Serie OTC-Arzneistoffe: Naproxen

Das nicht steroidale Antirheumatikum wird in der Selbstmedikation gegen Fieber, leichte bis mäßig starke Regel-, Kopf- und Zahn- oder Gelenkschmerzen eingesetzt. Frischen Sie Ihr Beratungswissen auf.

von Stefanie Fastnacht
29.09.2026

Frau mit Wärmflasche
© Foto: SolStock, Getty Images/iStockphoto
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  • Naproxen ist ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR), das durch die Hemmung von Cyclooxygenasen (COX) analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch wirkt.
  • Das Verständnis potenzieller Nebenwirkungen wie gastrointestinale Beschwerden durch COX-1-Hemmung und kardiovaskuläre Risiken sind für die sichere Anwendung wichtig.
  • Eine fundierte Beratung ist unerlässlich, um Naproxen sicher in der Selbstmedikation einsetzen zu können und Kontraindikationen sowie Wechselwirkungen zu beachten.

Naproxen gehört zu den nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), die Cyclooxygenasen (COX) hemmen. Diese Enzyme sind im Körper für die Bildung von Prostaglandinen zuständig, die Schmerzen, Entzündungen und Fieber vermitteln. Durch die Blockade der COX wirkt Naproxen analgetisch (schmerzlindernd), antipyretisch (fiebersenkend) und antiphlogistisch (entzündungshemmend). In der Gebärmutter senkt es den durch Prostaglandine erhöhten Tonus, was Regelschmerzen lindert. Im Vergleich zu Ibuprofen zeichnet sich Naproxen durch eine lange Wirkdauer von bis zu zwölf Stunden aus.

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Dosierung

Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren können rezeptfrei Tabletten mit einer Dosierung von 200 bis 250 Milligramm Naproxen (auch als Naproxen-Natrium 220 mg, was etwa 200 mg Naproxen entspricht) kaufen und sie ohne Arztrücksprache bei Fieber bis zu drei Tage und bei Schmerzen bis zu vier Tage anwenden (Packungsbeilage beachten). Die Tageshöchstdosis liegt bei 600 bis 750 Milligramm beziehungsweise drei Tabletten.

Nebenwirkungen

Die Einnahme von Naproxen kann insbesondere bei längerem Gebrauch mit unerwünschten Wirkungen einhergehen. Um diese zu verstehen, hilft ein Blick auf die zwei im Körper vorkommenden Varianten (Isoenzyme) des Enzyms Cyclooxygenase.

COX-1-- Sie bewirkt die Produktion von Prostaglandinen unter anderem in Magen, Gebärmutter, Thrombozyten und Nieren. Diese schützen die Magenschleimhaut, indem sie die Magensaftproduktion verringern und die Zytoprotektion (Schleimhautschutz) verstärken. In den Nieren fördern Prostaglandine die Ausscheidung von Natriumionen. Zudem unterstützen sie die Blutgerinnung durch Steigerung der Plättchenaggregation. Wird COX-1 durch Naproxen gehemmt, verringern sich die magenschützenden Effekte. In der Niere sinkt die Ausscheidung von Natrium-ionen, und nachfolgend kommt es zu Wasserretention (Ödembildung) und Blutdruckerhöhung. Ferner wird die Thrombozytenaggregation gehemmt und so Blutungen Vorschub geleistet.

COX-2-- Das Enzym wird vor allem bei Entzündungen und Gewebeschäden aktiviert. Durch seine Hemmung wird die Entzündungs- und Schmerzkaskade unterbrochen. Naproxen blockiert beide COX-Isoenzyme, jedoch COX-1 etwas stärker. Das schränkt den Schutz des Magens unter der Einnahme ein und kann mit Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Ulzera und Blutungen verbunden sein.

Was das Herz-Kreislauf-System anbelangt, deuten Studien darauf hin, dass Naproxen im Vergleich zu anderen NSAR oder COX-2-Hemmern ein vergleichsweise geringes kardiovaskuläres Risiko aufweist, insbesondere in niedrigen Dosen und kurzer Anwendungsdauer. Trotzdem sollten Menschen mit Bluthochdruck und Herzinsuffizienz den Wirkstoff nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.

