29.05.2019

Triptane: Migräne gezielt behandeln

von Petra Schicketanz

Migränekopfschmerzen gehören zu den intensiven Beratungsthemen in der Apotheke. Diese Fortbildung beschäftigt sich mit Triptanen. Trotz ihrer guten Wirksamkeit gibt es einiges zu beachten.

© LSOphoto / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Triptane sollten bei Migränekopfschmerzen mit oder ohne Aura ab dem Einsetzen der Kopfschmerzen so früh wie möglich eingenommen werden.
  • Setzt die Wirkung eines Triptans während eines Anfalls nicht ein, sollte auch keine zweite Gabe erfolgen.
  • Eine Kombination von Triptanen und Ergotaminen darf nicht erfolgen. Gegebenenfalls sind 24 Stunden Zeitabstand einzuhalten.
  • Migränebetroffene unter 18 Jahre oder über 65 Jahre sowie Schwangere und Stillende sollten keine Triptane anwenden.

Seit Beginn der 1990er-Jahre gibt es die Substanzgruppe der Triptane als Option in der Migränetherapie. Erster Wirkstoff dieser Art war das 1991 in den USA eingeführte Sumatriptan, welches kurz darauf auch für den deutschen Markt zugelassen wurde. Die Triptane realisieren einen zielgerichteten Ansatz in der Migränetherapie, da sie nicht erst an der Schmerzwahrnehmung einsetzen, sondern bereits an der für Migräne verantwortlichen Weitstellung der Blutgefäße angreifen.

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Hier finden Sie zum Einlesen den Fragebogen zur Fortbildung Triptane.

Migräne

Migräne gehört zu den häufigsten Kopfschmerzformen. Frauen zwischen 20 und 50 Jahre sind etwa dreimal so oft betroffen wie Männer dieser Altersgruppe. Vor und nach diesem Zeitraum liegt die Prävalenz niedriger, wobei durchschnittlich zehn bis 15 Prozent aller Menschen jedes Jahr Migräneattacken erleiden. Rund neun von zehn Migränepatienten hatten ihren ersten Migräneanfall bereits vor dem 40. Lebensjahr. Deshalb sollten Menschen, die in der zweiten Lebenshälfte zum ersten Mal unter entsprechenden Symptomen leiden, diese mit einem Arzt abklären.

Typisch

Für eine Migräne sprechen folgende Beschwerden: Die Schmerzen treten anfallsartig, pulsierend und stark auf. In zwei Drittel aller Fälle sind sie nur auf eine Kopfhälfte beschränkt, wobei die Seiten innerhalb einer Attacke wechseln können. Zusätzlich können Lichtempfindlichkeit (Photophobie) und Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) gesteigert sein. Die Schmerzen werden häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Insgesamt können die Beschwerden vier bis 72 Stunden lang anhalten und nehmen bei körperlicher Aktivität zu.

Typisch ist auch die Aura, die sich bei jedem zehnten Migränepatient vor der Schmerzattacke einstellt. Sie zeichnet sich durch visuelle Symptome aus, wie blitzartig auftretende Flecken vor den Augen. Dieser Zustand kann bis zu einer halben Stunde andauern.

Ein Migräneanfall kann sich bereits Stunden bis Tage vorher durch Prodromi (Vorläufer) ankündigen, wobei sich an diese nicht zwingend eine Schmerzattacke anschließen muss. Dabei kommt es zu erhöhter Reizbarkeit und einer gesteigerten Geruchsempfindlichkeit. Der Geschmackssinn scheint oft verändert.

Migräne-Trigger

Grafik Triptane Trigger 062019

Trigger

Stress und Hormonschwankungen sind klassische Auslöser eines Migräneanfalls. Ebenso ein veränderter Schlafrhythmus, flackerndes Licht und Wetterwechsel. Bei manchen Menschen steht der Migräneanfall auch im Zusammenhang mit bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln wie Alkohol, insbesondere Rotwein, Käse und Schokolade. Auch der Abfall des Coffeinspiegels kann eine Migräne anschieben.

Während ein einzelner Trigger noch gut vertragen wird, kann das gemeinsame Auftreten mehrerer Trigger zu einem Migräneanfall führen. Um herauszufinden, welche das im individuellen Fall sind, empfiehlt es sich, ein Schmerztagebuch zu führen. Wichtig zu wissen: Ein Trigger ist keinesfalls die organische Ursache für eine Migräne, sondern nur der Anstoß für einen Anfall.

