Wechseljahre: Auf und ab

Bis vor Kurzem noch Tabuthema, rückt das Thema Wechseljahre zunehmend in die Öffentlichkeit. Für Frauen mit Beschwerden ist die Apotheke oft eine erste niedrigschwellige Anlaufstelle. Was können Sie raten?

von Kirsten Bechtold
29.09.2026

Frau mit Hand vorm Mund
© Foto: Daniel Balakov, Getty Images/iStockphoto
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  • Der Text beleuchtet die fundierte Beratung zu Beschwerden in den Wechseljahren.
  • Er stellt sichere Optionen der Selbstmedikation wie Phytotherapie bei Hitzewallungen vor.
  • Ergänzend liefert er praxisnahe Tipps zu Hautpflege und Ernährung.

Nicht nur am Welt-Menopause-Tag, der in diesem Jahr am 18. Oktober begangen wird, hat das Thema Wechseljahre Saison. Die über mehrere Jahre andauernden hormonellen Umstellungen, die mit dem Übergang der fruchtbaren zur unfruchtbaren Phase der Frau einhergehen, können das ganze Jahr über für körperliche und psychische Probleme sorgen. Dabei werden manche Beschwerden zunächst gar nicht mit dem Auf und Ab der Hormone und den über die Zeit langsam abnehmenden Östrogen- und Progesteronspiegeln während der Prä-, Peri- und Postmenopause in Verbindung gebracht. Beispielsweise können auch schmerzende Gelenke, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, brüchige Nägel und dünner werdendes Haar wechseljahresbedingt sein.

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PTA können mit ihrem Wissen Frauen in der Lebensmitte dabei unterstützen, Beschwerden richtig einzuordnen. Neben einer ärztlich verordneten Hormontherapie können – je nach Ausprägung und Symptomen – beispielsweise auch pflanzliche Präparate oder eine Veränderung des Ernährungs- und Lebensstils positive Effekte bringen.

Klassische Red Flags für die Selbstmedikation sind schwere depressive Verstimmungen, massive Schlafstörungen – sowie starke Unterbauchschmerzen oder eine starke und schnelle Gewichtszunahme.

Typische Beschwerden in den Wechseljahren

Grafik: Typische Beschwerden in den Wechseljahren

Die Apotheke ist für Frauen in den Wechseljahren eine wichtige niederschwellige Anlaufstelle bei Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen.
© Foto: Grafik: DAV/DAS PTA MAGAZIN

Selbstmedikation

Klassische Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sind in aller Regel von vorübergehender Natur. Nach den Wechseljahren erhöht sich jedoch das Risiko für verschiedene Erkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Harnwegsinfekte, Blasenschwäche und Osteoporose. Auch anhaltende Scheidentrockenheit kann Frauen in der Lebensmitte zunehmend Beschwerden bereiten. Die Therapie richtet sich nach den belastenden Symptomen und den individuellen Risiken der jeweiligen Frau. Im Folgenden haben wir ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige Optionen der Selbstmedikation zusammengestellt.

Phytotherapie

Zur Besserung der durch die Wechseljahre bedingten psychischen und neurovegetativen Beschwerden haben sich sowohl Extrakte des Traubensilberkerzen-Wurzelstocks (Cimicifugae racemosae rhizoma) als auch Extrakte der Sibirischen Rhabarberwurzel (Rhei rhapontici radix) bewährt. Für C. racemosae rhizoma werden als Angriffspunkte Hypothalamus sowie Serotonin-, Dopamin-, Opioid- und GABA-Rezeptoren diskutiert. Der Extrakt aus R. rhapontici radix enthält spezielle Wirkstoffe (Stilbenderivate), die hochselektiv die Betaform des Östrogenrezeptors aktivieren. Er gilt in Bezug auf das Brust- und Gebärmutterkrebsrisiko für gesunde Frauen nach aktuellem Stand der Wissenschaft als sicher. Vorsicht ist geboten bei hormonabhängigen Tumoren in der Vorgeschichte (ärztliche Rücksprache!).

Wichtig-- Bei pflanzlichen Präparaten sind erste Effekte frühestens nach zwei bis vier Wochen spürbar. Bis zur vollen Entfaltung kann es mehrere Wochen dauern.

Zu Beginn der Wechseljahre kommt es häufig zu Zyklusschwankungen und Brustspannen. Hier kann versucht werden, mit Mönchspfefferfrüchten (Agni casti fructus) entgegenzuwirken.

