Serie Fresh-up: Tirzepatid
Schon zum dritten Mal an diesem Tag kündigt das Telefon den Eingang einer App-Bestellung an. Die PTA lädt das auf diesem Weg anvisierte Rezept ihrer Kundin Roswitha Krüger herunter, bei dem es sich um die Verordnung eines Kwikpen Mounjaro in der Dosis mit 2,5 Milligramm Tirzepatid handelt.
Serie Fresh-up
01/2025 Teriparatid
02/2025 Epoetin
03/2025 Isotretinoin
04/2025 Spironolacton
05/2025 Doxycyclin
06/2025 Hydroxychloroquin
07/2025 Levodopa
08/2025 Glyceroltrinitrat
09/2025 Infliximab
10/2025 Ciclosporin
11/2025 Donepezil
12/2025 Tirzepatid
Hintergrund
„Der muss neu sein, denn bisher hatte Frau Krüger immer Metformin für ihren Typ-2-Diabetes“, wundert sich die PTA und erinnert sich, dass der neu verordnete Wirkstoff ein lang wirkender, dualer Agonist an den beiden Inkretinrezeptoren GIP und GLP1 ist und wegen seiner doppelten Wirkweise als Twinkretin bezeichnet wird.
Die beiden Rezeptoren finden sich neben den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse auch im Gehirn und anderen Körperzellen. Die Aktivierung der Rezeptoren erhöht die Glukoseempfindlichkeit der Betazellen der Bauchspeicheldrüse und dadurch die vom Blutzuckerspiegel abhängige Insulinfreisetzung. Über den GIP-Rezeptor können der Appetit und darüber hinaus die Glukose- und Lipidaufnahme sowie die Lipolyse reguliert werden.
Aufgrund dieser Wirkweise wird das ursprüngliche Diabetes-Medikament auch von Menschen genutzt, die mit seiner Hilfe abnehmen wollen. Neben glykämischer Kontrolle und Reduktion von Appetit und Körperfettmasse bewirkt Tirzepatid auch das Sinken von Blutdruck und Blutfettwerten. Bei Typ-2-Diabetikern ist eine Kombination mit Insulin oder einem Wirkstoff, der die Insulinsekretion anregt, möglich.
Hinweise
Als Frau Krüger kommt, um das bestellte Medikament abzuholen, ist sie ganz vergnügt. „Meine Freundin bekommt die kostspielige Abnehmspritze ja nur auf Privatrezept, weil sie keinen Diabetes hat. Mir als Typ-2-Diabetikerin hat es der Arzt aber auf Kassenrezept verordnet, weil ich Metformin nicht vertrage. Da behandle ich meine überflüssigen Pfunde gleich mit“, freut sie sich. Dann fügt sie vertraulich hinzu: „Die Gute holt sogar mehr als die üblichen vier Einzeldosen aus dem Kwikpen heraus, um Geld zu sparen. Die Anleitung dazu hat sie aus dem Internet.“
Die PTA verdreht innerlich die Augen. „Bitte lassen Sie es bei den vorgegebenen vier Dosen gut sein. Die großzügige Befüllung des Pens hat technische Gründe. Für eine Mehrentnahme ist er nicht vorgesehen.“
Sie ergänzt: „Gekühlt bei zwei bis acht Grad ist der Kwikpen zwei Jahre lang haltbar, nach dem ersten Gebrauch muss er jedoch nur noch bei Raumtemperatur bei weniger als 30 Grad Celsius aufbewahrt werden mit der Empfehlung, ihn 30 Tage nach dem ersten Gebrauch zu entsorgen.“
Extra
Die PTA informiert die Kundin über die Anwendung des Medikaments: „Einmal wöchentlich spritzen Sie sich die Einstiegsdosis von 2,5 Milligramm Tirzepatid subkutan in den Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Das kann unabhängig von den Mahlzeiten geschehen. Wichtig ist nur, die Injektionsstelle jedes Mal zu wechseln. Nach vier Wochen wird auf die empfohlene Erhaltungsdosis von fünf Milligramm erhöht.“
„Und wenn das nicht ausreicht?“, fragt Frau Krüger.
„Dann kann die Dosierung schrittweise bis zu einer Höchstdosis von 15 Milligramm pro Woche gesteigert werden“, antwortet die PTA. „Eine versäumte Dosis können Sie innerhalb von vier Tagen nachholen, nach mehr als vier Tagen fahren Sie einfach mit der nächsten regulären Dosis fort. Prinzipiell müssen immer mindestens drei Tage zwischen zwei Dosen liegen, auch bei einer Änderung des Dosierungsplanes.“
Sie fügt weitere Fakten hinzu: „Leider tritt nach dem Absetzen von Tirzepatid bei sehr vielen ein Jojo-Effekt ein. Sie müssen auch wissen, dass Sie, solange Sie sich noch im gebärfähigen Alter befinden, unter der Therapie nicht schwanger werden sollten.“ Dann ergänzt sie die Möglichkeit gastrointestinaler Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, die zu einer Dehydratation und damit zur Verschlechterung der Nierenfunktion führen können.
Sie endet mit dem Hinweis: „Wenn Verdacht auf eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse besteht, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen. Die Symptome für eine akute Pankreatitis sind plötzliche, starke Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können und sich bei Husten und heftigen Bewegungen verschlimmern. Der Oberbauch kann anschwellen und die Körpertemperatur bis 38,3 Grad Celsius ansteigen. Der Blutdruck sinkt.“