Ursachen

Tatsächlich sind die Ursachen einer Migräne noch nicht abschließend geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass bestimmte Gruppen von Nervenzellen im Hirnstamm überempfindlich reagieren und diese Reaktion genetisch veranlagt ist. Bekannt sind im Wesentlichen zwei Fakten. Bei einem Migräneanfall sind bestimmte Blutgefäße im Gehirn erweitert und entzünden sich (neurogene Entzündung). Die Nerven an den Gefäßwänden melden jeden Pulsschlag als pochenden Schmerz. Meist gibt es die ersten Migräneanfälle in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter.

Das sind wichtige Migränemerkmale

Grafik Titelthema 062019

Die Ursachen der Migräne sind nicht völlig geklärt. Bekannt sind im Wesentlichen zwei
Fakten. Bei einem Migräneanfall sind bestimmte Blutgefäße im Gehirn erweitert und
entzünden sich (neurogene Entzündung).

Grundlagen Triptane

Bei einem Migräneanfall sollte sich der Betroffene möglichst in einen reizarmen, ruhigen Raum zurückziehen und einen Kühlakku oder Eisbeutel auf die schmerzende Stelle auflegen. Oft – vor allem bei Kindern – hilft Schlaf. Da sich Migränebeschwerden durch Aktion und Reizüberflutung verstärken, sollten diese nicht medikamentösen Maßnahmen selbstverständlich sein. Allerdings gilt ihre Wirksamkeit in Fachkreisen als nicht belegt.

Bei leichter und mittelgradiger Migräne sind die Analgetika Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen Mittel der ersten Wahl. Die Kombination von ASS mit Paracetamol und Coffein hat sich als stärker wirksam gezeigt als die Einzelsubstanzen. Geht der Anfall mit starker Übelkeit einher, wird der kurzzeitige, gezielte Einsatz des Antiemetikums Metoclopramid empfohlen. Auch Domperidon ist eine Option, allerdings sollte bei Kunden mit entsprechendem Hintergrund die Nebenwirkung auf das Herz berücksichtigt werden.

Oftmals lassen sich die schmerzhaften Attacken nur schlecht in den Griff bekommen, da die Betroffenen individuell ganz unterschiedlich auf die verschiedenen Schmerzmittelangebote reagieren. Bei mittelschweren oder länger andauernden Migräneanfällen haben sich seit den 1990er-Jahren Triptane bewährt und die bis dahin gebräuchlichen Mutterkornalkaloide weitestgehend abgelöst.

Serotonin

Sprechen die Migräneattacken nicht auf die üblichen Analgetika vom NSAR-Typ an, kommen Serotonin-Agonisten (Triptane) zum Einsatz. Serotonin ist ein Botenstoff, der auch als 5-Hydroxytryptamin (5-HT) bezeichnet wird und sowohl peripher als auch zentral wirkt. Rund 95 Prozent des körpereigenen Serotonins werden in der Darmschleimhaut gebildet, wo es die Arbeit des Verdauungstrakts steuert. Da Serotonin als biogenes Amin nicht durch die Blut-Hirn-Schranke gelangt, müssen die dort benötigten Mengen vor Ort produziert werden.

Im zentralen Nervensystem reguliert der Neurotransmitter Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerzwahrnehmung, Körpertemperatur und Essverhalten. Stimmungsschwankungen, inklusive Angst, Aggression und Depression, stehen unter dem Einfluss der Substanz. Sämtliche Wirkungen werden über 5-HT-Rezeptoren vermittelt. Serotoninerge Neuronen sind Nervenzellen, die sich durch Serotonin ansprechen lassen. Sie liegen im Gehirn in den Raphe-Kernen des Hirnstamms, an der gedachten Nahtlinie zwischen den beiden Hirnstammhälften.

Hypothese-- Für die Entstehung der Migräne gibt es die folgende Hypothese: Eine Aktivierung der 5-HT 2B -Rezeptoren an den Blutgefäßen im Bereich des Trigeminusnervs führt zur Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO). Dieser Schritt soll eine wichtige Rolle in der Migräneentstehung spielen, denn das NO führt zur Weitstellung der Blutgefäße (Vasodilatation) und übt dadurch schmerzhaften Druck auf die empfindliche äußere Hirnhaut (Dura mater) aus. Gleichzeitig fördert NO die Freisetzung von Neuropeptiden wie Substanz P, die eine neurogene Entzündung auslösen.

