Serie Fresh-up: Quetiapin

Das atypische Antipsychotikum interagiert mit Rezeptoren für Neurotransmitter. Neben seiner Zulassung für Schizophrenie, bipolare Störungen und als Zusatztherapie bei schweren Depressionen wird es off-label bei Schlafstörungen verordnet.

von Petra Schicketanz
29.09.2026

Frau schaut in einen zerbrochenen Spiegel
© Foto: Kirsten D/peopleimages.com, stock.adobe.com
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  • Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum für Indikationen wie Schizophrenie, bipolare Störungen und Depressionen, aber auch im Off-Label-Use bei Schlafstörungen.
  • Für PTA ist eine umfassende Beratung zu Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Schwindel und Mundtrockenheit unerlässlich.
  • Die Aufklärung über ausreichende Flüssigkeitszufuhr und mögliche Medikation wie Metformin bei Gewichtszunahme ist dabei entscheidend.

Wie so oft, wenn es in der Apotheke mal etwas ruhiger zugeht, nutzt die PTA die Gelegenheit, mit ihrer Kollegin über die vorbestellten Medikamente zu sprechen. „Ich finde, bei uns wird ganz schön häufig Quetiapin verordnet“, bemerkt sie beim Einsortieren der Lieferung. „Stimmt“, entgegnet die Apothekerin.
„Quetiapin ist ein Antipsychotikum und gehört regelrecht zu den Blockbustern.“ „Heißt das, alle unsere Kunden, die das Medikament verordnet bekommen, leiden unter Wahnvorstellungen?“, fragt die PTA entsetzt.
„Auf keinen Fall“, widerspricht ihr die Kollegin.

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Hintergrund

„Natürlich gibt es gar nicht so wenige Menschen, die an einer Schizophrenie leiden“, erklärt die Apothekerin. „Die weit verbreitete Vorstellung von der gespaltenen Persönlichkeit ist allerdings falsch. Die Erkrankung beeinflusst das Denken und Verhalten. Oft verlieren Betroffene den Bezug zur Realität und haben Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen. Das Antipsychotikum Quetiapin greift an verschiedenen Rezeptoren im Nervensystem an. Es ist unter anderem auch bei bipolaren Störungen und bei schweren Depressionen zugelassen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind sogar deutlich breiter. Einer der Allgemeinärzte hier am Ort verordnet das Mittel gelegentlich bei Schlafstörungen, wenn Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht zur Ruhe kommen oder ungewöhnlich aggressiv sind. Da diese Indikationen nicht in der Zulassung beschrieben sind, gelten sie als Off-Label-Use.“

„Aber ich kann die Kunden doch schlecht fragen, warum der Arzt ihnen das Medikament verordnet“, überlegt die PTA laut. „Oft ist das auch gar nicht nötig“, erwidert die Kollegin. „Die indikationsgerechte Verordnung und Dosierung sind schließlich Sache des Arztes. Neben- und Wechselwirkungen sind überall gleich und treten in Abhängigkeit von der Höhe oder einer eventuellen Veränderung der Dosierung auf.“

Hinweise

Die Türglocke beendet das angeregte Fachgespräch. Prompt ist es eine Kundin, die vorbestelltes Quetiapin abholen will. „Hallo Frau Neugebauer, wie geht es Ihnen?“, empfängt sie die PTA. „Müde, schlapp und schwindelig“, entgegnet die Kundin, der man diesen Zustand tatsächlich ansieht. „Wenn ich aufstehe, dreht sich alles um mich herum.“ Bisher hat die Kundin das Medikament gut vertragen. Die Symptome sind typisch für eine Dosisänderung, doch das ist bei Frau Neugebauer erklärtermaßen nicht der Fall. „Trinken Sie denn genug?“, fragt die PTA, einer Eingebung folgend. „Tatsächlich fällt mir das zurzeit schwer“, gibt die Kundin zu.

„Dann ist ja alles klar“, entgegnet die PTA. „Bei einer zu geringen Trinkmenge können typische Nebenwirkungen auftreten, die auch bei einer Dosissteigerung infrage kommen. Dazu gehören Müdigkeit und Mundtrockenheit. Da der Wirkstoff die Blutgefäße weit stellt, kann der Blutdruck abfallen und sich durch orthostatische Probleme zeigen wie Schwindelgefühl beim schnellen Aufstehen.

Insgesamt erhöht sich durch Quetiapin in Kombination mit dem Flüssigkeitsmangel das Risiko für Schwindel, Ohnmacht und Stürze. Besonders bei älteren Menschen ist diese Gefahr erheblich. Bitte trinken Sie bewusst in regelmäßigen Abständen. Am besten fangen Sie gleich damit an“, lächelt die PTA und verweist auf den Wasserspender, der in der Offizin für die Kunden bereitsteht. „Sollten sich Ihre Beschwerden aber nicht verbessern, dann sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt darüber.“

Extra

Während die Kundin an ihrem Wasser nippt, erwähnt sie ein weiteres Rezept, das der Arzt ihr mitgegeben hat, nachdem sie mit ihm schon mehrfach über ihre unerwünschte Gewichtszunahme in den letzten Monaten gesprochen hatte. „Da steht Metformin drauf, und das ist doch ein Diabetesmittel. Ich habe mich nicht getraut, meinen Arzt auf den Irrtum anzusprechen, denn ich bin nicht zuckerkrank.“

„Das ist bestimmt kein Irrtum“, beschwichtigt sie die PTA. „Quetiapin gehört zur Wirkstoffgruppe der Antipsychotika, die leider zu einer unerwünschten Gewichtszunahme führen können. Spätestens, wenn diese drei bis fünf Prozent des Körpergewichts beträgt, besteht Handlungsbedarf. Sollten Dosisanpassung und die Teilnahme an Ernährungs- und Bewegungsprogrammen nicht helfen, wird in Erwägung gezogen, zusätzlich ein Medikament zu geben, das hilft, das Körpergewicht zu reduzieren oder wenigstens zu stabilisieren.

Seit einigen Jahren gibt es deutliche Hinweise, dass das Diabetesmedikament Metformin schon prophylaktisch hilft, der durch Antipsychotika ausgelösten Gewichtszunahme vorzubeugen. Der Wirkstoff verbessert die Insulinempfindlichkeit und senkt die Glukoseproduktion in der Leber. Sogar Blutfette wie Cholesterol und Triglyceride werden moduliert, was insgesamt dazu beiträgt, das Körpergewicht besser zu kontrollieren.“ 

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