Inkretinmimetika: Nach Therapiestopp weiterhin schlank?
In der systematischen Übersichtsarbeit analysierte ein Team um Brajan Budini von der University of Cambridge sechs Studien mit insgesamt 3.236 Teilnehmern, die mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten behandelt worden waren.
In drei der berücksichtigten Studien wurde der Wirkstoff Semaglutid getestet, der in den Präparaten Ozempic und Wegovy enthalten ist. Ozempic ist in Deutschland bei Typ-2-Diabetes zugelassen, Wegovy bei Adipositas.
In zwei Studien kam der Wirkstoff Tirzepatid und in einer der Wirkstoff Liraglutid zum Einsatz.
Erst schnell, dann langsam
Die Ergebnisse zeigen, dass Patientinnen und Patienten, die Inkretinmimetika absetzen, zunächst schnell und dann immer langsamer wieder an Gewicht zulegen, berichtet die Deutsche Presseagentur dpa über die Studie.
Das durchschnittliche Ausgangsgewicht lag in den berücksichtigten Studien bei 104 bis 112 Kilogramm. Mit Semaglutid nahmen die Versuchsteilnehmer durchschnittlich etwa elf bis 17 Prozent ab, mit Tirzepatid 15 bis 23 Prozent, allerdings über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren.
Ein Viertel weniger Gewicht auf Dauer?
Bei variierender Behandlungsdauer, verschiedener Dosierung und unterschiedlicher Höhe des Gewichtsverlusts ergaben sich bei der Gewichtszunahme nach Beendigung der Therapie sehr ähnliche Kurven. Der Mittelwert der immer flacher ansteigenden Kurven liegt nach 52 Wochen bei 60 Prozent des abgenommenen Gewichts. Verlängert man die Bahn, könnte bei 75 Prozent ein Wert erreicht werden, über den hinaus sich das Gewicht womöglich nicht weiter erhöht. Ob dem tatsächlich so ist, ist aber unklar. Reale Langfrist-Werte gibt es bisher nicht.
Je höher das Ausgangsgewicht, desto stärker die erneute Gewichtsszunahme
Nach einer Untersuchung des Beijing University People's Hospital in Peking nehmen Patientinnen und Patienten umso stärker wieder zu, je höher ihr Gewichtsverlust gewesen ist. Das ist selbst dann der Fall, wenn sie an Programmen teilnehmen, um ihren Lebensstil, etwa das Ess- und Bewegungsverhalten, zu verändern. Ähnliches erleben zum Beispiel Menschen, die eine stark kalorienreduzierte Diät einhalten. Auch sie nehmen nach deren Ende stärker wieder zu als Menschen, die nur eine moderate Kalorieneinschränkung durchlaufen.
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Längerfristig nur niedrige Dosis?
Ist es eventuell eine Option, langfristig Inkretinmimetika in einer geringeren Dosierung anzuwenden, und so eine erneute Gewichtszunahme zu vermeiden? Zu dieser Fragestellung laufen derzeit Studien. Überprüft wird, ob eine individuelle Dosisreduktion nach dem Erreichen des Zielgewichts Patientinnen und Patienten dabei helfen kann, ihr Gewicht dauerhaft zu halten. Die Ergebnisse stehen noch aus.
Quelle: dpa-AFX