Serie OTC-Arzneistoffe: Naratriptan

Der Wirkstoff gehört zu den selektiven Serotonin (5-HT1B/5-HT1D)-Rezeptor-Agonisten und hilft bei akutem, migränebedingtem Kopfschmerz. Frischen Sie Ihr Beratungswissen zu dem freiverkäuflichen Triptan auf.

von Stefanie Fastnacht
28.08.2026

Frau mit Kopfschmerzen im Bett
© Foto: kieferpix, Getty Images
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  • Naratriptan ist eines von vier rezeptfreien Triptanen und lindert akute Migräne durch gezielte Gefäßverengung.
  • Die Wirkung von Naratriptan setzt langsamer ein als bei Almotriptan, Sumatriptan und Rizatriptan, ist aber ideal für langanhaltende Attacken und bei wiederkehrenden Schmerzen.
  • Analgetika zur Überbrückung der Wirkung und Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen runden die Beratung bei Migräne ab.

Naratriptan (2,5 mg) ist neben Almotriptan (12,5 mg), Rizatriptan (5 mg) und Sumatriptan (50 mg) eines der vier Triptane, die zur Selbstmedikation von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer akuter Migräne mit und ohne Aura zugelassen sind. Als Serotonin-Rezeptor-Agonisten binden die Wirkstoffe an 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptoren, die an präsynaptischen, trigeminalen Nervenendigungen und auf der glatten Muskulatur der Hirnhautgefäße sitzen. 

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Die Aktivierung dieser Rezeptoren sorgt dafür, dass sich die im Migräneanfall erweiterten Blutgefäße im Bereich der Hirnhaut wieder zusammenziehen. In geringem Umfang verengen Triptane auch andere Blutgefäße, weshalb sie bei kardiovaskulären Erkrankungen grundsätzlich nicht angewendet werden dürfen. Ferner hemmen sie die Ausschüttung des Neurotransmitters Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP), der wesentlich an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. CGRP bringt dabei die neuroinflammatorischen (nervenentzündlichen) Prozesse der Migräne in Gang.

Wichtig-- Triptane verringern nur migränebedingte Schmerzen und wirken nicht direkt analgetisch.

Naratriptan

Der Wirkstoff darf in der Selbstmedikation nur angewendet werden, wenn Migräne eindeutig vom Arzt diagnostiziert wurde. Er ist für Erwachsene von 18 bis 65 Jahre indiziert. Filmtabletten mit Naratriptan werden im Ganzen und unzerkaut mit Wasser eingenommen. Bis sie ihre volle Wirksamkeit entfalten, dauert es bis zu vier Stunden.

Dosierung-- Die empfohlene Dosis bei akuter Migräne liegt bei einer Filmtablette mit 2,5 Milligramm Naratriptan. Spricht der Betroffene auf die erste Tablette an, kann eine zweite Tablette eingenommen werden, wenn die Symptome wieder auftreten. Zwischen der ersten und zweiten Einnahme muss ein Abstand von mindestens vier Stunden liegen.

Hintergrund ist, dass Naratriptan im Vergleich zu Almotriptan, Sumatriptan und Rizatriptan, wo in der Regel ein Abstand von zwei Stunden einzuhalten ist, eine längere Halbwertszeit und damit auch einen langsameren Wirkeintritt hat.

Insgesamt dürfen nicht mehr als zwei Tabletten mit einer Gesamtdosis von fünf Milligramm innerhalb von 24 Stunden eingenommen werden. Sprechen Kunden nicht auf die Einnahme der ersten Tablette an, darf die Migräneattacke nicht mit einer zweiten Dosis behandelt werden, da keine Besserung der Beschwerden zu erwarten ist.

Nebenwirkungen

Unter der Behandlung mit Naratriptan kann es unter anderem zu Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Schwere- und Schwächegefühlen sowie einem Engegefühl in der Brust kommen. Hier gilt es im Hinterkopf zu behalten, dass Symptome wie Müdigkeit, Benommenheit oder Schwindel auch Folgen der Migräneattacke selbst und keine unerwünschten Wirkungen sein können. Bei häufiger Einnahme, an zehn oder mehr Tagen im Monat, besteht die Gefahr, dass sich ein medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz entwickelt.

Kontraindikationen-- Menschen mit schwerwiegenden kardiovaskulären Krankheiten wie Angina pectoris, koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit sowie Hypertonie dürfen Naratriptan nicht verwenden. Auch die gleichzeitige Einnahme von Ergotamin und seinen Derivaten oder anderen Triptanen ist kontraindiziert.

Wechselwirkungen-- Theoretisch können Triptane in Kombination mit Serotonin-Wiederaufnahme- und MAO-Hemmern sowie Johanniskrautpräparaten ein Serotonin-Syndrom auslösen. Gerade Naratriptan wird aber kaum über das MAO-System abgebaut, sodass kein Anstieg der Plasmaspiegel und somit auch keine klinisch relevanten Interaktionen zu erwarten sind.

Aus dem OTC-Sortiment*

Triptane
Präparat Wirkstoff
Dolortriptan Almotriptan
(12,5 mg)
Formigran Naratriptan(2,5 mg)
Rizatriptan Heumann bei Migräne Rizatriptan(5 mg)
Sumatriptan ratiopharm bei Migräne Sumatriptan
(50 mg)
*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Beratungstipps

Raten Sie Kunden, Naratriptan früh in der Kopfschmerzphase der Migräne einzunehmen, um eine optimale therapeutische Wirkung zu erreichen. Weisen Sie aber darauf hin, dass die Gabe während einer Aura, solange noch kein Kopfschmerz vorhanden ist, keine Wirkung zeigt und aus Sicherheitsgründen unterbleiben soll.

Die frei verkäuflichen oralen Triptane wirken alle ähnlich, ihre Wirksamkeit kann aber individuell variieren. Im Unterschied zu Almotriptan, Sumatriptan und Rizatriptan, die schnell wirken und sich bei starken, eher kurzen Migräneattacken empfehlen, setzt die Wirkung bei Naratriptan langsamer ein. Der Wirkstoff eignet sich deshalb für Betroffene, die unter langanhaltenden Migräneanfällen leiden oder bei denen die Kopfschmerzen nach der Einnahme der ersten Dosis wiederkehren (Headache Recurrence).

Grundsätzlich sollten leichte bis mittelstarke Migränekopfschmerzen zuerst mit Analgetika behandelt werden. In Studien gut belegt ist die Wirkung von Acetylsalicylsäure (900–1000 mg) und Ibuprofen (Standard OTC-Dosis 400 mg). Lösliche Formen wie Brausetabletten oder Granulate sind wegen ihres schnelleren Wirkeintritts zu bevorzugen.

Schnell wirkende Analgetika helfen zudem dabei, die Zeit bis zum Wirkeintritt von Naratriptan zu überbrücken. Nicht steroidale Antirheumatika wie Naproxen (2 x 250 mg) mit einer längeren Wirkdauer als ASS oder Ibuprofen können ferner in Kombination mit einem Triptan der Headache Recurrence entgegenwirken.

Die Gabe eines freiverkäuflichen Antiemetikums (z. B. Dimenhydrinat) in Form von Zäpfchen oder Schmelztabletten lindert Migräne-Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. 

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