Migräne und andere Kopfschmerzarten

Grafik Triptane Schmerzformen 062019

A: Migräne, Cluster- und Spannungskopfschmerz treten in unterschiedlichen Regionen des
Kopfes auf. B: Blutgefäße im Gehirn erweitern sich unter dem Einfluss bestimmter Nervenzellen.
C: Der Trigeminusnerv spielt in der Migräneentstehung eine wesentliche Rolle.

Verschiedene HT-Rezeptoren

Mittlerweile werden 14 5-HT-Rezeptoren und ihre Subtypen unterschieden. Darüber werden vielfältige Wirkungen erzeugt, die sich zum Teil antagonisieren. Erst durch die Unterscheidung der einzelnen Rezeptortypen lassen sich über passende Agonisten die vielfältigen Serotoninwirkungen gezielt ansteuern. Während die oben beschriebene Stimulation von 5-HT 2B -Rezeptoren die Blutgefäße im trigemino-vaskulären System weit-stellt, lassen sich die Gefäße über eine Stimulation von 5-HT 2A - und 5-HT 1B -Rezeptoren engstellen.

Triptane wirken über eine Stimulation der 5-HT 1B -Rezeptoren. Dadurch verengen sie die Blutgefäße im Gehirn. Zusätzlich aktivieren sie die 5-HT 1D -Rezeptoren, über die sie an den Fasern des Trigeminusnervs die Freisetzung der entzündungsfördernden Neuropeptide bremsen.

5-HT 1B -Rezeptoren kommen nicht nur im Gehirn vor, sondern auch an den Koronararterien. Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit kann es hier zu einer gefährlichen Gefäßkontraktion kommen. Deshalb sind Triptane bei diesem Krankheitsbild sowie bei anderen ischämischen Erkrankungen kontraindiziert (Ischämie = mangelnde Blutversorgung in Organen).

Vergleich mit Mutterkornalkaloiden

Im Vergleich zu den älteren Mutterkornalkaloiden wie Ergotamin besitzen Triptane zwei Vorteile: Sie sind besser wirksam, da sie selektiver an den Blutgefäßen des Gehirns angreifen. Zudem hemmen sie den Brechreiz (antiemetische Wirkung) und benötigen keine zusätzliche Gabe von Antiemetika. Am besten ist die Wirkung der Triptane, wenn die Subs-tanzen so früh wie möglich beim Auftreten der ersten Symptome eingesetzt werden. Allerdings helfen sie auch noch bei späterer Anwendung. Zudem beheben sie Symptome wie Lichtscheu oder Geräuschempfindlichkeit.

Auch wenn Triptane bei bereits bestehender koronarer Herzkrankheit nicht gegeben werden dürfen, erhöhen sie nicht das Risiko für die grundsätzliche Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen, was sie zusätzlich gegenüber Ergotamin auszeichnet.

Allerdings besteht auch bei den Triptanen ein hohes Risiko für einen Übergebrauch, der zu einem schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz führt. Deshalb sollten sie innerhalb von drei Monaten nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden.

Im Handel sind die Substanzen Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan. Sie dürfen nicht gleichzeitig mit Mutterkornalkaloiden verabreicht werden, da dies die Gefahr für Gefäßspasmen erhöht. Wurden die genannten Alkaloide bereits eingenommen, muss ein Sicherheitsabstand von 24 Stunden eingehalten werden.

Wussten Sie, dass ...

  • Triptane nur zur Behandlung der Migräne geeignet sind, nicht aber zur Migräneprophylaxe?
  • die Einnahme während der Aura, wenn noch keine Kopfschmerzen vorliegen, nicht sinnvoll ist?
  • Triptane zu Müdigkeit und Schwindel führen können und deshalb das Bedienen von Maschinen und die Teilnahme am Straßenverkehr eingeschränkt sein können?
  • ein Triptan, das bei einem Migräneanfall unwirksam war, trotzdem bei einem weiteren Anfall helfen kann?

