwachsenen und etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen mindestens einmal im Leben darunter – Frauen deutlich häufiger als Männer.
Akut oder chronisch
Dauern die Rückenschmerzen weniger als sechs Wochen an, werden sie als akut bezeichnet. Ab einer Dauer von mehr als zwölf Wochen nennt man sie chronisch. Die Zeitspanne dazwischen, also sechs bis zwölf Wochen, wird als subakut bezeichnet. Treten die Schmerzen nach einer symptomfreien Zeit von mindestens sechs Monaten erneut akut auf, bezeichnet man sie als rezidivierend.
Meist nicht spezifisch
In rund 90 Prozent der Fälle lassen sich keine konkreten Schädigungen wie ein Bandscheibenvorfall, eine Fraktur oder ein Tumor nachweisen, die gezielt behandelt werden könnten. Bei nicht spezifischen Rückenschmerzen spielen vielmehr Bewegungsmangel und ungünstige Bewegungsabläufe die Hauptrolle. Dies erklärt auch, warum zunehmend jüngere Menschen betroffen sind: Langes Sitzen am Computer und eine ergonomisch ungünstige Arbeitsplatzgestaltung begünstigen die Beschwerden erheblich.
Zusätzlich erhöhen Übergewicht und Rauchen das Risiko für die Entstehung von Rückenschmerzen. Durch überzählige Pfunde lastet dauerhaft mehr Gewicht auf der Wirbelsäule und den Bandscheiben. Der Zusammenhang von Rauchen und Rückenschmerzen ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, konnte aber in Studien deutlich nachgewiesen werden: Es wird vermutet, dass die durch Nikotin bedingte Gefäßverengung zu Arteriosklerose führt und dadurch Knochen, Bandscheiben und Muskulatur schlechter mit Nährstoffen versorgt werden.
Auch die Psyche hat großen Einfluss: Niedergeschlagenheit, Ängste, Stress oder Mobbing können das Schmerzempfinden verstärken und die Beschwerden chronisch werden lassen.
Aus dem OTC-Sortiment* |
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Präparat |
Wirksamer Bestandteil |
Dosierung**/Anwendung |
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Arzneimittel |
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ABC-Wärmepflaster |
Cayennepfeffer-Dickextrakt (Capsaicin) |
1 Pfl. tgl. mind. 4, max. 12 Std. |
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Ibutop Schmerzcreme |
Ibuprofen |
3 – 4 x tgl. 4 –10 cm Creme (max. 20 g Creme/1.000 mg Ibuprofen/d) |
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Kytta Schmerzsalbe |
Beinwellwurzel-Fluidextrakt |
3 – 4 x tgl. 6 cm Creme, bei akuten Muskelschmerzen 3 x tgl. 12 cm |
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Kytta Wärmecreme |
Cayennepfeffer-Dickextrakt (Capsaicin) |
3 x tgl. 2 cm Creme |
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Nurofen 400 mg Weichkapseln |
Ibuprofen |
max. 3 x tgl. 400 mg |
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Teufelskralle ratiopharm Filmtabletten |
Teufelskrallenwurzel-Trockenextrakt |
2x tgl. 1 Tbl. |
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Voltaren Dolo 25 mg |
Diclofenac |
max. 3 x tgl. alle 4 bis 6 Std. |
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Voltaren Schmerzgel |
Diclofenac |
3 – 4 x tgl. kirsch- bis walnussgroße Menge (max. 16 g Gel/d) |
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Nahrungsergänzungsmittel (NEM) |
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Keltican forte Kapseln |
Uridinmonophosphat, Vitamin B12, Folsäure |
1 x tgl. 1 Kps. |
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Weidenrindekapseln 400 mg |
Weidenrinde |
bis zu 3 x tgl. 3 Kps. |
*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand der Informationen: 13.11.2025); **bei NEM: Verzehrempfehlung
Keine Selbstmedikation
Grundsätzlich eignet sich die Selbstmedikation nur bei akuten Rückenschmerzen. Chronische Beschwerden müssen ärztlich abgeklärt werden. Doch auch im akuten Fall gibt es Warnsignale (Red Flags), die einen Arztbesuch erfordern, um deren Ursache abzuklären. Dazu zählen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in Arme, Beine oder den Bauchraum, Taubheitsgefühle in den Extremitäten, eine Schmerzverstärkung im Liegen sowie Blasen- oder Darmentleerungsstörungen. Ebenso sind Fieber, Nachtschweiß, Schlafstörungen oder ein unerklärlicher Gewichtsverlust ernst zu nehmende Hinweise auf Grunderkrankungen.
