Wimpernseren: Risiko Prostaglandine

Kosmetika für das Wimpernwachstum sind beliebt. Am stärksten wirken Prostaglandin-haltige Wimpernseren. Doch laut Professor Norbert Pfeiffer, Universität Mainz, bergen diese teils irreversible Risiken. Was PTA für die Beratung über Inhaltsstoffe, Nebenwirkungen und Alternativen wissen müssen.

von Kirsten Bechtold
19.08.2026

Frau vor und nach einer Wimpernverlängerung
© Foto: New Africa / stock.adobe.com
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  • Prostaglandine fördern das Wimpernwachstum, bergen aber Risiken wie irreversible Irisverfärbungen und Schwund des Fettgewebes rund ums Auge.
  • Für Schwangere und Stillende sind die hormonell wirksamen Präparate wegen möglicher Schäden fürs Kind absolut tabu.
  • Als sichere Alternativen für die PTA-Beratung eignen sich reizfreie Pflegeöle wie Rizinusöl oder ggf. Vitamin-Präparate.

Inhaltsstoffe: Was steckt in Wimpernseren?

Auf dem Markt erhältliche Wimpernseren setzen im Wesentlichen auf drei Wirkstoffgruppen:

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  • Vitamine (oft B und E) kombiniert mit Koffein
  • Pflegeöle wie Rizinus- oder Erdnussöl
  • Prostaglandine

Am effektivsten für das Wimpernwachstum sind Prostaglandin-haltige Wimpernseren. Sie „bewirken, dass mehr Pigment in die Haare eingelagert wird, wodurch diese dicker werden und länger wachsen, bis sie wieder ausfallen“, erklärte Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Augenarzt an der Universität Mainz, bei einer Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge.

Gewebshormone und ihre Nebenwirkungen

Doch der Einsatz dieser Gewebshormone am Auge ist nicht ohne Risiko. In der Ophthalmologie werden Prostaglandine schon lange therapeutisch genutzt – als Augentropfen zur Senkung des Augeninnendrucks bei einem Glaukom (Grüner Star).

„Man muss wissen, worauf man sich einlässt.“ Häufig kommt es zu Reizzuständen am Auge. Um dies zu kaschieren, wird die Anwendung meist abends empfohlen, damit die Rötung in die Nachtphase fällt. Seltener treten auch entzündliche Reaktionen auf.

Zertifizierte Fortbildung: Augenkrankheiten

Jucken, Schmerzen, Sandkorngefühl: Augenkrankheiten sind ein häufiges Beratungsthema. Die Selbstmedikation ist jedoch auf wenige Erkrankungen begrenzt, wie diese zertifizierte Fortbildung zeigt.

Irreversible Farbveränderung der Regenbogenhaut

Eine markante Nebenwirkung ist die verstärkte Melanineinlagerung, die sich nicht auf die Wimpern beschränkt. Sie betrifft auch die Haut um die Augen, was zu dunklen Augenringen führen kann. Bei zwei von drei Anwendern verdunkelt sich zudem die Regenbogenhaut (Iris).

Eine blaue oder grüne Iris kann sich bräunlich verfärben. Der Augenarzt warnt: Diese Farbveränderung ist nicht reversibel. „Das bleibt und geht nicht weg, wenn man die Tropfen dann absetzt.“

Langfristige Folgen: Kreuzwuchs und Fettschwund

Unter längerem Prostaglandin-Einfluss können die Wimpern ihre Wuchsrichtung ändern. Sie wachsen teils „kreuz und quer“ oder kräuseln sich leicht.

Gravierender ist jedoch eine andere Langzeitfolge: Das Fettgewebe um die Augenhöhle herum kann abnehmen. Die Augen sinken infolgedessen zurück, was dem Gesicht einen greisenhaften Ausdruck verleihen kann.

Während Glaukom-Patientinnen und -Patienten diese Nebenwirkungen zur Verhinderung einer Erblindung in Kauf nehmen müssen, ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis bei Kosmetika fragwürdig. In Kanada sind Prostaglandine in Kosmetika bereits verboten; in Europa wird ein Verbot derzeit diskutiert.

Lesen Sie auch! Beauty-Frage: Sind künstliche Wimpern unbedenklich?

Die Antwort auf diese Frage gibt Redakteurin Stefanie Fastnacht. Sie ist PTA, Apothekerin und Kosmetikfachberaterin (HAV). 

Sichere Alternativen: Hausmittel und Vitamine

Rizinusöl und Erdnussöl

Wer eine sanfte Methode sucht, greift am besten auf bewährte Hausmittel zurück. Rizinusöl und Erdnussöl funktionieren laut Pfeiffer sehr gut und haben den Vorteil, dass sie das Auge nicht reizen.

Da die Wachstumsphase der Wimpern etwa einen Monat beträgt, sind jedoch Geduld und eine tägliche Anwendung erforderlich. Es empfiehlt sich, ein hochwertiges Öl abends mit einem Wattestäbchen fein aufzutragen. Weil das Öl leicht ins Auge kriechen und zu verschwommenem Sehen führen kann, ist die Anwendung vor dem Schlafengehen ideal. Teure Kosmetika sind hierfür nicht zwingend nötig.

Vitamine und Koffein

Auch pflegende Kosmetika mit Vitamin B, Vitamin E und Koffein sind eine milde Option. Der Augenarzt merkt jedoch an, dass die Wirksamkeit ähnlich überschaubar sei wie bei klassischen Haarwuchsmitteln, da aussagekräftige Studien fehlen. Sie schaden dem Auge jedoch nicht – sofern keine Unverträglichkeiten vorliegen – und verleihen den Wimpern zumindest einen schönen Glanz.

Quelle: Online-Pressekonferenz Stiftung Auge, Juli 2026

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