Dominieren Schlafstörungen und sind andere Ursachen ausgeschlossen, können auch pflanzliche Präparate mit Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblättern und Passionsblumenkraut empfohlen werden. Stehen depressive Verstimmungen im Vordergrund, eignen sich Johanniskrautextrakte.

Supplemente

Isoflavone (z. B. aus Rotklee oder Sojabohnen) sind sekundäre Pflanzenstoffe mit einer strukturellen Ähnlichkeit zu körpereigenem Östrogen (Phytoöstrogene). Für hochdosierte isolierte Isoflavone in Nahrungsergänzungsmitteln ist die Datenlage zu Nutzen und Sicherheit nach wie vor dünn. Wer Isoflavon-haltige Nahrungsergänzungsmittel anwenden möchte, kann sich an den von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Frauen nach der Menopause als sicher befundenen Konzentrationen orientieren: maximal 100 Milligramm Soja-Isoflavone pro Tag für bis zu zehn Monate, maximal 43,5 Milligramm Rotklee-Isoflavone für maximal drei Monate.

Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Stimmungsschwankungen lassen sich möglicherweise durch eine optimierte Versorgung mit Vitamin B12 lindern. Magnesium kann Schlafstörungen und Stressanfälligkeit verbessern. Um das Osteoporoserisiko zu mindern, kann die Nahrung mit Calcium und Vitamin D ergänzt werden, wenn eine ausreichende Zufuhr über die täglich Kost nicht gewährleistet ist.

Probiotika

Ein relativ neuer Ansatz ist die Gabe von spezifischen Probiotika, unter anderem bei wechseljahresbedingten Magen-Darm-Problemen wie Blähbauch und Darmträgheit. Hintergrund sind Erkenntnisse, wonach insbesondere die postmenopausale Abnahme des Östrogens das Darmmikrobiom beeinflusst und dessen Diversität verringert. Zu beobachten sind eine Abnahme der bakteriellen Vielfalt und ein Verlust des Östroboloms – jener Bakteriengemeinschaft, die den Östrogenhaushalt mitreguliert. Ob das mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko einhergeht, ist nicht geklärt.

Beratungsplus

Im Verlauf der Wechseljahre nimmt der Fettanteil zu, die fettfreie Körpermasse ab. Das macht sich besonders im Bauchraum und rund um die inneren Organe bemerkbar, wo sich das Fett bevorzugt ablagert. Die Fettreserven in der Unterhaut schwinden hingegen. Mit Rückgang der fettfreien Körpermasse sinkt der Energieverbrauch, der Nährstoffbedarf bleibt gleich. Um einer Gewichtszunahme entgegenzuwirken, sollten energiearme Lebensmittel bevorzugt werden, die ausreichend Vitamine und Mineralstoffe liefern. Empfehlenswert ist eine Ernährungsweise mit Vollkornprodukten, Nüssen, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. Ein Beispiel ist die mediterrane Kost, die gleichzeitig eine herzgesunde Kost ist.

Trockene Haut

Da Östrogen den Wasser- und Fetthaushalt der Haut mitreguliert, wird diese in den Wechseljahren oft trocken. Für Gesicht und Körper empfehlen sich Pflegeprodukte mit einem hohen Anteil an Fett und Feuchtigkeit. Zusätze wie Glycerin, Hyaluronsäure und Harnstoff (Urea 5 %) sorgen dafür, dass die Feuchtigkeit in der Haut gespeichert wird. Peptide wie auch antioxidativ wirksames Vitamin A (Retinol) und Vitamin C in Pflegeprodukten stimulieren die Kollagensynthese.

Belastet Scheidentrockenheit die Kundinnen, können zur lokalen Pflege befeuchtende Vaginalgele, Vaginalzäpfchen mit Hyaluronsäure oder in der Vagina schmelzende Zäpfchen empfohlen werden. Präparate mit Döderlein-Bakterien können die Abwehrfunktion des Scheidenmikrobioms unterstützen. Da den Milchsäurebakterien bei starkem Östrogenmangel oft die Nahrung (Glykogen) fehlt, können zusätzlich milchsäurehaltige Präparate sinnvoll sein, um den physiologischen pH-Wert zu stabilisieren.

Trockenes Auge

Die Wechseljahre sind zudem ein Risikofaktor für das Auftreten des Trockenen Auges. Bei Beschwerden dieser Art können wässrige oder lipidhaltige Tränenersatzmittel für Linderung sorgen.

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