Serie Fresh-up: Ursodesoxycholsäure
- Ursodesoxycholsäure (UDCA) löst kleine Cholesterinsteine in der Gallenblase schonend auf.
- Diese Therapie erfordert Geduld, da sie bis zu 24 Monate dauern kann.
- In der Praxis sind Kontraindikationen und hormonelle Wechselwirkungen zentral.
Gallensteine sind wirklich kein Spaß, versichert Laura Naumann der PTA. Die zierliche Mittvierzigerin überreicht ihr ein Rezept mit einem Ursodesoxycholsäurepräparat.
„Zum Glück hat mein Arzt mir dieses Mittel verschrieben, das die Steine einfach auflöst. Meine Nachbarin erzählte mir nämlich, ihr Internist habe sich rundheraus geweigert mit dem Erfolg, dass ihr am Ende die Gallenblase entfernt werden musste.“
„Ich glaube, da fehlen Ihnen oder Ihrer Nachbarin ein paar Informationen“, beginnt die PTA und erklärt der Kundin die Zusammenhänge.
Serie Fresh-up
01/2026 Aciclovir
02/2026 Betahistin
03/2026 Ezetimib
04/2026 Norethisteron
05/2026 Thiamazol
06/2026 Venlafaxin
07/2026 Methotrexat
08/2026 Xipamid
09/2026 Ursodesoxycholsäure
10/2026 Quetiapin
11/2026 Apixaban
12/2026 Methocarbamol
Hintergrund
„Wissen Sie, dass es verschiedene Arten von Gallensteinen gibt?“, fragt sie und fährt direkt fort: „Je nachdem, welche Substanzen sich in der Gallenblase zu einem Stein konzentrieren, unterscheidet man Cholesterinsteine von gemischten Steinen und Pigmentsteinen. Gallensäuren werden in der Leber aus Cholesterin hergestellt und wirken als Tenside. Im Darm lagern sie sich in Form von Mizellen an Nahrungsfette.
Dadurch lassen sich die Fette in wässrigen Flüssigkeiten transportieren und in der Darmschleimhaut resorbieren. Ein Cholesterinüberschuss in der Leber kann sich in der Gallenblase ansammeln. Sind dann zu wenige Gallensäuren da, um das Cholesterin in Lösung zu halten, kristallisieren Cholesterinsteine aus. In diesem Fall kann mit der Einnahme der natürlich vorkommenden Gallensäure Ursodesoxycholsäure versucht werden, den Stein langsam aufzulösen und auszuspülen.
Zudem bewirkt das Mittel, dass im Darm weniger Cholesterin aufgenommen wird und dadurch auch weniger über die Leber in die Galle gelangt.“
„Aber das hätte meine Nachbarin sicher auch gerne ausprobiert. Nun hat sie keine Gallenblase mehr“, moniert Frau Naumann. „Vielleicht hatte Ihre Nachbarin Pigmentsteine oder der Stein hatte Calcium eingelagert, dann wirkt das Mittel nicht. Vielleicht war der Stein zu groß und hatte einen Durchmesser von mehr als 1,5 Zentimeter. Auch bei einer Entzündung von Gallenblasen oder Gallenwegen darf das Medikament nicht angewendet werden, da sich dadurch die Gallenwege verengen. Stellen Sie sich vor, der Stein wird aus der Gallenblase herausgetrieben und ist für die Verhältnisse zu groß. Dann kann er steckenbleiben und den Gang verstopfen.
Das Zurückstauen der Galle ist äußerst schmerzhaft und kann zu gefährlichen Komplikationen führen. Aus diesem Grund muss der Arzt sich sorgfältig an die Kontraindikationen halten. Wenn Gallenblase und Gallenwege entzündet sind oder die Gallenwege verschlossen, darf UDCA nicht angewendet werden, ebenso, wenn häufig Gallenkoliken auftreten oder eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt.“
Hinweise
Ursodesoxycholsäure (UDCA) wird gewichtsabhängig dosiert mit etwa zehn Milligramm UDCA pro Kilogramm Körpergewicht. Frau Naumann, die unter 60 Kilogramm wiegt, sollte abends vor dem Schlafengehen eine Filmtablette mit 500 Milligramm UDCA unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einnehmen.
Die regelmäßige Einnahme ist wichtig. Bis die Behandlung erfolgreich ist, kann es sechs bis 24 Monate dauern. Nach einer Therapiedauer von zwölf Monaten sollte sich der Gallenstein zumindest verkleinert haben. Wenn nicht, wird die Therapie abgebrochen. Alle sechs Monate sollte der Verlauf mit Ultraschall oder röntgenologisch untersucht werden, wobei die Steine keinen Schatten im Röntgenbild hinterlassen dürfen.
„Sie sollten wissen, dass Östrogene aus hormonellen Kontrazeptiva oder zur Hormonsubstitution in den Wechseljahren dazu führen können, dass die Leber reflexhaft mehr Cholesterin ausschüttet. Das Thema sollten Sie gegebenenfalls mit ihrem Facharzt besprechen und eine sichere, hormonfreie Empfängnisverhütung in Erwägung ziehen.“
Extra
„Meine Nachbarin sagte, dass für dieses Produkt Bären gequält werden. Stimmt das?“, hakt die Kundin am Ende der Beratung nach. Die PTA hatte sich vor einiger Zeit selbst Gedanken über den Tierschutzaspekt gemacht und hierzu sogar die Herstellerfirma kontaktiert. So kann sie direkt antworten. „Ganz sicher nicht, denn für dieses Medikament wird die Ursodesoxycholsäure partialsynthetisch aus der Galle von Schlachtvieh gewonnen. Zum Glück gibt es auch in China mittlerweile Bestrebungen, die grausame Nutzung von Bären als Galle-Lieferanten zu unterbinden.“