Kinderärzte warnen vor melatoninhaltigen Gummibärchen

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin warnt eindringlich vor Melatonin-Gummibärchen als Einschlafhilfe für Kinder. Solche süßwarenähnlichen Nahrungsergänzungsmittel bergen ein hohes Risiko für Überdosierungen und verharmlosen das Schlafhormon.

von Kirsten Bechtold
21.07.2026

Kind schaut seitlich aus dem Bild und öffnet ein Marmeladenglas mit Gummibärchen.
© Foto: Anna / stock.adobe.com
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  • elatonin-Gummibärchen verharmlosen das Hormon als Süßigkeit und erhöhen das Risiko für gefährliche Überdosierungen bei Kindern.
  • Langzeitfolgen von Melatonin auf die kindliche Entwicklung sind unerforscht, weshalb die DGKJ ein Verbot solcher Produkte fordert.
  • Bei Schlafproblemen helfen oft feste Routinen und eine gute Schlafhygiene; andernfalls ist ärztlicher Rat essenziell.

„Wenn ein hormonell wirksamer Stoff wie Melatonin als Gummibärchen angeboten wird, entsteht schnell der Eindruck, es handle sich um eine harmlose Süßigkeit“, warnt Professor Dr. Thomas Lücke, Vorsitzender der DGKJ-Ernährungskommission. Diese Darreichungsform bagatellisiert nicht nur die Wirkung erheblich, sondern steigert auch die Gefahr, dass Kinder unbeaufsichtigt mehrere Stücke naschen – eine Überdosierung droht, heißt es in einer Stellungnahme der Fachgesellschaft.

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Arzneimittel vs. Nahrungsergänzungsmittel

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Als zugelassenes Arzneimittel unterliegt Melatonin für Kinder strengen Vorgaben und wird nur bei wenigen, klar definierten Indikationen (z. B. Autismus-Spektrum-Störung, Smith-Magenis-Syndrom) verschrieben. Frei verkäufliche Melatonin-Gummibärchen sind hingegen Nahrungsergänzungsmittel und unterliegen nicht denselben strengen Zulassungs- und Sicherheitsanforderungen wie Arzneimittel.

Für das Apothekenpersonal bedeutet das: Die Abgabe von melatoninhaltigen Einschlafhilfen an Kinder sollte stets kritisch hinterfragt werden. Eltern ist bei anhaltenden kindlichen Schlafproblemen immer der Gang in die pädiatrische Praxis anzuraten.

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Melatonin gegen Jetlag ist künftig rezeptfrei erhältlich. Mit der 24. Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung vom Mai 2026 wurde der rechtliche Weg für den Verkauf entsprechender neuer OTC-Produkte offiziell frei gemacht.

Nebenwirkungen von Melatonin bei Kindern

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem morgendliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit und Albträume. Belastbare Daten zur Langzeitsicherheit – insbesondere im Hinblick auf die hormonelle Entwicklung in der Pubertät sowie kardiovaskuläre Auswirkungen – fehlen bislang weitgehend. Internationale Berichte verzeichnen zudem eine Zunahme melatoninassoziierter Notfälle bei Kindern durch unsachgemäße Anwendung.

Aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin darf ein hormonell wirksamer Stoff keinesfalls wie ein harmloses Naschprodukt behandelt werden. Die Fachgesellschaft fordert daher ein striktes gesetzliches Verbot von melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln in Form kindgerechter Süßigkeiten.

Tipps für besseren Schlaf

Die DGKJ empfiehlt, bei Schlafproblemen bei Kindern nicht vorschnell zu Präparaten zu greifen. Oft helfen bereits natürliche Einschlafstrategien:

  • feste Schlafenszeiten
  • klare Abendroutinen
  • Verzicht auf Bildschirmmedien vor dem Zubettgehen
  • eine schlafhygienisch günstige, reizarme Umgebung

Sollten die Schlafprobleme dennoch anhalten, ist eine ärztliche Abklärung der sicherste Weg für das Kind.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

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