Treten die Rückenschmerzen unmittelbar nach einem Sturz oder Unfall auf, muss auf jeden Fall ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, um Verletzungen auszuschließen. Gleiches gilt, wenn in der Vorgeschichte Risikofaktoren wie Osteoporose, Wirbelsäulendeformitäten (z. B. Skoliose), Krebserkrankungen, HIV oder Drogenmissbrauch vorliegen. Auch eine Langzeittherapie mit Immunsuppressiva oder Steroiden zählt zu den Red Flags. Schließlich gilt: Betroffene unter 20 oder über 55 Jahren sollten bei neu auftretenden Rückenschmerzen grundsätzlich nicht ausschließlich in der Selbstmedikation behandelt werden.
Red Flags bei Rückenschmerzen
© Foto: DAS PTA MAGAZIN / Illustration: Matthias Emde
Gegen akute Schmerzen
Im Vordergrund steht moderate Bewegung. Eine Schonhaltung sollte unbedingt vermieden werden, da sie die Beschwerden eher verstärkt. Gleichzeitig sollte der Rücken nicht überlastet werden. Ruckartige Bewegungen und schweres Heben sind daher ungeeignet. Empfehlenswert sind sanfte Aktivitäten wie Spaziergänge, Schwimmen oder leichte Gymnastikübungen.
Medikamente spielen lediglich eine unterstützende Rolle, können jedoch dabei helfen, Bewegung überhaupt wieder zu ermöglichen.
Medikamente zur Unterstützung
Zur Linderung akuter Rückenschmerzen können nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt werden – so niedrig dosiert und so kurz wie möglich. Neben der oralen Einnahme kommen auch topische Präparate infrage. Diese können bei leichten Beschwerden hilfreich sein, erreichen jedoch in der Regel nicht die Wirksamkeit systemisch angewendeter NSAR. Von Paracetamol wird abgeraten, da Studien keine signifikante Schmerzlinderung nachweisen konnten.
Pflanzliche Arzneimittel können ebenfalls sowohl systemisch als auch lokal eingesetzt werden. Salben mit Beinwellextrakt (Symphytum officinale) wirken lindernd bei akuten Schmerzen im Rückenbereich. Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) wird meist in Tablettenform eingesetzt. Ihre entzündungshemmenden Eigenschaften können helfen, Schmerzen zu reduzieren und dadurch die Beweglichkeit zu verbessern.
Auch Wärmeanwendungen können unterstützend wirken. Wärmepflaster ohne Capsaicin (z. B. Thermacare Wärmeumschläge) erzeugen eine anhaltende Tiefenwärme, fördern die Durchblutung, entspannen die Muskulatur und können dadurch die Beschwerden lindern. Alternativ bietet sich eine wärmende Creme ohne Capsaicin an (z. B. Apothekers Original Wärmesalbe), die mit einer Kombination aus Rosmarinöl und Glycerin arbeitet. Diese sollte möglichst frühzeitig bei beginnenden Muskelverspannungen angewendet werden. Bei entzündlichen Prozessen oder Hautreizungen ist zusätzliche Wärme jedoch zu vermeiden.
NSAR-haltige Topika können bei akuten, muskulär bedingten leichten Rückenschmerzen lokal Beschwerden lindern, indem sie auf die schmerzhafte Region aufgetragen werden.
© Foto: digicomphoto / stock.adobe.com
Supplemente
Präparate mit Weidenrinde werden in der sich zurzeit in Überarbeitung befindlichen Nationalen VersorgungsLeitlinie „Nicht spezifischer Kreuzschmerz“ zur Anwendung empfohlen. Aktuell sind nur Nahrungsergänzungsmittel und Teezubereitungen auf dem Markt.
Zum Nahrungsergänzungsmittel Uridinmonophosphat in Kombination mit Vitamin B12 und Folsäure gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Zwar spricht die Leitlinie keine Empfehlung aus, doch weisen mehrere Studien darauf hin, dass diese neuroprotektive Kombination körpereigene Reparaturprozesse unterstützen und dadurch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen im Bereich der Wirbelsäule positiv beeinflussen kann.