Einzelne Wirkstoffe

Alle Triptane wirken nach demselben Prinzip. Dennoch gibt es Unterschiede. Sumatriptan, Rizatriptan und Zolmi- triptan werden wie das Serotonin über die Monoaminoxidase A (MAO-A) abgebaut. Aus Zolmitriptan entsteht Desme- thyl-Zolmitriptan, das stärker wirksam ist als seine Ausgangssubstanz und ebenfalls auf dem MAO-A-Weg verstoffwechselt wird. Nimmt der Kunde bereits Wirkstoffe wie Moclobemid ein, die dieses Enzym hemmen, dann steigen die Plasmaspiegel der genannten Triptane an. Als Alternative empfiehlt sich Naratriptan, da es eine Seitenkette besitzt, die den Angriff der MAO-A verhindert. Naratriptan wird stattdessen teils durch Cytochrom P450 abgebaut, teils unverändert über die Nieren ausgeschieden.

Sumatriptan

1991 wurde Sumatriptan als erstes Triptan auf dem Markt eingeführt. Es dient zur Akuttherapie von Migräne mit oder ohne Aura sowie zur Akutbehandlung des Clusterkopfschmerzes. Neben den 5-HT 1B/1D -Rezeptoren greift es auch am 5-HT 1F -Rezeptor an, der auf die für Migräne typische neuronale Entzündung Einfluss nimmt. Die orale Bioverfügbarkeit von Sumatriptan ist relativ schlecht, zumal es auch die Blut-Hirn-Schranke nicht gut penetriert. Oral wird es daher mit 50 bis 100 Milligramm relativ hoch dosiert, im Vergleich zu anderen Triptanen.

Die schlechte Bioverfügbarkeit wird bei nicht oralen Darreichungsformen umgangen, die zudem bei einer ausgeprägten Migräneübelkeit vorteilhaft sind. Im Handel sind rezeptpflichtige (Film-)Tabletten (50/100 mg), Injektionslösungen (6 mg s.c.) und Nasensprays (10/20 mg nasal). Die Fertigspritzen mit Injektionslösung dienen ausschließlich zur subkutanen Anwendung, da bei einer intravenösen Gabe des Wirkstoffs mit ischämischen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Wichtig-- Die subkutane Gabe von Sumatriptan erzielt von allen Triptanen den schnellsten und stärksten Wirkeintritt. Aber auch die nasale Verabreichung beschleunigt im Vergleich zur oralen Applikation den Wirkeintritt.

Zolmitriptan

Dieser Serotoninagonist ist lipophiler als Sumatriptan und weniger polar. Deshalb wird er deutlich besser aus dem Darm absorbiert und kann die Blut-Hirn-Schranke besser durchdringen. Einerseits sind lipophile Triptane schneller und besser wirksam, verursachen aber auch mehr unerwünschte zentralnervöse Effekte. Zolmitriptan wird in verschiedenen, verschreibungspflichtigen Darreichungsformen angeboten: Film- und Schmelztabletten ab 2,5 Milligramm sowie als Nasenspray.

Naratriptan

Die Wirkung von Naratriptan setzt langsamer ein, dafür hält die Wirkung länger an. Es ist das erste Triptan, das auch rezeptfrei in Filmtabletten zu 2,5 Milligramm auf den deutschen Markt kam. Es ist für Migränepatienten ab 18 bis 65 Jahre zugelassen und sollte bei den ersten Anzeichen von Migränekopfschmerzen eingenommen werden. Meist reicht bereits eine Tablette pro Anfall; maximal zwei am Tag sind erlaubt, frühestens nach einem zeitlichen Abstand von vier Stunden. Allerdings ist die zweite Gabe nur dann sinnvoll, wenn sich unter der ersten Tablette bereits eine Linderung gezeigt hat. Verfügbar ist Naratriptan in Form von Filmtabletten.

Frovatriptan

Der verschreibungspflichtige Wirkstoff Frovatriptan hat ebenfalls eine langsam einsetzende, dafür aber lang anhaltende Wirkung. Er ist für Migräne mit und ohne Aura zugelassen und als Filmtablette zu 2,5 Milligramm auf dem Markt. Zusätzlich zu den 5-HT 1B/1D -Rezeptoren greift er auch am 5-HT 7 -Rezeptor an, der sich an den Blutgefäßen des Herzens befindet und dort zu einer Gefäßerweiterung führt. Bei gesunden Menschen konnten daher selbst bei 40-facher Überdosierung keine unerwünschten Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System gefunden werden.