Aus dem OTC-Sortiment*

Wirkstoff 

Präparat 

Dosierung (Erw., Jgdl. > 12 J.)

Naproxen Dolormin für Frauen initial 2 Tbl. (500 mg), ggf. nach 8 – 12 h 1 weitere Tbl. (250 mg), max. 3 Tbl./d (750 mg)
Dolormin GS mit Naproxen initial 1 – 2 Tbl. (250 – 500 mg), ggf. nach 8 – 12 h 1 weitere Tbl. (250 mg), max. 3 Tbl./d (750 mg)
Naproxen 1A Pharma 250 mg bei Regelschmerzen initial 1 – 2 Tbl. (250 – 500 mg), ggf. nach 8 – 12 h 1 weitere Tbl. (250 mg), max. 3 Tbl./d (750 mg)
Naproxen axicur 250 mg initial 1 Tbl. (250 mg), ggf. nach 8 – 12 h 1 weitere Tbl. (250 mg), max. 3 Tbl./d (750 mg)
Naproxen natrium Naproxen ratiopharm Schmerztabletten initial 2 Tbl. (200 – 400 mg), ggf. nach 8 – 12 h 1 weitere Tbl. (200 mg), max. 3 Tbl./d (600 mg)
*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Kontraindikationen, Wechselwirkungen

Kunden mit peptischen Ulzera oder Magen-Darm-Darm-Blutungen dürfen Naproxen nicht einnehmen. Das Gleiche gilt für Asthmatiker, bei denen im Zusammenhang mit NSAR bereits Bronchospasmen aufgetreten sind. Ebenso für Kunden mit schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung und schwerer Herzinsuffizienz.

Wechselwirkungen-- Naproxen interagiert mit vielen Arzneistoffen. Zum Beispiel erhöht sich durch die gleichzeitige Einnahme von oralen Antikoagulanzien wie Phenprocoumon (Vitamin-K-Antagonist) und Apixaban (Direktes orales Antikoagulanz, DOAK) oder Acetylsalicylsäure und Clopidogrel (Thrombozytenaggregationshemmer) die Blutungsgefahr. In Kombination mit anderen NSAR steigt das Risiko von Magengeschwüren und gastrointestinalen Blutungen. Ferner kann Naproxen die Wirkung von Bluthochdruckmedikamenten wie ACE-Hemmern, Diruretika und Sartanen (Angiotensin-II-Antagonisten) abschwächen. Antacida wiederum verringern die Resorption von Naproxen, da sie den pH-Wert im Magen erhöhen und Aluminium- beziehungsweise Magnesium-haltige Formulierungen den Wirkstoff teilweise binden.

Naproxen lindert auch leichte Zahnschmerzen.
 

Beratungstipps

Naproxentabletten sollten mit viel Wasser, möglichst vor den Mahlzeiten, geschluckt werden. Bei akuten Beschwerden erfolgt die Einnahme nüchtern, um den Wirkeintritt zu beschleunigen. Kunden mit sehr empfindlichem Magen profitieren von der Gabe während einer Mahlzeit sowie einer Begleitbehandlung mit Protonenpumpeninhibitoren.

Empfehlen Sie Mädchen (> 12 J.) und Frauen mit Regelschmerzen in Abhängigkeit vom Präparat initial ein bis zwei Tabletten (200 – 500 mg) Naproxen. Falls nötig kann nach acht bis zwölf Stunden eine weitere Tablette folgen. Zusätzlich tragen Wärmflaschen und -pflaster, Körnerkissen oder ein warmes Bad zur Entspannung der Muskulatur und zur Schmerzlinderung bei. Auch Tees mit Auszügen aus Kamille, Mönchspfeffer oder Gänsefingerkraut lindern Menstruationsschmerzen und begleitende Krämpfe.

Benötigen Kunden Naproxen gegen Gelenkschmerzen, etwa in Folge von Arthrose, sollten Sie nachfragen, wann am Tag die Schmerzen am stärksten sind. Verlaufen sie gleichbleibend, hilft die Gabe von je einer Tablette Naproxen morgens und abends. Verstärken sich die Schmerzen in der Nacht, werden morgens eine Tablette und am Abend zwei eingenommen. Dominieren die Schmerzen am Tag, sollten morgens zwei Tabletten und am Abend nur eine geschluckt werden. 

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