Sumatriptan: Zwölf Stunden Stillpause

Die Fach- und Gebrauchsinformation von Sumatriptan-haltigen Arzneimitteln (Monopräparate und Sumatriptan/Naproxen-Kombinationen) muss um neue Hinweise ergänzt werden. Sie betreffen die Stillzeit. Zudem wird eine neue seltene Nebenwirkung aufgenommen, informiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

von Kirsten Bechtold
29.08.2025

Frau stillt Baby.
© Foto: Pixel-Shot / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)
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Sumatriptan gehört zur Wirkstoffklasse der Triptane und wird unter anderem bei akuten Migräneanfällen angewendet. Sowohl als Monosubstanz als auch als fixe Kombination mit Naproxen ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig. Ausnahme: Liegt eine Erstdiagnose vor, dürfen feste Zubereitungen zur oralen Anwendung in Konzentrationen von 50 Milligramm je abgeteilter Form ohne Rezept abgegeben werden. Dabei darf die Gesamtmenge pro Packung 100 Milligramm nicht überschreiten.

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Sumatriptan geht in die Muttermilch über.
 

Nachweis in Muttermilch

Im Rahmen von regelmäßigen Sicherheitsberichten (Periodic Safety Update Reports, PSUR) hat der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz der EMA die Sicherheit und das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Sumatriptan-haltigen Arzneimitteln (Monopräparate und Sumatriptan/Naproxen-Kombinationen) neu bewertet.

Die Experten kamen zu dem Schluss, dass Sumatriptan in die Muttermilch übergeht. Dieser Einschätzung zugrunde liegen vor allem die Ergebnisse zweier Studien aus den Jahren 1996 und 2021. In diesen erhielten stillende Mütter einmalig Sumatriptan oral (50 bzw. 100 mg), subkutan (6 mg) oder nasal (20 mg). Anschließend waren die Wirkstoffkonzentration in der Muttermilch bestimmt und die Säuglingsexposition ausgerechnet worden. Durchschnittlich lagen die berechneten relativen Dosen, denen Säuglinge ausgesetzt waren, bei etwas weniger als vier Prozent.

Brustschmerz möglich

Zudem beurteilten die Ausschussmitglieder Spontanberichte und Studiendaten zu Brustschmerz nach Einnahme Sumatriptan-haltiger Arzneimittel. Sie kamen zu dem Schluss, dass es einen ursächlichen Zusammenhang geben kann, sowohl bei stillenden als auch bei nicht stillenden Frauen. Verantwortlich dafür könne die gefäßverengende Wirkung von Sumatriptan sein.

Die Möglichkeit des Auftretens von Brust- und/oder Brustwarzenschmerzen muss daher als seltene Nebenwirkung in die Fach- und Gebrauchsinformation inklusive Angaben zur Dauer aufgenommen werden. Mit der Information durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aus dem Juli wird dieser Beschluss nun in Deutschland umgesetzt.

Darauf hinweisen

Geben Sie bei der Abgabe Sumatriptan-haltiger Arzneimittel diese Informationen weiter, beispielsweise folgendermaßen: „Stillen Sie Ihr Baby zwölf Stunden lang nicht, nachdem Sie das Medikament angewendet haben. Verwerfen Sie in diesem Zeitraum abgepumpte Muttermilch und geben Sie sie nicht Ihrem Kind.“

Weisen Sie zudem Stillende und Nichtstillende darauf hin, dass einige Frauen nach der Anwendung über Brust- und/oder Brustwarzenschmerzen berichten. Dieser Schmerz ist in der Regel vorübergehend und verschwindet innerhalb von drei bis zwölf Stunden.

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