Eletriptan

Das Triptan ist zur Behandlung von Migräneattacken mit oder ohne Aura beim Erwachsenen zugelassen und in Form von rezeptpflichtigen Filmtabletten zu 20 und 40 Milligramm erhältlich. Die Wirkung ist nicht auf 5-HT 1B/1D -Rezeptoren beschränkt, denn Eletriptan besitzt eine mäßige Affinität zu 5-HT 1A -, 5-HT 2B -, 5HT 1E - und 5HT 7 -Rezeptoren.

Es gibt Wechselwirkungen mit starken CYP3A4-Hemmern, wie Ketoconazol, Itraconazol, Erythromycin, Clarithromycin, Josamycin und Proteaseinhibitoren. Bei gleichzeitiger Anwendung von Johanniskraut treten häufiger unerwünschte Nebenwirkungen auf. In Kombination mit Coffein führt Eletriptan zu einer geringen Blutdrucksteigerung. Eletriptan und Rizatriptan gelten als die stärksten oralen Triptane.

Almotriptan

In Form von Filmtabletten zu 12,5 Milligramm unterliegt Almotriptan zur akuten Migränebehandlung mit und ohne Aura in Deutschland nicht der Verschreibungspflicht. Die empfohlene Dosis beträgt 12,5 Milligramm. Die erlaubte Höchstdosis innerhalb von 24 Stunden sind 25 Milligramm Almotriptan. Dazu muss die erste Einnahme der ersten Dosis mindestens zwei Stunden zurückliegen.

Allerdings ist nicht untersucht, ob eine zweite Dosis nach einer wirkungslosen ersten Dosis eine Wirkung zeigt. Spricht ein Betroffener auf die erste Dosis nicht an, sollte für denselben Anfall daher keine zweite Dosis verabreicht werden.

Rizatriptan

Dieses Triptan ist wiederum rezeptpflichtig und wird in einer Dosierung von fünf oder zehn Milligramm als Tabletten und Schmelztabletten angeboten. Es wird vergleichsweise schnell absorbiert und ist relativ gut bioverfügbar. Die Wirkung setzt bereits nach 30 Minuten ein und damit viermal so schnell wie oral eingenommenes Sumatriptan.

Triptane als OTC-Medikamente

Rezeptfreie Triptane sollten nicht leichtfertig im OTC-Verkauf abgegeben werden. Ohnehin muss die Erstdiagnose Migräne vom Arzt gestellt sein, bevor sich ein Betroffener in Eigenregie mit Triptanen versorgt. Während der Beratung sollten folgende Risikofaktoren abgefragt und ggf. eine Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden:

  • Bluthochdruck
  • Rauchen oder Verwendung von Niko- tinersatzmitteln
  • Mann über 40 Jahre/Frau nach den Wechseljahren
  • Leber- oder Nierenprobleme
  • Kopfschmerzen, die mit Schwindel, Gang- oder Koordinationsstörungen oder Schwäche in Armen und Beinen einhergehen
  • Auftreten von allergischen Reaktionen bei vorheriger Einnahme des Präpara- tes oder ähnlicher Tabletten (auch An- tibiotika)
  • kurzfristiges Auftreten von Schmer- zen oder Engegefühl im Brustkorb
  • Einnahme von Arzneimitteln gegen Depressionen, wie Serotonin-Wie- deraufnahmehemmer (SSRI), Seroto- nin-Noradrenalin-Wiederaufnah- mehemmer (SNRI), MAO-A-Hem- mer und Johanniskrautpräparate.

Triptane im Vergleich

Oft lässt sich nicht vorhersagen, welches Triptan für den jeweiligen Patienten ideal ist. Daher ist es durchaus üblich, anfangs bei einer neuen Attacke jeweils ein neues Triptan auszuprobieren, bis man den am besten passenden Wirkstoff für sich gefunden hat.

Grundsätzlich lassen sich drei Gruppen unterscheiden, bei deren Zuordnung auch Darreichungsform und Dosis eine Rolle spielen. Niedrigere Dosierungen wirken prinzipiell schwächer und zeigen weniger unerwünschte Nebenwirkungen.

Gruppe 1-- Eine sehr schnelle und starke Wirkung, kurze Wirkdauer und ein höheres Aufkommen von Nebenwirkungen zeigt Sumatriptan in subkutaner Verabreichung.

Gruppe 2-- Das Mittelfeld bezüglich Wirkung, Wirkgeschwindigkeit, Verträglichkeit und Wirkdauer bilden die Triptane Almotriptan (12,5 mg), Eletriptan (40 mg), Rizatriptan (10 mg), Sumatriptan (100 mg Tbl. oder 20 mg nasal) sowie Zolmitriptan (5 mg Tbl./Nasenspray).

Gruppe 3-- Eine anhaltende Wirkung und sehr gute Verträglichkeit, eine geringe Rate für Wiederkehrkopfschmerzen und einen eher langsameren Eintritt der Wirkung zeigen Frovatriptan (2,5 mg Tbl.) und Naratriptan (2,5 mg Tbl.).

Nebenwirkungen

Zu den unerwünschten Nebenwirkungen der Triptane gehören Müdigkeit, Schwindel und Schwächegefühl. Vorübergehend können sich Kribbeln, Sehstörungen, Kältegefühl, Schmerzen sowie Druck- und Engegefühl in Brust und Hals einstellen. Auch ein vorübergehender Blutdruckanstieg ist möglich. Bei Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen können Krämpfe der Herzkranzgefäße auftreten. Eine Daueranwendung kann zum medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz führen.

Nicht kombinieren

Triptane dürfen nicht zusammen mit Arzneimitteln eingenommen werden, die zu einer Verstärkung der Serotoninwirkung führen, wie antidepressiv wirksame Selektive-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Auch Monoaminoxidase-Hemmstoffe (MAO-Hemmer) und Johanniskrautextrakte können diesen Effekt haben.

Serotonin-Syndrom-- In Kombination mit diesen Wirkstoffen reichert der Körper zu viel Serotonin im Nervensystem an, und es kommt zu einem Serotonin-Syndrom. Zu diesem gehören folgende Symptome: Ruhelosigkeit, Bewegungsdrang, Halluzinationen, Koordinationsverlust, Blutdruckschwankungen, Beschleunigung des Herzschlags, Erhöhung der Körpertemperatur (Fieber und Schüttelfrost), Schwitzen, Beschleunigung der Atmung, Tremor, Steigerung der Reflexe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Daraus können Herzrhythmusstörungen, epileptische Anfälle und Koma entstehen. Zudem nimmt Serotonin Einfluss auf die Blutgerinnung, was zum einen zu einer Bildung von Blutgerinnseln führt, andererseits aber auch zu einem verbrauchsbedingten Mangel an Gerinnungsfaktoren, sodass unstillbare Blutungen resultieren. Ein Serotonin-Syndrom kann letztendlich zum Tod durch Multiorganversagen führen.

Kontraindikationen

Der gefäßverengende Effekt der Triptane führt zu einigen Gegenanzeigen. Die Substanzen sind kontraindiziert bei koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall und TIA (Transitorische Ischämische Attacken). Letztere sind gekennzeichnet durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns mit kurzfristigen neurologischen Ausfällen wie halbseitiger Lähmung oder Sprachstörungen, die sich innerhalb einer halben Stunde zurückbilden. Patienten mit vaskulären Risikofaktoren sollten zusammen mit ihrem Arzt eine Nutzen-Risiko-Abwägung durchführen, bevor sie Triptane einsetzen. In Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei Kindern unter 18 oder Erwachsenen über 65 Jahre sind Triptane kontraindiziert.

Wiederkehrkopfschmerz

Dauert eine Migräneattacke lang an, kann sich bei allen Migränemitteln ein Wiederkehrkopfschmerz einstellen. Sein Auftreten ist von der Dauer der Attacke und der Halbwertszeit des Migränemittels abhängig. Etwa 15 bis 40 Prozent der Migränepatienten, bei denen das zuerst eingenommene Triptan eine Wirkung zeigte, tritt ein solcher Wiederkehrkopfschmerz auf, der mit einer zweiten Gabe desselben Mittels kupiert werden kann. Das sollte allerdings innerhalb von 24 Stunden nur einmal gemacht werden. Berichten Kunden regelmäßig über das Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen, sollten sie zunächst ein lang wirksames Triptan wie Naratriptan oder Frovatriptan ausprobieren oder als Alternative die Kombination des vertrauten Triptans mit einem lang wirksamen NSAR wie Naproxen. Zeigte ein bereits eingenommenes Triptan für diesen Anfall keine Wirkung, sollte die Gabe in diesem Anfall nicht wiederholt werden.


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